Jesu - Conqueror |
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| von Michael Zuckschwerdt am Freitag, 16. März 2007 in Neuerscheinungen | |
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Genre: Doom-Pop Label: Hydra Head Records CH-Vertrieb: Irascible Distribution Unsere Wertung:
Graufarbig
Die im letzten Jahr veröffentlichte EP „Silver“ glänzt auch 2007 heller als manch verteilte goldene Schallplatte – eine so hoch gelegte Messlatte zu toppen gelingt Jesu mit ihrem neuen Album „Conqueror“ – das nehme ich gleich vorweg – nicht ganz.
Ein Longplayer hat allerdings nicht bloss den Nachteil, dass man das Qualitätslevel doppelt so lange halten muss, sondern auch, dass sich bei acht Songs und einer Spielzeit von einer vollen Stunde eher eine gewisse Sättigung (Langeweile wäre im Falle von Jesu das falsche Wort) einstellt. Jesu zeigen einmal mehr auf, dass weniger mehr sein kann. Grob betrachtet, findet man auf „Conqueror“ acht einfache, schleppende, monotone und epische Songs. Allen zugrunde liegt eine melancholische, aber nicht trostlose Grundstimmung – eher hoffnungsvoll und zuversichtlich als enttäuscht und verzweifelt. Die eigenwillige Produktion und die schleppenden Tempi der Songs schaffen den notwendigen Raum, um Feedbacks, komprimierte, grob verzerrte Gitarrensounds, dichte Synthesizer-Teppiche und den über allem schwebenden, sanften und hallbeladenen Gesang von Justin K. Broadrick zu einem reichhaltigen Klangbild gedeihen zu lassen. Dieses verdankt seine Schönheit nicht einer bunten Farbpalette, sondern den fein ausgearbeiteten Grautönen – hier werden nicht bloss Schwarz und Weiss miteinander verrührt, sondern mit viel Sorgfalt farbige Nuancen dazugemischt. Beispielsweise beim Song „Mother Earth“: Dieser beginnt mit angezerrten, minimalistisch angeschlagenen Gitarrenakkorden, reduziertem Schlagzeug und Keyboardsounds, welche an die „Disintegration“-Phase von The Cure erinnern. Darüber die Stimme von Justin, die einen ebenso knappen Text intoniert…damit wird der Hörer fast dreieinhalb Minuten eingelullt, bis tiefe, verzerrte Gitarrenakkorde dazukommen und das Thema in Dynamik und Instrumentierung bis zum Songende variiert wird. Das Spiel mit der Redundanz ist ein zweischneidiges Schwert, Jesu beherrschen es ohne Zweifel, aber ab und zu schneiden sie sich auf „Conqueror“ doch ins eigene Fleisch. Im Vergleich zu „Silver“ fehlt etwas Abwechslung, Druck und die mehrheitlich programmierten Beats auf der erwähnten EP waren soundtechnisch ebenfalls eine Bereicherung, die auf „Conqueror“ kaum mehr zum Tragen kommt. So ist der zweite Longplayer von Jesu eine solide gute Platte, die mich einfach nicht mehr so fesselt wie die EP aus dem Vorjahr. Seit 19. Februar 2007 im Handel. Anspieltipps: Old Year; Stanlow Trackliste: 1)Conqueror; 2) Old Year; 3) Transfigure; 4) Weightless And Horizontal; 5) Medicine; 6) Brighteyes; 7) Mother Earth; 8) Stanlow similar artists: Isis , Red Sparowes, Pelican, Neurosis > Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb Bio: Justin K. Broadrick ist kein unbeschriebenes Blatt in der Geschichte extremer und experimenteller Musik. Neben zahllosen Projekten und Remix-Aufträgen für namhafte Bands, gibt es ein paar speziell erwähnenswerte Stationen des aus Birmingham stammenden Suchenden: Napalm Death, bei denen er bis zum Debut Album „Scum“ spielte und sich damit zurecht als Miterfinder des Grindcore bezeichnen kann. Nach seinem Ausstieg gründete er Godflesh, ebenfalls eine wegweisende Band, aber eher für das Genre Industrial Metal. 2003 gründete er Jesu – benannt nach dem Schlusstrack der letzten Godflesh Veröffentlichung. Auf der ersten EP „Heart Ache“ (2004) spielte Broadrick noch alle Instrumente selber ein. Auf dem ersten Longplayer „Jesu“ (2005) spielte Diarmuid Dalton Bass und Ted Parsons Schlagzeug – dies ist bis heute das Line-Up von Jesu, mit beiden Musikern war Broadrick schon vorher in Projekten und Bands aktiv. 2006 erschien die zu Recht hochgelobte EP „Silver“. Mit ihrem schweren, monotonen Sound, der ruhigen Stimme und Pop-Anleihen finden Jesu damit ihre eigene Nische zwischen The Cure und Isis. Im Februar 2007 ist das zweite Album „Conqueror“ auf Hydra Head Records erschienen und die Band befindet sich derzeit mit Isis, Torche und Zozobra auf Tour durch die Vereinigten Staaten – Konzerte in Japan und Europa sind in Planung. Diskographie: > Heart Ache, EP (2004) > Jesu (2005) > Silver (2006) > Conqueror (2007)
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