Wer JETs Erfolgssingle „Are You Gonna Be My Girl?“ nicht
kennt, muss das Jahr 2004 verpennt haben. Ihr neuer Wurf bringt viele
Zitate und einen Dreivierteltakt.
JETs Neue beginnt beatlesesk: „L'Esprit D'Escalier“ zitiert den bekannten ohrenschmausigen harmonischen Zweigesang und beschert ein Déjà-vu an irgendetwas zwischen „Lucy In The Sky“ und „Because“. Der kurze und eher ruhige Auftakt wird eine gute Dreiviertelstunde später nochmals beschäftigen, wenden wir uns nun aber dem Rest des (übrigens sehr gelungenen) Albums zu.
Obwohl auch „Holiday“ und die erste Singleauskopplung „Put Your Money Where Your Mouth Is“ offensichtlich in der Tradition der späten 60er-Jahre stehen, heissen hier die Idole nicht mehr Lennon & McCartney sondern Jagger & Richards. Der Stones' bluesrockiger Charme, den JET hier versprühen, verbirgt seine Wurzeln nicht und während die Platte weiterläuft, scheint auch schon die nächste Referenz auf: Hi Liam, hallo Noel; grüss euch, Oasis!
So rocken sich die Australier angenehm durch die Gehörgänge. Wie die bereits erwähnten Vorbilder, haben aber auch JET eine Affinität zu grossen Ausruh-Balladen. „Kings Horses“ ist das noch erträgliche Paradebeispiel im Dreivierteltakt, gleich anschliessend folgt „Shine On“, welches das Prinzip auf die Spitze treibt. Aber aufgepasst! Mit unverminderter Energie geht es anschliessend weiter – „Come On Come On“, „Rip It Up“ und „Stand Up“ hauen wieder rein.
Das finale Déjà-vu folgt nach 45 Minuten: Nochmals erklingt die zweistimmige Zeile „All You Have To Do“, die schon im Opener kurz angeklungen war und das Album endet so, wie die Beatles vielleicht 2006 geklungen hätten.
Fazit: „Shine On“ ist nicht viel Neues, zugegeben, aber ein in sich stimmiges Rock'n'Roll-Werk, das auch noch nach ein paar Wochen erfreuen wird.
Seit 29. September 2006 im Handel.
Anspieltipps: Kings Horses, Put Your Money Where Your Mouth Is, Come On Come On
Trackliste: 1) L'Esprit D'Escalier; 2) Holiday; 3) Put Your Money Where Your Mouth Is; 4) Bring It On Back; 5) That's All Lies; 6) Kings Horses; 7) Shine On; 8) Come On Come On; 9) Stand Up; 10) Rip It Up; 11) Skin And Bones; 12) Shiny Magazine; 13) Eleanor; 14) All You Have To Do
similar artists: The Vines,
The Strokes
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Bio:
2003 erschien das erste Album der Australier JET. Retro war Trumpf und „Are You Gonna Be My Girl?“ der grosse Hit, der noch heute die Tanzflächen zum Brodeln bringt. Das Bruderpaar Nic und Chris Chester plus Bassist Mark Wilson und Gitarrero Cameron Muncey nahmen ihre Karriere zu Beginn der Nullerjahre in Angriff. Als grosse Fans von Sixties-Musik ist es kein Wunder, dass sich die Band nach einem McCartney-Song JET benennt. Aber nicht nur die Beatles sind massgebliche Einflüsse, sondern auch – hörbar – die Stones, die Kinks und so weiter.
Auf das gefeierte Debüt folgte eine Tour mit, eben, den Rolling Stones, und auch mit Oasis teilte man sich zeitweise die Bühnen. 2006 wurde dann der ersehnte Zweitling „Shine On“ veröffentlicht. Der Titel ist eine Hommage an den verstorbenen Vater der Chester-Brüder. Damit aber nicht gleich alle Hörer in Kollektiv-Seufzen ausbrechen müssen, hier der Kommentar von Drummer Chris: „The first album was written for pubs, this one is written for stadiums!“ Der Gig im Winterthurer Salzhaus wurde ja bekanntlicherweise abgesagt. Hoffen wir nur, dass wirklich eine Erkrankung des Sängers der Grund ist und nicht Ambitionen auf einen Auftritt im Hallenstadion...