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Jóhann Jóhannsson - Fordlândia

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von Tobias Imbach am Dienstag, 4. November 2008 in Neuerscheinungen   

Genre: Electronica, Ambient, Post-Klassik  |  Label: 4AD (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 8.0/10

FordlândiaKristallene Schönheiten
Jóhann Jóhannsson begibt sich ein erneutes Mal auf Reisen ins musikalische Polareis. Das fünfte Album des isländischen Klangkünstlers ist wiederum betörend schön.

Sein neustes Album ist der zweite Teil einer Trilogie, die auf ’technology and iconic American brand names’ basiert, wie es im Press-Release heisst. 2006 wurde die Albumreihe mit “IBM 1401“ lanciert. Wie jenes ist auch sein neustes Werk “Fordlândia“ (nach Henry Fords gescheitertem Siedlungsprojekt im brasilianischen Regenwald) wiederum mit den traumhaften Orchester-Arrangements des City Of Prague Philharmonic Orchestras versehen. Die klassische Orchestrierung verschmilzt mit vielschichtiger Elektronik zu reichhaltigen Soundscapes, welche die eiskalte Weite verkörpern und trotzdem wärmend wirken. Nur langsam bauen sich die Stücke auf, Schicht für Schicht, und erklingen schlussendlich in kristallener Klar- und Schönheit, trägen uns Hörer immer weiter weg. Die Elektronik spielt dabei nicht immer eine untergeordnete Rolle, aber nur selten wird die Musik deswegen ihrer genialen Zeitlosigkeit beraubt. Nur etwa dann, wenn trippige Ambient-Beats erklingen (nicht dass das dem augenblicklichen Hörvergnügen schaden würde).

“Fordlândia“ fällt etwas opulenter aus als Jóhannssons bisheriges Schaffen. “Melodia (Guidelines For A Propulsion Device Based On Heim's Quantum Theory)“ etwa erinnert schwer an die Arbeiten Craig Armstrongs für Massive Attack, “The Great God Pan Is Dead“ wurde mit wunderbaren Chor-Passagen versehen. Und trotzdem macht sich der gewohnte Minimalismus bemerkbar. Exzeptionell ist das tieftraurige “Chimaerica“: Wie eine Bach’sche Orgelfuge aus der Zukunft klingt es, als ob es aus dem Soundtrack zu Tarkovskis “Solaris“ stammen würde. Apropos Soundtrack… Gleich mehrmals (namentlich in den vier “Melodia“-Interludien) drängt sich auch ein Vergleich mit einigen Kompositionen von Jeremy Soule auf, der Meisterwerke wie Morrowind oder KOTOR vertonte. Meist aber klingt “Fordlândia“ wie nicht von dieser Welt. Ein Abenteuer und vielleicht Jóhannssons bisher bestes Album.

Seit  31. Oktober 2008 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Jóhann Jóhannsson
Anspieltipps:
> Fordlandia
> The Rocket Builder
> Chimaerica
> How We Left Fordlandia

Diskographie:
> Englabörn (2002)
> Virðulegu Forsetar (2004)
> Dís (2004)
> IBM 1401 - A User's Manual (2006)
> Fordlândia (2008)

Ähnliche Künstler:
> Max Richter
> Goldmund
> Ólafur Arnalds
> Boris Kovac
> Steve Reich
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