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Isis - Wavering Radiant

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von Michael Messerli & Philipp Gautschi am Mittwoch, 29. April 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Postrock / Metal  |  Label: Conspiracy (Irascible)

Wavering RadiantFelsvorsprünge/Dynamik
Das fünfte Studio-Album der Sludge/Post-Metal-Gruppe aus Los Angeles im Vier-Ohren-Test.

Rezension von Michael Messerli

Rezension von Philipp Gautschi

Möchte man ISIS Unrecht tun, dann würde man “Wavering Radiant” als Selbstzitat abstempeln, die Zusammenarbeit mit Adam Jones von Tool als wenig überraschende Randnotiz abtun und der Band vorwerfen, dass sie stagniert. So einfach ist es aber dann doch nicht.

Die Dinge liegen zwar schon etwas auf der Hand. Adam Jones wirkt auf „Wavering Radiant“ in zwei Songs mit und produziert wurde die Platte von Joe Barresi, der auch bereits mit Tool gearbeitet hat. Mit eben genannter Band waren ISIS auf Tour, was auch nicht weiter überrascht, weil Los Angeles ist schliesslich auch nur eine Stadt. Aber der Hund liegt anderswo begraben. Aaron Turner, seines Zeichens kein grosser Anhänger von zu viel Gesang in der Musik, nimmt der instrumentalen Wucht der Songs mit seinen Gesangs- und Schreiparts oft die Power. Ein doppelter Widerspruch in sich. Aber daran stört man sich vielleicht nur, wenn man es halt so will. Denn die tiefen Gräben, welche ISIS mit ihrem Sound hinterlassen, wirken immer noch. Auch wenn einen das Gefühl beschleicht, dass sie das alles schon einmal so deponiert haben. Hier aber von songtechnischem „Handwerk“ zu sprechen, könnte den Nagel vielleicht auf den Kopf treffen, ihn aber sicher nicht ganz einschlagen. Weil sich die Stärken von ISIS am Ende eben doch durchsetzen.

Die wiederentdeckte Härte kann aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich kein Song deutlich vom Gesamteindruck der Platte abhebt. Mit Ausnahme von „20 Minutes/40 Years“, das im Ansatz so etwas Ähnliches wie ein Hit sein könnte. „Wavering Radiant“ braucht seine Zeit und verdient sie sich mit seinen Felsvorsprüngen innerhalb der Songs. So etwa bei „Threshold of Transformation“ nach ungefähr fünfeinhalb sowie bei „Hall oft the Dead“ nach deren knapp vier Minuten. Am besten aber funktioniert „Stone to Wake a Serpent“, welches den Gesang am geschicktesten einbettet und nach sechs Minuten einen Part raushaut, der Godspeed You! Black Emperor freundlich grüsst. Wer also diese Platte erklimmt, wird mit einer tollen Aussicht belohnt. Und nur selten ist dabei die Fernsicht etwas trübe.

Anspieltipps:
> Hall of the Dead
> 20 Minutes/40 Years
> Stone to Wake a Serpent

Michael Messerli gibt 6.5 von 10 Punkten



Die ägyptische Göttin ISIS aka. Mutter der Sonne aus Los Angeles verbreitet zum fünften Mal Furcht und Schrecken.

Dass Postrock die einzig wahre und dynamischste aller Musikrichtungen ist, dürfte spätestens seit der grossartigen ’Hymn To The Immortal Wind’ von Mono allgemein bekannt sein. Da gibt es jedoch auch noch Bands wie ISIS, Neurosis oder Pelican, welche die Sache ein Spürchen härter angehen, statt Rock also Metal im weiteren Sinn spielen, dem ganzen Gepolter und vereinzeltem Gebrüll jedoch mittels dynamischer Spielweise den ehrenvollen Titel ’Post-’ verleihen.
ISIS bleiben mit ’Wavering Radiant’ auf der eingeschlagenen Spur bzw. Fährte. Da Adam Jones diesmal die Finger im Spiel hatte, spürt man einen musikalischen Schritt in Richtung Tool deutlich (’Ghost Key’). Ein bisschen mysteriös, seltsam und sphärisch, also wie Tool zu klingen, schadet selten. Nicht weiter schlimm, ISIS leben von der Vielseitigkeit, von komplexen Songstrukturen und vom teilweise brachialen Wechselspiel zwischen relativ ruhigen Momenten und gewaltigen, aggressiv-brutalen Parts. Für eingefleischte Postrocker ist jeder Gesang ein Dorn im Ohr (wie man so schön sagt). Gesang zerstört die Stimmung, er nimmt die Energie, die Schwingungen, die Wucht und die Wärme aus der Musik. Das klingt jetzt etwas gar esoterisch, ich beginne gleich über Bachblüten und Globuli zu referieren, stimmt jedoch. Dass Aaron Turner, Chef des freundlichen Labels HydraHead, zwischenzeitlich singt und gar schreit oder grunzt wie die Sau am Spiess stört bei ISIS nur manchmal, jedoch nicht so kräftig, wie dies z.B. bei Ter Haar der Fall war. Immerhin beherrscht der Herr sein Organ und hält sich zurück. Die Stärke dieser Platte liegt deutlich im Moment. Insgesamt fällt die Platte nicht sonderlich auf, man hört die gewohnten ISIS, man könnte ihr sogar eine gewisse Brei- oder Puddinghaftigkeit vorwerfen, im Sinne von: tönt alles gleich. Achtet man sich jedoch auf Details und Feinheiten, so erkennt man, dass starke Anstrengungen unternommen wurden, um ein gleichzeitig rhythmisch anspruchsvolles und trotzdem kommerziell verträgliches Produkt zu fertigen.

Otto Normalhörer wird sich mit der durchwegs düsteren, vielleicht morbiden Atmosphäre schwer tun. Otto Schwermetaller wird das Werk unter ’Kinderkram’ ablegen. Der Otto mit dem Tool-Shirt wird vor lauter Begeisterung beginnen den Pogo zu tanzen. Ich persönlich, Otto van den Hoogenband, schmelze ob der meditativen, sphärischen Komponenten (z.B. ’20 Minutes / 40 Years’) ein bisschen dahin, geniesse die Augenblicke, in welchen die hohe Gitarre sich irgendwo im Riff verliert; in welchen man vor lauter metallischer Schwere und Monotonie zu Boden gedrückt wird und in welchen man sich voller Vorfreude von der nächsten Gitarrenwand plattwalzen lassen kann.

Anspieltipps:
> Hall Of The Dead
> 20 Minutes / 20 Years

Philipp Gautschi gibt 7.5 von 10 Punkten




Seit  30. April 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Isis
Diskographie:
> Celestial (2000)
> Oceanic (2002)
> Panopticon (2004)
> In the Absence of Truth (2006)
> Wavering Radiant (2009)

Ähnliche Künstler:
> Pelican
> Neurosis
> Tool
> Mastodon
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