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Kante - Die Tiere sind unruhig

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von Rafael Werner am Montag, 21. August 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Indierock
Label: Labels
CH-Vertrieb: Virginmusic (EMI)
Unsere Wertung:Kante - Die Tiere sind unruhig


Mit der Wahrheit nicht klarkommen
Kante - Die Tiere sind unruhigKante probieren’s mit dem direkten Dialog, stehen auf der Schwelle einer neuen Zeit – und gewinnen wieder.

Nach dem einengenden, komplexen Meisterwerk „Zombi“ gehen Kante neue Wege ein: Das erste Album ohne den letzten als ersten Buchstaben, das erste Kantewerk, welches nicht (lange) zögert, bevor die Post abgeht. Direkt heisst das Stichwort; man könnte auch sagen, Peter Thiessen und seine Crue seien zugänglicher geworden. Dieses Mal dauerte das Warten nur zwei Jahre bis zum nächsten Album, die Musik pendelte von Kammeroper zu fetter Mucke. Das Werk ist dann auch keine lange Sache: 7 Songs, davon fünfmal Indierockwucht, einen Gegenentwurf und eine Ausnüchterungszelle.  Vom Konzept her ist das gleichsam neu wie brillant. „Die Tiere sind unruhig“ gleicht eher einer EP oder einer Single mit sechs B-Sides, die es in sich haben. Die Single wäre natürlich Titeltrack, Opener, Weckruf und Big Bang „Die Tiere sind unruhig“, in welchem die herrliche Stadt-Mensch-Wetter-Prosa von Feldaussteiger Thiessen optimal zur Geltung kommt. Das ist Pop, das ist Rock, schön, wildromantisch,  schnörkellos, emotional bis pathetisch, mitsingbar – und trotzdem klug. Dunkler und noch wuchtiger dann die Stoner-Rock-Antwort auf Tocotronics „Ich habe Stimmen gehört“,  prächtig aufwühlend der dritte Kracher „Nichts geht verloren“, das vor allem durch die ausgezeichnet arrangierten Streicher zu glänzen vermag. Schon jetzt ist klar: Die rohe, erdige (animalische) Energie und die gnadenlose Direktheit dieser Platte sind einzigartig, machen das Album aber auf seltsame Weise zum Wegwerfprodukt. „Die Tiere sind unruhig“ ist eines der ganz wenigen Alben, welches einem beim zweiten oder dritten Hördurchgang am intensivsten packt. Wie gesagt: Die neue Kante ist ein geiler Hirnfick, ein One-Night-Stand, den man nicht so schnell vergessen wird.
Auf differenzierte Weise müssen lediglich zwei Tracks betrachtet werden: Einerseits das mutige und originelle „Die grösste Party der Geschichte“, wo sich Felix Müller als MC überraschend gut macht und Thiessens Lyrics dem einen oder anderen Indiespiesser peinlich vorkommen dürften. Mit der genialen, linear gestalteten Prosa (siehe Blumfeld) werden wohl einige Zombifans nicht mehr zurechtkommen, denn Kante geben alles, tragen ganz dick auf. In „Die Wahrheit“ beispielsweise zerstört Peter mal schnell die ganze Befindlichkeitssülze und die halbe Gesellschaft mit dazu. Dieser Song ist so radikal und wirklich wahr, dass man ihn zensieren müsste.
Andererseits „Ducks And Daws“, welches dann die Plattform für die eigene Antwort und Reflexion liefert. Also gar nicht so unpassend wie es auf den ersten Blick vielleicht noch erschien. So fliesst man mit getankter Energie weiter, steigt sanft in den krönenden Abschluss ein  (ein neun Minuten langes Epos der Naturlyrik) und bleibt am Ende erschöpft, sich an der Eiche stützend, stehen. Und fragt sich: War das jetzt der Sturm?


Seit dem 3. August 2006 im Handel.

Anspieltipps: Die Tiere sind unruhig; Die Wahrheit; Die Hitze dauert an
Trackliste: 1) Die Tiere sind unruhig; 2) Ich hab’s gesehen; 3) Nichts geht verloren; 4) Die grösste Party der Geschichte; 5) Die Wahrheit; 6) Ducks And Daws; 7) Die Hitze dauert an
similar artists: Blumfeld, Tocotronic

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH – Vertrieb

Bio:
Kante entstand aus der Sandkastenfreundschaft von Sebastian Vogel und Peter Thiessen. Nach Phasen als Schülerband und in wechselnden Besetzungen existiert die Band unter dem heutigen Namen seit 1995.
Kante veröffentlichten im Frühsommer 1997 ihr erstes Album "Zwischen den Orten" bei dem Berliner Label Kitty-Yo. Hatte sich die Band bis dahin in collagenhaften Versuchen geübt, verortete sie sich hier - zum überwiegenden Teil instrumental - irgendwo zwischen Television, Soft Machine, Neu!, elegischem Postrock und den textlichen Entwürfen Hamburger Prägung.
Kante wurde von der Spexleserschaft Anfang 98 zur beliebtesten Newcomerband nach Missy Elliot gewählt. Im Herbst 1997 erschien auf dem Düsseldorfer Label Stewardess (inzwischen Italic) das Remixalbum "Redirections".
Im Januar 2001 erschien das Album "Zweilicht", ebenfalls bei Kitty-Yo. Gesang und Texte nahmen eine zentralere Stellung ein, das musikalische Bezugsfeld erweiterte sich wesentlich in Richtung Pop, Blues, Jazz bis hin zu elektronischer Musik. Die Single "Die Summe der einzelnen Teile" avancierte zum Indiediscohit, rotierte in den Radiostationen, und das mit Hilfe der Theater/Performance-Gruppe Showcase beat le mot gedrehte Video wurde auf Viva 2 über mehrer Wochen in der höchsten Rotation gespielt. Kante gelang es mit "Zweilicht", eine Vielzahl musikalischer Ansätze zu vereinen und ein Publikum anzusprechen, das ebenso wie die Band selbst ein genreübergreifendes, universelles Interesse an Musik hat. Produziert wurde "Zweilicht" von Tobias Levin, Sänger und Gitarrist der Hamburger Band Cpt. Kirk &, Produzent u.a. von Tocotronic. Drei Jahre später erschien mit „Zombi“ eine der bedeutendsten deutschen Platten der letzten Jahre.
Mit dem von Moses Schneider produzierten, neuen Album „Die Tiere sind unruhig“ gehen Kante neue Wege ein, was sich wiederum bezahlt macht.
 
kante
Diskographie:
> Zwischen den Orten (1997)
> Zweilicht (2001)
> Zombi (2004)
> Die Tiere sind unruhig (2006)


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