Genre: Art Rock | Label: Golden Antenna (Broken Silence/Creative Eclipse) | Unsere Wertung: 8.0/10
A New Profile
Man nehme federleichte Rocksongs, bette sie in einem riesigen schneeweissen Klangrahmen, gebe dazu ein paar geniale Melodien und erhält „These Are the Arms“
Was als Grindcore-Projekt begann lässt sich mittlerweile nicht mehr in Genre-Grenzen zwängen. Nur soviel: Vom Zorn - das kann Ira übersetzt auch bedeuten - ist kaum mehr etwas übrig geblieben. In diesem halben Dutzend Songs mit einer Länge von gut einer halben Stunde geht die Band aus Konstanz ihren Weg konsequent weiter und wird noch zugänglicher. Die zwei kurzen Interludes hin, Tiefsinn versprechende Spoken Word-Sprengsel von Sänger Toby Hoffmann, der, wenn er keine Musik macht, auch gerne mal Poetry-Slams bestreitet, her. Ira haben jetzt nämlich auch den Dreampop adoptiert, sind sich nach wie vor um keine bittersüsse Melodie zu schade. Bestes Beispiel ist „Katapult“, das für seine mehr als acht Minuten unerwartet einprägsam und angenehm unkompliziert ist. Man darf als Hörer trotzdem gern in die Tiefe gehen, erleben, wie der Song mit spannungsgeladener Tribal-Percussion ähnlich einer Sludge-Nummer á la Neurosis startet, und dann butterweich in sanft fliessenden Rock übergeht, nur um schliesslich wie ein Sigur Rós-Epos zu explodieren. Nicht falsch verstehen, die Assoziationen drängen sich nicht direkt auf – Ira gelingt es, sich von anderen Künstlern inspirieren zu lassen ohne sie zu imitieren, oder sich auf eine Stilrichtung festzulegen.
In seiner Stimmung ist dieser Sound dabei kaum gebunden, auf eine gewisse Art melancholisch, aber auch hell und hoffnungsvoll strahlend, wie es das wundervolle „A New Profile“ beweist. Die Wechsel von gesprochenem Deutsch zu gesungenem Englisch wirken genau so reibungslos wie die Symbiose der Musik. So spielen sich fünf Musiker auf dieser kurzen Platte drei mal in einen Rausch, der lediglich durch die wohl verzichtbaren Mini-Experimente „EPK“ und „Score“, sowie den ein wenig nach Alternative-Bands wie Dredg oder Klimt 1918 klingenden Kurzsong „The Gift“ unterbrochen wird. „These Are the Arms” zeigt eine Band, die einfach das spielt, was ihr gefällt, ohne einer bestimmten Zielgruppe gefallen zu wollen. Und genau das ist wieder einmal der Schlüssel zu guter, innovativer Musik. Absolut empfehlenswert und aussichtsreich.
Seit 30. September 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Katapult
> A New Profile
Diskographie:
> The Body and the Soil (2005)
> Visions of a Landscape (2009)
> These Are the Arms (2011)
Ähnliche Künstler:
> Aereogramme
> Dredg
> A Perfect Circle
> The Unwinding Hours