Jon Hassell - Maarifa Street (2005) (Label Bleu/RecRec) |
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| von Tobias Imbach am Samstag, 2. Juli 2005 in Neuerscheinungen | |
![]() Verklärt “Maarifa Street“, arabisch/englisch für “Strasse der Weisheit“, bietet ein ähnlich eigenartiges Bild wie die letzten Outputs von Hassell. Im Vordergrund stehen wummernde Bässe, atmosphärische Soundcollagen, spartanische Perkussion, feine Ethno-Gesänge und allem voran natürlich Hassels schwer faszinierendes und charakteristisches Trompetenspiel, das Acts wie Nils Petter Molvaer deutlich beeinflusste. Eine hypnotische Mixtur aus New Age, Ethno und Jazz bietet auch sein neustes Album. Eröffnet wird das Album mit dem groovenden “Divinie S.O.S.“, das mit funk-jazzigen Elementen überrascht. Hassell verfeinert dieses und die weiteren Stücke mit vielschichtigem Keyboardspiel und zahlreichen elektronischen Spielereien. Die von Rick Cox häufig brillant eingebrachte akustische Gitarre und der subtile Gesang Dhafer Youssefs entfalten in dem elektronischen Soundgeflecht eine ganz besondere Wirkung. Das darauf folgende Titelstück “Maarifa Street“ wirkt mit viel Dub und Hassells elektrischen Trompetenspiel äusserst cool. Auch dank dem ausgezeichneten Spiel von John Beasley am Keyboard eines der Highlights. Die folgenden Stücke klingen, so scheint es bei den ersten Durchgängen zumindest, ziemlich gleich und der ungeübte Hörer wird keinen besonderen Reiz ausmachen können. Maarifa Street funktioniert natürlich auch als gewöhnliche Ambient-Musik. Die wirkliche Attraktion, die dieses Albums bietet, bleibt aber verwehrt, wenn man sich der Musik nicht völlig hingibt und das ausgetüftelte Konzept hinter den Stücken zu erkennen versucht. Das percussionlastige “New Gods“ sticht durch eine ähnlich cool-düstere Stimmung wie das Titelstück hervor und stellt eines der gelungeneren Stücke auf dem Album dar. In dem ruhigen “Darbari Bridge“ werden verschiedene Elemente vom Vorgänger aus dem Jahr 1983 in einem Stück neu arrangiert – das Stück verliert sich aber schliesslich in langweilendem Ethno-Geplucker. Das abschliessende “Open Secret (Milano)“, bei dem Hassell vom italienischen Trompeter Paolo Fresu begleitet wird stellt einen anregenden Gegenpart zu “Open Secret (Paris)“ dar, bei dem Dhafer Youssef mitwirkt. Für Trompetenspiel-Liebhaber und Hassell-Fans ist Anhören Pflicht, andere werden sich vermutlich schwer tun mit dieser relativ ungewöhnlichen und eigenständigen Musik. Seit 4. April 2005 im Handel. Anspieltipps: Divine S.O.S., Maarifa Street, New Gods similar artists: Nils Petter Molvaer, Brian Eno > Hören und Kaufen > Label > CH-Vertrieb Bio: Jon Hassell wurde 1937 in Memphis, Tennessee, geboren. Nach einem Musikstudium arbeitete er lange Zeit als Musiker und kam mit Pionieren wie Terry Riley oder La Monte Young zusammen. In den Siebziger-Jahren studierte Hassell klassische indische Musik, was seine Spielart auf der Trompete deutlich prägte, und veröffentlichte mit “ Vernal Equinox“ sein erstes eigenes Album. 1980 folgte durch eine Kollaboration mit Brian Eno das Album “ Fourth World, Vol. 1: Possible Musics“, welches als Meisterwerk gilt und einen Höhepunkt in Hassells Karriere darstellt. Im Verlauf der Jahre veröffentlichte Hassell regelmässig eigene Alben und arbeitete mit Künstlern wie den Talking Heads, Peter Gabriel, 808 State, dem Kronos String Quartet oder Ry Cooder zusammen. Diskographie: > Vernal Equinox (1977) > Earthquake Island (1979) > Fourth World, Vol. 1: Possible Musics (1980) > Fourth World, Vol. 2: Dream Theory in Malaya (1981) > Aka/Darbari/Java: Magic Realism (1983) > Power Spot (1986) > The Surgeon of the Nightsky Restores Dead Things by the Power of Sound (1987) > Flash of the Spirit (1988) > Voiceprint (1990) > City: Works of Fiction (1990) > Dressing for Pleasure (1994) > I Magazzini (1995) > Sulla Strada (Soundtrack) (1995) > Fascinoma (1999) > Maarifa Street: Magic Realism, Vol. 2 (2005)
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