Eintauchen in die Klangwelt von Isis offenbart Einblicke in spektakuläre Landschaften voller Kraft und Schönheit.
Man sollte schon ordentlich Sauerstoff dabei haben, wenn man Isis kennen und schätzen lernen will. Es gibt wenige Bands, die sich für den Aufbau von Stimmungen in Songs soviel Zeit nehmen und Songparts durch Wiederholen und Variieren derart elaboriert wachsen lassen. Da merkt man, dass diese Bandmitglieder sehr gut aufeinander eingespielt sind und erahnt, dass diese Menschen beim Musizieren zusammen auch etwas erleben. Es muss schön sein da drin; befreiend, meditativ und versöhnlich in dieses Klangmeer zu tauchen und es zu gestalten. Aber die spektakulären Unterwasserlandschaften bergen auch Gefahren – ehe man sich verhört, tauchen aus den Untiefen furchteinflössende Kreaturen auf und lassen einen um Luft ringen…
Klar – das was Isis tun, ist nicht für jedermanns Ohren ein Genuss. Die Songs sind alle sehr lang und bewegen sich in einem ähnlichen, eher langsamen Tempobereich. Die Wechsel zwischen den ruhigen Parts und lauten Eruptionen könnten auch mal etwas überraschender sein, wie es beispielsweise die japanischen Mono sehr fies und effizient zu zelebrieren wissen. Jeder Song ist ein stetiges An- und Abschwellen; mal führt es in einen eher krachigen auflösenden Teil, bei dem Sänger/Gitarrist Aaron Turner dann auch mal wieder böse „growlt“, mal wird in einen neuen Songpart geleitet, der dann ebenfalls wieder anschwillt, bevor man wieder vor den selben beiden Möglichkeiten steht. Verständlich, wenn einem da beim Zuhören mal der Sauerstoff in der Flasche ausgeht und auch einleuchtend, dass man sich auf derartige Tauchgänge nicht immer einlassen will.
„In The Absence Of Truth“ ist eine deutliche Weiterentwicklung der Band seit dem Vorgänger „Panopticon“. Es gibt mehr Details zu entdecken, was – der transparenten und organischen Produktion von Matt Bayles sei Dank – auch sehr gut möglich ist. Isis setzen Gesang auf sehr reduzierte Weise ein, auf dem neuen Album klingt Aaron Turners Stimme gereift und die Death Metal Growls werden nur noch sporadisch eingesetzt, ohne dass dies als ein Mangel an Kontrast auffallen würde – im Gegenteil. Musikalisch hört man heute bei Isis manchmal Ähnlichkeiten zu Tool oder Aerogramme heraus; ein Zeichen für die Entwicklung einer Band, die eine eigene Vorstellung von Musik umsetzt und bezüglich Anspruch und qualitativer Umsetzung ziemlich ohne Konkurrenz in den Tiefen des Ozeans taucht. Eine Warnung noch an die Hörer: Allzu schnelles Auftauchen ist gefährlich.
Seit 31. Oktober 2006 im Handel.
Anspieltipps: Wrists of Kings; Firdous E Bareen
Trackliste: 1)Wrists Of Kings; 2) Not In Rivers, But In Drops; 3) Dulcinea; 4) Over Root And Thorn; 5) 1000 Shards; 6) All Out Of Time, All Into Space; 7) Holy Tears; 8) Firdous E Bareen; 9) Garden Of Light
similar artists: Neurosis, Jesu, Tool, Pelican, Oceansize, Aerogramme
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Bio:
Isis starten 1997 als Trio: Sänger und Gitarrist Aaron Turner, Bassist Jeff Caxide und Aaron Harris am Schlagzeug. Bereits ein Jahr später nehmen sie unter der Regie von Kurt Ballou (Gitarrist von Converge) die erste EP „Moskito Control“ auf. Die zweite EP (The Red Sea) wird ebenfalls von ihm produziert. Mit Mike Gallagher (Gitarre) und Bryant Clifford Meyer (Electronics), der im Jahre 2000 dazu stösst, ist das Isis Line-up schliesslich komplett.
Mit „Celestial erscheint im Jahre 2000 das erste ganze Album von Isis. Dabei begeben sie sich unter die Fittiche von „Matt Bayles“, der auch die folgenden Isis-Alben produziert. Einige nicht verwendete Tracks werden später auf Neurot Recordings, dem Label von Neurosis unter dem Titel „SGNL>05“ herausgebracht. Mit ihren Tourneen, unter anderem mit Converge, Cave In und Napalm Death erspielen sich Isis über die Jahre einen Ruf als hypnotische und intensive Liveband. Diese Entwicklung wird auch auf dem zweiten Album „Oceanic“ (2002) weiter verfolgt. Zur anfänglichen Brachialität entwickeln Isis immer mehr ein Gespür für Tiefgründigkeit und Melodie. Isis haben einen hohen künstlerischen Anspruch und sind trotz einer untypischen musikalischen Entwicklung im Hardcore verwurzelt. Dieselbe Philosophie prägt auch das kleine und feine „Hydra Head“ Plattenlabel, welches von Sänger Aaron Turner geführt wird.
2003 wird ein Remix-Album von Oceanic veröffentlicht, auf dem sich illustre Namen wie Mike Patton (Faith No More(, Justin K. Broadrick (Godflesh, Napalm Death), usw finden, um den Tracks eine neue musikalische Form zu geben.
„Panopticon“, das dritte Album von Isis wird „2004 auf dem Label Ipecac Recordings von Mike Patton veröffentlicht. Nach der Veröffentlichung der DVD „Clearing The Eye“ anfangs 2006 erschienen im Herbst erst die „In The Fishtank 14“ (zusammen mit Aerogramme) und wenige Wochen später das neue Album „In The Absence Of Truth“.