Luther dichtete 1539 oben anzitiertes
Weihnachtslied, Ist am Ende Janosch Moldau besagter gefiederter Bote?
Nein, denn neu ist hier nichts. Eigentlich müsste sich der deutsche
Sänger und Produzent trefflich mit dem ebenfalls gottesfürchtig
musizierenden Mannheimer Schickmicki-Prediger – Nai, Doo weisst schon
wer – zu unterhalten wissen. Vielleicht bringt Jesus nicht nur den
darum betenden Janosch (‚Bleed On’) nach Hause, sondern denkt auch an
den feschen Xavier? Nun, christliche Inhalte sind nicht jedermanns
Sache. Moldau gibt sich – dies ein letzter sachdienlicher Hinweis – als
Anhänger Hiobs zu verstehen. Mögen sich die Hörer von ‚Redeemer’ an
diesem alttestamentarischen Buch erbauen, es ist der Lektüre wert –
nicht zuletzt, weil es bar jeglichen Kitsches ist.
Herr Janosch Moldau arbeitet seine Stücke fein, was sich bereits im
Opener ‚On My Own’ zeigt. Er werkelt, feilt, tüftelt, variiert, ja
kinkerlizcht – Schludrigkeit oder fehlendes Engagement ist ihm beileibe
nicht vorzuwerfen, wenn er Streicher um minimale elektronische Elemente
arrangiert (,Life Is Moving’). Details, die seinen Soundcollagen Tiefe
verleihen sollen (‚The Loveroot’, ‚I Love The Night’), sind ihm
zweifelsohne wichtig, um eingängige Melodien ist er nicht verlegen
(‚Bleed On’, ‚Real Christianity’). Ferner ist ihm sichtlich darum
getan, eine entspannt melancholische Atmosphäre zu konstruieren (‚My
Father’ – in der Kunst selten Thema der Komödie, egal, um welchen Papa
es sich handelt …). Einzelne Momente sind dem etwas dunkleren
Synthie-Pop verpflichtet (‚Redeemer’). Das Bemühen, die einzelnen
Tracks über einen weiten Spannungsbogen zu gliedern, bleibt nicht
verborgen (etwa ‚We Are Laughing’).
Janosch Moldau präsentiert mit ‚Redeemer’ eine authentische,
persönliche Arbeit: „There is a guiding spirit to all of my songs, a
personal connection to the things I've seen.“ Hier hat sich jemand
emotional investiert. Muss man deswegen das Resultat als gut erachten?
Nach Ansicht des Schreibers mitnichten. Gut gemeint bedeutet nicht, gut
angekommen. Dem anzuzeigenden, technisch ausgezeichnet produzierten
Release mangelt es an Ecken und Kanten, an Drive, an Spannung,
letztlich an Innovation. Selbst wenn Texte religiösen Inhaltes sind –
jedem sei sein Glaube unbenommen –, sie sind nicht davor gefeit, beim
Zielpublikum als Kitsch verstanden zu werden. Das Album könnte als
zeitlos verteidigt werden – nur ist es m. E. dafür, mit Verlaub,
musikalisch zu seicht, zu plakativ, schlicht zu konventionell. Auch in
Zukunft wird, wer Sakrales zu hören wünscht, eher zu Bach oder Bruckner
als zu Moldau greifen. Mit Luther fragt sich der Schreibende: „Wie soll
ich immer danken dir?“ Lieber Herr Moldau, vielleicht wird der
geschuldete Dank für die nächste Scheibe grösser sein.
Unsere Ansicht: unbedingt selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Seit 14. März 2005 im Handel. (kein Schreibfehler)
Anspieltipps: Bleed On, On My Own
Trackliste: 1) On My Own; 2) I'm Falling From Love; 3) Bleed On; 4)
Baptized; 5) I Love The Night; 6) Reloved; 7) My Father; 8) The
Loveroots; 9) We Are Laughing; 10) Redeemer; 11) Life Is Moving; 12)
Real Christianity
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Bio:
Der deutsche Janosch Moldau ist nach eigenen Worten „an unconventional
electronic-pop artist from cologne“, der erstmals 2004 (?) mit der Maxi-Single „On My Own“ an die Öffentlichkeit getreten ist.
Diskographie:
> Redeemer (2005)