Genre: HipHop | Label: Lench Mob Records (Irascible) | Unsere Wertung: 4.5/10
Richtungsweiser
„Jay-Z can rap about the NYC / Why can’t I talk about the shit I see? / Without Alicia Keys, without going R&B / This ain’t Motown this is R-A-P!“ stellt Ice Cube auf „Life in California“ klar. Grundsätzlich haben wir natürlich nichts dagegen, wenn die Westküsten-Legende ein weiteres Mal seine Heimat repräsentiert. Zwar ist Ice Cube der breiten Öffentlichkeit in den letzten Jahren wohl eher durch seine Filmrollen aufgefallen, in unregelmässigen Abständen hat er aber auch weiterhin musikalisch die Fahne für den Westen hochgehalten.
„I do this for my kids“ resümiert er auf „It Is What It Is“, doch der Albumtitel deutet darauf hin, dass seine Ambitionen nicht einzig darin liegen, die Familienkasse aufzubessern. Wenn der 41-Jährige sein Album „I Am The West“ betitelt, stellt sich jedoch unweigerlich die Frage, ob er sich rechtmässig zur Speerspitze der Westküste zählt, oder ob ihn die junge Generation längst überrundet hat.
Dass Ice Cube seinen beiden Söhnen OMG und Doughboy einiges an Mikrofonzeit einräumt, ist nicht das einzige Anzeichen dafür, dass er versucht, eine Brücke zwischen Gestern und Heute zu schlagen. Die Produktionen bewegen sich zwischen eher klassischem Westcoast-Material und einem modernem, cluborientierten Soundbild. Tracks wie das düster daherrollende „Life in California“, „I Rep That West“, der fiese Banger „Your Money or Your Life“ oder das zurückgelehnte „Nothing Like L.A.“ dürften diejenigen Hörer zufriedenstellen, die sich von Ice Cube einfach nur Songs wünschen, bei denen vor dem geistigen Auge die Strassen L.A.’s auftauchen. Songs wie „All Day Every Day“, „Urbanian“ oder das von Bangladesh (u.a. „A Millie“ von Lil Wayne) produzierte „She Couldn’t Make It on Her Own“ richtigen sich hingegen bewusst an ein jüngeres Publikum und erinnern musikalisch weit mehr an den dreckigen Süden als an die Westküste.
Grundsätzlich gibt es an den Produktionen nicht allzuviel zu bemängeln, wenn auch wirklich Herausstechendes oder gar Innovatives fehlt. Das eigentliche Problem von „I Am The West“ ist, wie zahnlos und uninspiriert Ice Cube grösstenteils zu Werke geht. Schockte er früher das US-Gemüt noch mit radikalen Inhalten, wird er mit dieser Phrasendrescherei wohl höchstens ein müdes Gähnen provozieren. Das abgeklärte Pflegen des Legendenstatus und gebetmühlenartiges Repetieren des Westcoast-Lifestyles führen leider in diesem Fall nicht zu guter Musik.
Ice Cube unterstreicht dies gleich selbst, wenn er auf einem der spärlich gesäten Lichtblicke „Hood Robbin’“ die Probleme seiner Community thematisiert. Die Schwankungen des Dow Jones interessiert in der Hood niemand, wenn das Haus geräumt werden muss oder wegen des desaströsen US-Krankensystems der Zugang zu medizinischer Hilfe verwehrt bleibt. „Ain’t that a bitch, when you got to steal from the poor and give to the rich“. Mehr solche Songs hätte man sich von einem Mann seines Alters gewünscht. Gepflegtes Eierschaukeln und pubertäre Fantasien darf er gerne seinen beiden rappenden Söhnen überlassen.
Auch wenn Ice Cube immer noch über eine ideale Rap-Stimme verfügt und es auch versteht diese einzusetzen, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass sein Flow arg angestaubt wirkt. Auf einem Stampfer wie „Too West Coast“ fällt dies nicht weiter ins Gewicht, doch gerade auf den moderneren Tracks muss man resümieren, dass ihm mancher Jungspund den Rang abgelaufen hat.
Mit „I Am the West“ wird Ice Cube den Westen also nicht zurück an die Spitze führen. Er muss im Gegenteil acht geben, sich nicht gänzlich in die Bedeutungslosigkeit zu manövrieren.
Seit 24. September 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Hood Robbin’
> Nothing Like L.A.
Diskographie:
> AmeriKKKas Most Wanted (1990)
> Death Certificate (1991)
> The Predator (1992)
> Lethal Injection (1993)
> War & Peace Volume 1 (1998)
> War & Peace Volume 2 (2000)
> Laugh Now, Cry Later (2006)
> Raw Footage (2008)
> The Essentials (2008)
> I Am the West (2010)
Ähnliche Künstler:
> Dr. Dre
> Snoop Dogg
> N.W.A.
> Westside Connection