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Janosch Moldau – Redeemer (2005)

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von Rudolf J. Merkle am Freitag, 7. April 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Elektronische Popmusik
Label: Fintunes
CH-Vertrieb: -
Unsere Wertung:Janosch Moldau – Redeemer (2005)

Religiöses Singen, Musizieren, Schmachten und … Zweifeln
Janosch Moldau – Redeemer (2005)Janosch Moldaus Erstling im Zeichen eines vermeintlich erleuchteten Synthie-Pop: Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring’ euch gute neue Mär.

Luther dichtete 1539 oben anzitiertes Weihnachtslied, Ist am Ende Janosch Moldau besagter gefiederter Bote? Nein, denn neu ist hier nichts. Eigentlich müsste sich der deutsche Sänger und Produzent trefflich mit dem ebenfalls gottesfürchtig musizierenden Mannheimer Schickmicki-Prediger – Nai, Doo weisst schon wer – zu unterhalten wissen. Vielleicht bringt Jesus nicht nur den darum betenden Janosch (‚Bleed On’) nach Hause, sondern denkt auch an den feschen Xavier? Nun, christliche Inhalte sind nicht jedermanns Sache. Moldau gibt sich – dies ein letzter sachdienlicher Hinweis – als Anhänger Hiobs zu verstehen. Mögen sich die Hörer von ‚Redeemer’ an diesem alttestamentarischen Buch erbauen, es ist der Lektüre wert – nicht zuletzt, weil es bar jeglichen Kitsches ist.
Herr Janosch Moldau arbeitet seine Stücke fein, was sich bereits im Opener ‚On My Own’ zeigt. Er werkelt, feilt, tüftelt, variiert, ja kinkerlizcht – Schludrigkeit oder fehlendes Engagement ist ihm beileibe nicht vorzuwerfen, wenn er Streicher um minimale elektronische Elemente arrangiert (,Life Is Moving’). Details, die seinen Soundcollagen Tiefe verleihen sollen (‚The Loveroot’, ‚I Love The Night’), sind ihm zweifelsohne wichtig, um eingängige Melodien ist er nicht verlegen (‚Bleed On’, ‚Real Christianity’). Ferner ist ihm sichtlich darum getan, eine entspannt melancholische Atmosphäre zu konstruieren (‚My Father’ – in der Kunst selten Thema der Komödie, egal, um welchen Papa es sich handelt …). Einzelne Momente sind dem etwas dunkleren Synthie-Pop verpflichtet (‚Redeemer’). Das Bemühen, die einzelnen Tracks über einen weiten Spannungsbogen zu gliedern, bleibt nicht verborgen (etwa ‚We Are Laughing’).
Janosch Moldau präsentiert mit ‚Redeemer’ eine authentische, persönliche Arbeit: „There is a guiding spirit to all of my songs, a personal connection to the things I've seen.“ Hier hat sich jemand emotional investiert. Muss man deswegen das Resultat als gut erachten? Nach Ansicht des Schreibers mitnichten. Gut gemeint bedeutet nicht, gut angekommen. Dem anzuzeigenden, technisch ausgezeichnet produzierten Release mangelt es an Ecken und Kanten, an Drive, an Spannung, letztlich an Innovation. Selbst wenn Texte religiösen Inhaltes sind – jedem sei sein Glaube unbenommen –, sie sind nicht davor gefeit, beim Zielpublikum als Kitsch verstanden zu werden. Das Album könnte als zeitlos verteidigt werden – nur ist es m. E. dafür, mit Verlaub, musikalisch zu seicht, zu plakativ, schlicht zu konventionell. Auch in Zukunft wird, wer Sakrales zu hören wünscht, eher zu Bach oder Bruckner als zu Moldau greifen. Mit Luther fragt sich der Schreibende: „Wie soll ich immer danken dir?“ Lieber Herr Moldau, vielleicht wird der geschuldete Dank für die nächste Scheibe grösser sein.

Unsere Ansicht: unbedingt selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.


Seit 14. März 2005 im Handel. (kein Schreibfehler)

Anspieltipps:
Bleed On, On My Own
Trackliste:
1) On My Own; 2) I'm Falling From Love; 3) Bleed On; 4) Baptized; 5) I Love The Night; 6) Reloved; 7) My Father; 8) The Loveroots; 9) We Are Laughing; 10) Redeemer; 11) Life Is Moving; 12) Real Christianity
similar artists: Martin Gore (unbestritten höherer Qualität)

> Kaufen > Offizielle Webseite

Bio:
Der deutsche Janosch Moldau ist nach eigenen Worten „an unconventional
electronic-pop artist from cologne“, der erstmals 2004 (?) mit der Maxi-Single „On My Own“ an die Öffentlichkeit getreten ist.

Janosch Moldau
Diskographie:
> Redeemer (2005)


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