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Johnny Liebling – Goldene Zeiten (2005)

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von Tobias Imbach am Montag, 3. Oktober 2005 in Neuerscheinungen   
Genre: Jazz-Mix
Label:
Boutique
CH-Vertrieb:
Universal Music
Unsere Wertung: Johnny Liebling – Goldene Zeiten (2005)

Kein Verbrechen
Johnny Liebling – Goldene Zeiten (2005) Die Schergen von Johnny Liebling legen mit ihrem ersten Album ein leidenschaftliches Meisterstück vor.

Sie sind definitiv cool, die immer stilvollen Johnny Liebling, die ihren Namen dem  düsteren Thriller “Angel Heart“ beziehungsweise einer im Film vorkommenden Figur entliehen. Parallelen zum Film offenbaren sich, bald stellt man fest, dass der Output von Johnny Liebling eine gewisse Morbidität ausstrahlt. Mehr dazu weiter unten im Text. Eröffnet wird “Goldene Zeiten“ vom gleichnamigen Titelstück, einem schönen Rock-Chanson mit noch schönerem Text: “Goldene Zeiten / Schillerndes Licht / auf dass uns die Stürme nach ganz oben tragen / wo die Sterne sind / wieder runter will ich nicht / Hab lang gewartet / lange gefleht / so oft gehofft / dass der Wind sich noch mal dreht…“ Toll, dass solches Niveau durchgehend gehalten werden konnte, auch wenn’s sich inhaltlich eher selten um die Liebe und andere schöne Dinge des Lebens dreht, sondern häufig ins Niedergeschlagene, Verruchte und Bösartige übergeht.
Die Songs auf “Goldene Zeiten“ bestechen allerdings nicht nur durch die  grandiosen Texte – die Musik, vor allem mit unzähligen Stilen vermischter Jazz, lässt genau so wenig zu wünschen übrig: Lässig-beschwingt gibt sich zum Beispiel das hervorragende “Heroin“. Mit seiner rauen Stimme erzählt Vokalist Kris Kiel über bluesigen Klängen verlockend, bedrohlich und abstossend zugleich aus der Sicht der  Droge. (“Ich lass dich nur ungern gehn' / ich hatte noch Pläne / du solltest Wunder sehn / auf die sonst kein Sterblicher käme.“)
Ebenfalls erwähnenswert ist das besonders tolle “30 Sommer“, das mit einer entzückenden Mixtur aus osteuropäischer Folklore und Rock ein wenig so klingt, als ob Tom Waits mit dem Kaizers Orchestra zusammen die Hörerschaft beglücken möchten. Spätestens bei diesem Stück wird der Wodka gekippt und ohne Hemmungen Polonaisen gedreht. Allgemein ist es eher schwierig bei den grösstenteils relativ ungemütlichen Klängen wirklich gelassen zu bleiben. Neben dem Titelstück strahlt nur “An guten Tagen“, eindeutig das schönste Lied auf “Goldene Zeiten“, eine gewisse Relaxtheit aus und lässt ein wehmütiges Lächeln die Lippen wohl jedes Hörenden umspielen. Nein, bei den meisten Songs fühlt man sich nicht wirklich behaglich – auch nicht verwunderlich angesichts Kaltherzigkeiten wie “Quelle“ oder “Pest“ – aber Grund zu Kritik ist das auf keinen Fall. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch “Eva“, ob dessen tiefschwarzen Lyrics erst lachend der Kopf geschüttelt wird … solange jedenfalls, bis das Lachen im Hals stecken bleibt. Trotz dieser permanenten unterschwelligen Anspannung und entgegen allen Vermutungen wollen die undurchsichtigen und dunkel wirkenden Johnny Liebling niemandem was Böses. Keine geplanten Verbrechen. “Goldene Zeiten“ ist eine richtige Wohltat.


Seit 29. August 2005 im Handel.

Anspieltipps:
Prinzen, An guten Tagen, Heroin, 30 Sommer
Trackliste: 1) Goldene Zeiten; 2)Pest; 3) Zu Hause; 4) Tp.P.B; 5) Prinzen; 6) An Guten Tagen; 7) Abre Los Ojos; 8) Vampire; 9) Heroin; 10) Niemals; 11) Quelle; 12) Karl; 13) 30 Sommer
similar artists: Tom Waits, manchmal auch Element Of Crime

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > CH-Vertrieb

Bio:
Johnny Liebling sind Kris Kiel (Gesang, Piano, Samples), Ralph Beulshausen (Gesang, Trompete, Turntables), Martin Ferkl (Piano, Gitarre), Kim Kiesling (Bass) und Rüdiger Hensel (Schlagzeug). Mitte der 90er hatte die Band, die damals noch Lovekrauts hiess und mit “Supersausage“ ein erstes gelungenes Album veröffentlicht hatte, einen Major-Deal an Land gezogen -  das fertig gestellte Album wurde allerdings nie veröffentlicht. Die Band wurde nach dem zweiten Album aufgelöst beziehungsweise umbenannt, der Sound wurde stark verändert – weg vom Rock hin zur jazzigen Barmusik. Lange Zeit traten die Mannen um Sänger Kiel in verschiedensten Bars auf und gelangten so an einen Geheimtipp-Status. 2003 wurde dann die erste EP “Dope Jazz“ veröffentlicht, in diesem Jahr folgte mit “Goldene Zeiten“ nun das erste Album.

Johnny Liebling – Goldene Zeiten (2005)
Diskographie:
> Dope Jazz EP (2003)
> Goldene Zeiten (2005)




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