Melle de Boer säht mit seiner neuen Band John Dear Mowing Club das, was bereits gepflanzt worden ist.
Der Name der Band hört schon sich mal verdächtig nach Landmaschine an. Und die kratzige und kaputte Stimme von Sänger Melle de Boer passt genauso ins Getriebe. Ziemlich augenfällig würdigen die Belgier auf ihrem Debütalbum alles, was zwischen Kartoffeln und Mais vor die Räder kommt.
Besonders der verstorbene Townes van Zandt scheint es den Traktorfreunden angetan zu haben. So borgten sie sich seinen Hut von „Our Mother The Mountain“ für das Cover und würdigen den trinkfesten Altmeister in „The First Time I Heard Townes Singing” gebührend. So wird die erste Begegnung mit seiner Stimme der Anfang eines Lebens in Einsamkeit und Trinksucht. Und genau dafür möchte sich die Band dankbar zeigen.
Manchmal dünkt mich, dass es dabei nur noch um Bodenbearbeitung geht. Das Leben dreht sich um die Last und Lust, die man von den Grosseltern vererbt hat und um Mädchen, die sich in der Einsamkeit verirrt haben. Und so wie die Krähen auf ihrem liebsten Baum sitzenbleiben, lebt auch der Farmer von seinen Konstanten: „Right here, right now, things are standing still/ Right here, right now things, are going wrong“.
Melle de Boer schafft es, sich musikalisch wie auch textlich neben Van Zandt gleichzeitig an Tom Waits (schwerfällig: „Broken TV“) und Bob Dylan (klassisch: „Bare Hands“) und Daniel Johnston (emotional: „The Hole In The Heart”) zu orientieren und macht dank dieser Vielfalt grundsätzlich eine gute Figur, obwohl er sich mit eigenständigeren Songs wie „Golden Hands“ nicht scheuen müsste.
Besonders interessant ist der Bezug zum Fernsehen. Kevin Bacon und Donald Duck werden Bezugspersonen und der Zweiteiler „Broken TV“ zum roten Faden. Es sind irgendwie Bruchstücke, die wir von der Zivilisation mitbekommen und uns in Erinnerung an unsere Kindheit bleiben. Sätze wie „Searching for channels on a broken TV“ und „I was watching television with my dad/ It was the best conversation we ever had“ zeigen trotz aller Nähe zu all den grossartigen Musikern das wahre Ich eines jeden einsamen Cowboys. Und den Ritt durch die Prärie.
Seit 25. Januar 2008 im Handel.
Anspieltipps: The First Time I Heard Townes Singing, Broken TV, Golden Hands, Kevin Bacon
Trackliste: 1) Marilyn Postcard; 2) The First Time I Heard Townes Singing; 3) New Eyes; 4) Cowboygirl; 5) Broken TV; 6) Bare Hands; 7) Right Here; 8) Golden Hands; 9) Leather Pants; 10) Reading A Book; 11) The Hole In The Heart; 12) Donald Duck Suit; 13) Mr. Inbetween; 14) Kevin Bacon; 13) Broken TV 2
similar artists: Smutfish, Townes Van Zandt,
Bob Dylan, Johnny Cash, Neil Young, Lambchop, Tom Waits, Ben Weaver, Zita Swoon, Moriarty, Daniel Johnston
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH Vertrieb
Bio:
Seit September 2007 nennen sich die Belgier Smutfish neuerdings John Dear Mowing Club. Die vierköpfige Band begründet disen Schritt mit der neuen Richtung, die man musikalisch eingeschlagen hat. In den Niederlanden waren sie Vorgruppe von Daniel Johnston.