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Janove Ottesen - Francis' Lonely Nights (2005) (Virgin Sca/EMI Music)

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von Magdalena Oehen am Freitag, 1. April 2005 in Neuerscheinungen   
Norwegische Schönheit

Janove Ottesen - Francis' Lonely Nights (2005) (Virgin Sca/EMI Music)Wer vom ersten Soloalbum des Sängers und Masterminds von Kaizer Orchestra ähnlich skurrile und düstere Musik erwartet, liegt definitiv falsch. Auf "Francis' Lonely Nights" herrschen warme Klangfarben und sanfte Melodien vor, die Ottesens berührenden Gesang - diesmal nicht auf Norwegisch sondern Englisch - untermalen und ergänzen.

Wer Janove Ottesens Biografie liest, kommt aus dem Staunen nicht heraus: Als Fussballer hat es der Norweger bis in die Jugendnationalmannschaft geschafft, er hat studiert und ist diplomierter Musiklehrer. Doch auch in musikalischer Hinsicht erweist sich der Endzwanziger als Multitalent. Als Vordenker der zu recht hochgelobten, norwegischen Alternative-Kapelle Kaizers Orchestra überzeugte er bereits mit einer extravaganten Melange aus Country, Rock und Folk. Nun reisst er mit seinem Solodebüt die Musikwelt zu Begeisterungsstürmen hin.
Schönen Singer/Songwriter-Pop auf Englisch hat Janove Ottesen auf "Francis' Lonely Nights" zu bieten. Den Folk- und Countryeinflüssen, die schon auf seinen früheren Werken zu hören sind, bleibt er auch auf Solopfaden treu. Ebenso der Instrumentenvielfalt, die auf "Francis' Lonely Nights" von akustischer Gitarre über Streicher bis hin zu Trompeten und Synthesizer reicht. Was sich jedoch verändert hat, ist der Grundton von Ottesens Musik. Herrschte auf den Kaizers Orchestra-Alben düstere Stimmung vor, so versprüht sein Solowerk ein Gefühl der Hoffnung und vermittelt wohlige Wärme. Und auch er scheint sich dabei wohl zu fühlen. Er überzeugt sowohl mit fragilen Balladen wie dem Opener "Her Face", der mit den mitreissenden Streichersätzen stark an Damien Rice erinnert, als auch mit up-tempo Nummern wie "Black And White Movie" oder "This City Kills". Für seine Lyrics bedient sich der Norweger vor allem des altbewährten Boy meets Girl-Themas, was ihn jedoch nicht davon abhält, ab und an gesellschaftskritische Themen zur Sprache zu bringen.
Jeder der zwölf Songs ist an sich ein musikalisches Schmuckstück, was vor allem an Janove Ottensens schöner Stimme und an seinem Gespür für passende Arrangements liegen mag. So besticht "Juliet" durch seinen loungigen Groove und die Mitsumm-Melodie, während "Neighbour Boy" an alte, amerikanische Traditionals erinnert und mit seinem melancholischen Grundton nachdenklich stimmt. Grossartig auf jeden Fall auch "Down To The Vertigans" - Gänsehaut ist bei den üppigen Streicherarrangements und Ottesens durchdringender Stimme vorprogrammiert.
Obwohl (oder gerade weil?) Janove Ottesens Solodebüt teilweise stark an wohlbekannte Singer/Songwriter-Grössen wie Damien Rice oder Ron Sexsmith erinnert, ist "Francis' Lonely Nights" wärmstens zu empfehlen. Es lässt jedenfalls kein Zweifel, dass Ottesen seinen Platz in der Gilde der Singer/Songwriter redlich verdient hat.


Seit 28. Februar 2005 im Handel.

Anspieltipps: Black And White Movie, Go Tell Her, Down To The Vertigans
similar artists: Damien Rice, Ron Sexsmith

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Janove Ottesen hatte einige mögliche Karrierepläne im Kopf, bevor er sich schlussendlich für die Musik entschied: Als Kind wollte er Bauarbeiter werden, als Teenager schaffte er es als Fussballer bis in die norwegische Junioren Nationalmannschaft. Schliesslich entschied er sich aber, seiner Leidenschaft für die Musik nachzugehen - er fing mit acht Jahren an, in Bands mitzusingen, mit fünfzehn bekam er seine erste Gitarre und lernte Klavier zu spielen - und verliess 1995 die Universität als diplomierter Musiklehrer. Zum Unterrichten kam er allerdings bis heute nicht, da ihn der Erfolg mit seiner Band Kaizers Orchestra zum Vollzeitmusiker machte. Die durch ausgedehnte Touren stetig gewachsene Fangemeinde wartete lange auf ein Album des Sextetts um Sänger und Songwriter Janove Ottesen, bis 2001 ihr Debütalbum "Ompa Til Du Dor" beim norwegischen Indie-Label Broiler Farm veröffentlicht wurde. Ihre abgefahrenen Live-Shows waren nicht nur in Norwegen legendär, Kaizers Orchestra galt bald als einer der weltbesten Live-Acts und wurde mit Auszeichnungen geradezu überhäuft. Nach zwei EPs folgte 2003 der zweite Longplayer "Evig Pint", der von Kritikern und Publikum gleichwohl euphorisch aufgenommen wurde. 2004 war für Kaizers Orchestra ein Pausenjahr, das Janove Ottesen dazu benutzte, sein erstes Solo-Album aufzunehmen. Im Februar 2005 wurde "Francis' Lonely Nights" veröffentlicht, das sich stark vom schrägen Polka-Rock'n'Roll der Kaizers unterscheidet, mit dem sich Janove Ottesen aber sicherlich auch in der Singer/Songwriter-Szene zu etablieren vermag.

Janove Ottesen - Francis' Lonely Nights (2005) (Virgin Sca/EMI Music)
Diskographie:
⇒ Kaizers Orchestra: Ompa Til Tu Dor (2001)
⇒ Kaizers Orchestra: Evig Pint (2003)
⇒ Francis' Lonely Nights (2005)

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