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Infadels - Universe In Reverse

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von Rudolf J. Merkle am Freitag, 4. Juli 2008 in Neuerscheinungen   
Genre: Elektronischer Rockpop
Label: Wall Of Sound
CH-Vertrieb: Musikvertrieb
Unsere Wertung:Infadels - Universe In Reverse


Tanzen mit Melodie im Ohr.
Universe In ReverseDie Infadels, zweifelsfrei eine markante Entdeckung im Pop-Geschäft der letzten Jahre, melden sich wieder. Resultat: Kein Song fällt ab, alles ist rundum zufriedenstellend – ausgezeichnet wird das nächste Album werden.

Geschätztes Auditorium,

fragen wir einfach mutig: Ist der Titel des hier zu präsentierenden Albums programmatisch gemeint? Was könnte gemeint sein mit dem ‚umgekehrten Wesen des Universums’? Der gleichnamige Track hilft diesbezüglich zumindest nicht weiter, insofern man einen veränderten Infadels-Mikrokosmos erwartet. Ebenso bleibt der weite Musik-Makrokosmos unberührt: Eine eingängige Melodie mit ebensolchem Refrain wird von einem engagierten Sänger vorwärtsgetrieben, im Hintergrund verlegen die Gitarren schlafwandlerisch sicher einen Sound-Teppich, der elektronisch punktuell ergänzt wird, die Drums geben eine rasante Pace vor, der Bass bleibt subordinativ. In der hymnischen Anlage an den atemberaubenden Song ‚Girl That Speaks No Words’ des vorherigen Albums erinnernd, ermangelt ‚Universe In Reverse’ etwas der Kraft und der Konsistenz. Let’s groove mit dem Fuss auf dem Bremspedal. Oh ja, man lässt sich die knapp 5 Minuten Musik nicht ungern gefallen, aber irgendwie fehlt dieses irgendwie gewisse Irgendetwas, obwohl die Spielfreude der fünf Musiker offenkundig und das Arrangement, wie überhaupt auf dem Silberling, schlicht geglückt ist.
Ähnlich verhält es sich mit dem abschliessenden ‚How To Disappear’ (ernsthaft: den herrlich ironischen Titel goutieren wir ohne Abstriche): klug durchdachte, mitunter rasante Pop-Musik, welche die Engländer stilsicher mit Verve zu performen wissen. Das geneigte musikinteressierte Auditorium fühlt sich unterhalten, zur nächsten Party geladen und dürfte mithin den akustischen Hintergrund für den Sommer gefunden haben. Ein wahrer Labsal für die Ohren ist die Indie-Rock-Attitüde des dichten Gitarrenspiels (z. B. in ,Play Blind’, das Finale von ‚Million Pieces’) nie affektiert oder gar narzisstisch wirkt, sondern eben substantiell überzeugt. Cool.
Was wir zum einen missen, ist Provokation, der berühmt-berüchtigte Mittelfinger, der am ehesten in der punkigen Selbstoffenbarung ‚Make Mistakes’ , wohl einem Highlight des anzuzeigenden Albums, intoniert ist – hier geht’s mit Energie konsequenter zur Sache – prächtig.
All dieses ist nun ohn’ Makel, keine Frage. Nichtsdestotrotz suchen wir vergeblich das Moment der Genialität, forschen nach der Sensation, die uns die Ohrenmuscheln endgültig wegpustet.
Auf allen Tracks fällt zum anderen im Vergleich zu den beiden vorherigen Releases auf, dass die elektronischen Einsprengsel, vielleicht das stilbildende respektive unverkennbare Element der Infadels, deutlich zurückhaltender gesät sind. Dies erdreisten wir uns an dieser Stelle still zu bedauern. Zwar finden sich gelegentlich entsprechende Spuren (‚Code 1’, ‚Chemical Girlfriend’), aber sie sind nach unserem Geschmack zu fein, allein sekundärer Bedeutung.
Besondere Beachtung verdient schliesslich die Ballade ‚Don’t Look Behind You’. Im Gesang sind Parallelen zu Coldplay nicht zu negieren, die Pathos-Reminiszenzen an The Killers und U2 stehen Lied und Band ausgezeichnet zu Gesichte. Zwar kein Spezialist in diesem Genre, fühlt sich der Rezensent nachgerade peinlich ergriffen.
Das Fazit ist simpel: Über ‚Universe In Reverse’ werden wir keinesfalls den Stab brechen. Leicht pop-elektronisch inspiriert, rocken die Infadels mit Energie sowie handwerklichem Geschick los und divertieren uns mit Stücken, von denen weder eines abfällt noch eines überragt. Dieses ordentlich angerichtete 10-Gang-Menü wird mit drei Sternen bedacht, denn es schmeckt … nicht schlecht. In Erwartung des nächsten, hoffentlich elektronischeren Albums, das überragend sein wird, bemühen wir uns indes redlich, die Infadels live zu hören und zu sehen, denn die ungläubigen (und orthographieschwachen?) Angelsachsen sollen auf der Bühne eine wahre Wucht sein.

Unsere Ansicht: Man höre und beurteile all dieses selbst. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.


Seit 13. Juni 2008 im Handel.

Anspieltipps: Make Mistakes, Universe In Reverse, Free Things For Poor People, Chemical Girlfriend
Trackliste: 1) Circus Of The Mad; 2) Make Mistakes; 3) Play Blind; 4) Free Things For Poor People; 5) Code 1; 6) Million Pieces; 7) Universe In Reverse; 8) Don’t Look Behind You; 9) Chemical Girlfriend; 10) How To Disappear
similar artists: Hard-Fi, The Caesars, The Faint, Boy Kill Boy, Summer Went Too Soon, The Twang

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Infadels ist eine 5-köpfige Dance-Rock-Formation aus Hackney/London, die aus den Bandmembers Bnann (Vocals), Matt (Gitarre), Al (Drums), Richie (Keyboards, Perkussion) und Wag (Bass) besteht. Ursprünglich nannten sich die fünf Jungs Balboa und widmeten sich dem Electroclash. Die Band wurde 2002 jedoch aus Gründen des mangelnden Erfolgs und Streitigkeiten aufgelöst. 2003 treffen sich die ehemaligen Bandmitglieder wieder - nun nennen sie sich fortan Infadels – und nehmen ihren seit der Auflösung ersten gemeinsamen Song auf. Da kein Label die Jungs signen will, gründen sie kurzerhand Deat At Thirty Records. Der erste Gig der Band ist ein voller Erfolg und auch die erste Single „Leave Your Body“ kommt bei der Presse gut an und wird vom legendären John Peel in seiner Radioshow gespielt. 2004 wird die Band an einer Veranstaltung vom Wall Of Sound-Label entdeckt und gesignt. Weitere Auftritte folgen und das Debütalbum „We Are Not The Infadels“ wird aufgenommen, das Ende Januar 2006 erscheint. Während globaler Konzerttätigkeit entstehen die 10 Songs des Albums ‚Universe In Reverse’. Über ihre musikalischen Einflüsse sagt die Band selber: „Everything from Charlie Mingus to We've Got A Fuzzbox And We're Gonna Use It.“

Infadels
Diskographie:
> Leave Your Body EP (2003)
> We Are Not The Infadels (2006)
> Universe In Reverse (2008)


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