Für eine überschaubare Folgschaft treuer Fans und eine beinah gleich grosse Schar Musiker dürfte der Amerikaner Joe Henry einer der Grössten überhaupt sein. Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten veröffentlicht der Sänger überwiegend grossartige Alben zwischen Alt-Country, Rock und Jazz, verhalf als Produzent Solomon Burke und BettyLavette zu brillanten Spätwerken, lieferte seiner Schwägerin Madonna ihren vielleicht besten Song und und und ... mit seinem elften Album “Blood From Stars“ steht nun eines der stärksten Alben seines Schaffens und auch eines der stärksten Alben dieses Jahres bereit.
Joe Henry ist weiterhin ganz der amerikanischen Traditionsmusik verfallen, und das zu unserem Glück. Elemente aus Country, Blues, Folk, New Orleans-Jazz und Gospel tragen zum musikalischen Reichtum bei, der selbst einen Tom Waits oder Bruce Springsteen, die in den vergangenen Jahren mit ähnlichen Klängen begeisterten, verblassen liessen. Ein früher Höhepunkt ist der Vaudeville-Rumpel-Blues in “The Man I Keep Hid“, ein Stück das so auch von Tom Waits hätte stämmen können, wären da nicht die unzähligen Details und dezenten Ausschmückungen. Im Hintergrund zaubern feine elektronische Spielereien eine beinah schon geisterhafte Stimmung herbei – bemerkenswert, dass “Blood From The Stars“ trotz alledem zu keinem Zeitpunkt überladen wirkt.
Das liegt zum einem am geschickten Arrangeur, der Joe Henry ist, aber auch an den vielen namhaften Kräften, die mitwirkten: Selten scharten sich so viele erstklassige und renommierte Musiker um Henry wie hier. Gitarrist Marc Ribot (auch am Cornet) und Jazz-Pianist Jason Moran sind die Bekanntesten darunter, sein 17-jähriger Sohn Levon am Sax das jüngste Talent der Bande. Der Teenager hat im traumhaften Jazz-Instrumental “Over Her Shoulder“ die Hauptrolle. Erneut sind es die Details, die bis in den tiefsten Winter hinein erfreuen werden, dann etwa, wenn Bläser im Hintergrund wie ein in der Ferne durchfahrender Zug anklingen. Oder dann, wenn feine Streicher im schönsten Moment die Dunkelheit des fantastischen “This Is My Favorite Cage“ erhellen. Dort scheint Joe Henry auch eher einem Jacques Brel denn einem Tom Waits zu gleichen.
Besonders in solch ruhigen, akustischen Stücken kommt Henrys erdige Gänsehautstimme am stärksten zur Geltung, jede Nuance seines Gesangs gibt der saubere Klang wieder und setzt so einen Kontrapunkt zur schummrigen Grundstimmung des Albums, macht die Dunkelheit dieses Albums behaglicher, so dass den abschliessenden Worten gerne Folge geleistet wird: “Light no lamp when the sun comes low.“
Seit 14. August 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> The Man I Keep Hid
> This Is My Favorite Cage
> Progres Of Love
> Truce
Diskographie:
> Talk of Heaven (1986)
> Murder of Crows (1989)
> Shuffletown (1990)
> Short Man's Room (1992)
> Kindess of the World (1993)
> Trampoline (1996)
> Fuse (1999)
> Scar (2001)
> Tiny Voices (2003)
> Civilians (2007)
> Blood From Stars (2009)
Ähnliche Künstler:
> Tom Waits
> Bruce Springsteen (zu Zeiten der Seeger Sessions)
> Richard Buckner
> T-Bone Burnett
> Daniel Lanois
> Bob Dylan