Incubus
haben sich fünf lange Jahre selbst gesucht und nun das Konventionelle
gefunden. Wie jetzt? Auf „If Not Now, When?“ zeigen sich die Kalifornier
so glatt wie nie – ohne dabei in seichte Gewässer abzudriften.
Stürmisch wird es auch nur selten. Hinter einem Bild des franzöischen
Hochseilartisten Philippe Petit verbirgt sich so manche Überraschung.
Es musste irgendwann einmal passieren: Dass Incubus ein Album herausbringen, dass allgemein als schwächer wahrgenommen wird als seine Vorgänger. Schlecht ist „If Not Now, When?“ nun wirklich nicht – nur eben konventioneller geraten als gewohnt. Dennoch ist es etwas Erfreuliches, wenn eine Band sich und ihre Musik neu definiert und ihr Spektrum erweitert.
Incubus turnen neuerdings durch große, weite Räume, anstatt sie mit allerhand Firlefanz auszufüllen. Anstelle raubeiniger Rock-Riffs gibt es elegante Melodien, Midtempo-Grower und mutig integrierte Streicher-Parts (im Titeltrack). „If Not Now, When?“ klingt episch („In the Company of Wolves“) und kompakt („Defiance“) zugleich und atmet hörbar mehr Sauerstoff ein als all das, was die Band bislang abgeliefer hat.
Gleich beim fabelhaften Titelsong beginnen die Synapsen zu glühen: Landschaften, Gletscher, Farben, dicke Wolken ziehen vorbei. Sänger Brandon Boyd erleben wir von einer gesanglich ungemein intensiven Seite – so dermassen mit Inbunst vorgetragen, hat man ihn selten singen hören. „If Not Now, When?“ treibt es unermüdlich auf die Spitze. Daneben gibt es das durch Sommerwiesen hüpfende „Isadore“, das auf wohligen Pop-Schwingen gebettete „Promises, Promises“, die in Spiralen rotierende Single „Adolescents“ und „Thieves“, das die Band aggressiver und angriffslustiger zeigt. Der euphorische Überflieger „Switchblade“ und das sphärisch irrlichtende „Tomorow's Food“ bildet den Abschluss einer interessanten Reise.
Incubus sind ein Risiko eingegangen - wohl wissend, dass sie damit auf einem schmalen Seil entlang gehen und folgerichtig stets darauf bedacht sein müssen, den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren. Das Wagnis ist hier zumindest im Grossen und Ganzen aufgegangen.
Seit 8. Juli 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> If Not Now, When?
> Thieves
> Switchblade
Diskographie:
> Fungus Amongus (1995)
> S.C.I.E.N.C.E. (1997)
> Make Yourself (1999)
> Morning View (2001)
> A Crow Left of the Murder (2004)
> Light Grenades (2006)
> Monuments and Melodies (Best of, 2009)
> If Not Now, When? (2011)
Ähnliche Künstler:
> Faith No More
> Biffy Clyro
> Red Hot Chili Peppers