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Kaizers Orchestra – Maestro (2005)

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von Michael Rothen am Montag, 3. Oktober 2005 in Neuerscheinungen   
Genre: Rock’n’Roll
Label:
Vertigo
CH-Vertrieb:
Universal Music
Unsere Wertung: Kaizers Orchestra – Maestro (2005)

„Maestro“ der Meisters Werk
Kaizers Orchestra – Maestro (2005) Stimmungsvolle, teils beklemmende, allenfalls psychisch verwirrte und schizophren angehauchte Stimmwelten tun sich auf und nehmen den unmittelbar verführten Hörer unweigerlich in Gefangenschaft. Unter partieller Abwesenheit der Besinnung erfolgt nach rund 45 Minuten die Entlassung aus dem Banne des Kaizers Orchestra; ein leicht verstörtes, gleichsam sanftes Lächeln steht einem sodann für die Zeit danach ins Gesicht geschrieben.

Hype-Bands oder solchen, die allenthalben durch wilde Shows oder quere Kostüme/Maskierungen und dergleichen aufzufallen wissen, begegne ich im Allgemeinen mit einer gewissen Portion an Skepsis; schaue und höre doch etwas genauer hin und lasse mich zugegebenerweise schwerer überzeugen.
Im vorliegenden Falle war es ähnlich. Meinereiner hatte einfach zu viel von diesen wilden Norwegern gelesen, ohne wirklich je etwas von ihnen gehört zu haben. Das vermeintlich „schwerere Überzeugen“ dauerte im Falle des Silberlings „Maestro“ jedoch maximal bis zu einem der wohl besten Songs überhaupt: „Dieter Meyers Inst.“ – obwohl ich bereits nach „KGB“, „Maestro“ und „Knekker Deg Til Sist“ dem eindringlichen Charme dieser zweifelsfrei einzigartigen Band namens Kaizers Orchestra erlegen war.
Mir schiesst’s sogleich durch den Kopf, dass ich noch im April 2003 die Chance gehabt hätte, Kaizers Orchestra in kleinerem Rahmen vor meiner Haustüre im Kiff Aarau konzertieren zu sehen und wohl wissend darum, aus mir heute unerklärlichen Gründen – also aus offenbar freiwilligen Stücken – darauf verzichtet habe?! Ja, bitte, geisselt mich!
Zurück zu „Dieter Meyers Inst.“, eine der wohl längeren Pralinen der Welt. Ich meine selten einen Song gehört zu haben, der derart perfekt zum gewählten Themenkonzept eines Tonträgers passt, wie eben jener. Emotionalität, Intensität, Verschrobenheit und die Originalität des stets in norwegischer Sprache gehaltenen Gesangs verschmelzen in einem Gusse, wie sich das sonst höchstens noch bei den famosen The Mars Volta geniessen lässt. Nennt mich verrückt, aber es ist einfach so! Kaizers Orchestra sind auf ihre urchige und bodenständige Art der Musikalität der Herren Rodriguez-Lopez und Bixler-Zavala verdammt nahe und das frei von plagiativen Tendenzen.
Folgerichtig lässt das Sextett einen nach dem meyer'schen Höhenflug auf ganz zartsanfte Art wieder Boden unter die eigenen Füsse kriegen und offeriert mit „Christiania“ eine wunderbar traurige Ballade, welche nicht „nur“ einfach Ballade sein soll, sondern angereichert mit Störgeräuschen aus den Tonabnehmern einer elektrischen Gitarre (es werden wohl jene der Jazzmaster sein) erst wieder zu dem wird, was es schliesslich ist: Ein schlicht bezauberndes Stück Musik. „Delikatessen“ offeriert den auf „Maestro“ nicht mehr allzu oft anzutreffenden Polka-Rhythmus und öffnet aus meiner Sicht die Pforten zum leicht schwächeren Teil dieses ansonsten überaus überzeugenden Werks. Schwächer meint hier jedoch einen Qualitätslevel, welcher von zu vielen Veröffentlichungen der Geburtsmarke 2005 bisher kaum erreicht wurde.
Ich denke, wir verstehn’ uns?!


Seit 15. August 2005 im Handel.

Anspieltipps: Dieter Meyers Inst., Maestro, KGB
Trackliste: 1) KGB; 2) Maestro; 3) Knekker Deg Til Sist; 4) Señor Flamingos Adieu; 5) Blitzregn Baby; 6) Dieter Meyers Inst.; 7) Christiania; 8.) Delikatessen; 9.) Jævel Av En Tango; 10.) Papa Har Lov; 11.) Auksjon (I Dieter Meyers Hall); 12.) På Ditt Skift
similar artists: Grundsätzlich eigentlich keine, vom innovativen und kompromisslosen Ansatz her allenfalls The Mars Volta; bezüglich die Stimmung und die Atmosphäre eher Nick Cave oder Tom Waits.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > CH-Vertrieb

Bio:
Aus der eher ruhigen, Pop orientierten Band Gnom geht im Jahre 1998 mit den Musikern Jan Ove Ottesen (Gesang, Piano, Resonanzkörper), Geir Zahl (Gitarre, Gesang), Rune Solheim (Schlagzeug, Perkussion), Helge Risa (Pumporgel, Piano) und Jon Sjoen (Bass) in Bergen (Norwegen) die ungewöhnliche Band Kaizers Orchestra hervor. Im Jahr 2000 komplettiert Terje Vinterstø (Gitarre, Mandoline) das LineUp, welches später mit Øyvind Storesund noch einen Wechsel am Bass erfährt.
Bereits mit ihrem Debüt „Ompa Til Du Dør“ auf dem kleinen Indielabel Broiler Farm gelingt dem ungestümen, stets konzertierenden Orchestra der grosse Durchbruch (mit 100’000 verkauften Einheiten zu seiner Zeit die erfolgreichste Veröffentlichung in norwegischer Sprache). Weitere Highlights bilden der Sagen umwobene, von 14'000 Fans im 7’000er Zelt abgefeierte Auftritt am Roskilde Festival 2002 sowie die zweite etwas düsterere Veröffentlichung über ein Zwei-Personen-Schicksal „Evig Pint“. Nachdem das Debüt thematisch der Kriegszeit gewidmet war, spielt der jüngste Release (übrigens erstmals auf dem Major Universal Music) zeitlich-thematisch in der Nachkriegszeit, genauer gesagt in „Dieter Meyers Institutsjon“ – mit erkrankten, multiplen Charakteren in den Hauptrollen.

Kaizers Orchestra – Maestro (2005)
Diskographie:
> Maestro (2005)
> Evig Pint (2003)
> Ompa Til Du Dør (2001)



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