Das Misserfolgsrezept
Was macht den Unterschied zwischen erfolgreicher und erfolgloser Musik aus? Idaho bestehen seit 19 Jahren und gehören tatsächlich zu den Pionieren des Slowcore. Dennoch spielte sich die bisherige Karriere der Band, die eine achtbare Zahl an Platten veröffentlicht hat, in den tiefsten Tiefen des Undergrounds ab.
Slowcore, das sind introvertierte, langsame und behutsame Töne, für aufmerksame Hörer ein willkommener Kontrast zum modernen Lärmmüll des Alltags. Klar also, dass es aus dieser Sparte nie Chartstürmer gegeben hat. Namen wie Low, Dakota Suite oder Red House Painters aber spielen in der unabhängigen Musikbranche eine verdient grosse Rolle. Idaho haben eine lange, facettenreiche und kaum überschaubare Laufbahn hinter sich und sind mittlerweile nur noch ein Ein-Mann-Projekt des Gründungsmitglieds Jeff Martin. Warum aber tendiert der Bekanntheitsgrad hier im Gegensatz zu dem mancher im Klang ähnlicher Kollegen gegen Null?
Ein wenig bekommt man auf „You Were a Dick“ die Antwort auf diese Frage. Denn grösstenteils gibt es hier nichts Neues oder gar irgendwelche Experimente zu hören, wie es noch zuletzt auf „The Lone Gunman“ der Fall war. Daher gerät diese Platte ab und zu ein wenig langatmig. Aber, und darin liegt der Reiz, Jeff Martin besitzt ein einzigartiges Talent dafür, entrückte Schönheit in kurze, unaufgeregte Songs zu packen. Die hauptsächlich auf langsamem Klavier beruhenden „Someone to Relate to“ und ganz besonders „Flames“, in denen er sein Innerstes nach aussen kehrt, beeindrucken daher auch auf Anhieb. Und doch ist Martin sich nicht zu schade, lautere Kontraste zu setzen, wie es im rockigsten Song, „The Space Between“ zu hören ist. Diese Momente sind aber eher rar gesät, die meiste Zeit ist „You Were a Dick“ sehr ruhig, entspannt und friedvoll.
Es wird dennoch wieder einmal klar, Jeff Martin ist ein einfühlsamer Songwriter. Wer also ein introvertiertes, teilweise aber auch sehr eindringliches Album sucht, ist mit „You Were a Dick“ ziemlich gut beraten und unterstützt in jedem Fall den richtigen Mann. Denn, zurück zur Anfangsfrage: Dass die Verkaufszahlen auch hier nicht in die Höhe schiessen werden, scheint sicher. Vielleicht ist es Idahos grösstes Problem, dass viele Menschen heutzutage nichts mit dieser meist nachdenklichen und ruhigen Art von Musik anfangen können. Denn Hitstrukturen und Refrains, die sich ins Ohr fräsen, finden sich kaum. Man kann tatsächlich schnell zu den Klängen dieses Albums einschlafen, aber das zeugt nicht von Langeweile. In Wahrheit ist gerade das nämlich die grosse Leistung.
Seit 24. Juni 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> The Space Between
> Flames
Diskographie:
> Year After Year (1993)
> This Way Out (1995)
> Three Sheets to the Wind (1996)
> Alas (1998)
> Hearts of Palm (2000)
> Levitate (2001)
> The Lone Gunman (2005)
> You Were a Dick (2011)
Ähnliche Künstler:
> Red House Painters
> Low
> Dakota Suite
> Sun Kil Moon
> Retribution Gospel Choir
> Savoy Grand
> Audrey