Der streitbare Rap-Star Kanye West will besser sein als je zuvor. Und
hinterlässt dabei Eindruck.
"My Dark Beautiful Twisted Fantasy" ist ein abenteuerliches Werk. Kanye West hat Ehrgeiz, die Ambitionen, alle anderen im aktuellen Musikschaffen in den Schatten zu stellen, und er scheitert, aber nur wie jemand scheitern kann, der Grosses anstrebt. Mangelndes Talent wiegt schwerer als Ambitioniertheit.
"that was a little joke, Voila!
Praises due to the most high, Allah
Praises due to the most fly, Prada
Baby Im magic, Tadah!"
Von solch peinlichen Ergüssen zu verbittertem Geschwafel - Kanye Wests Lyrics sind genauso infantil und beängstigend wie das Cover und der Titel des Albums. Und Kanye West versagt auch darin, wie er seine Zeilen wiedergibt, besonders offenbar wird das in den Momenten, in denen er zu singen versucht, wenn er etwa den ansonsten prächtig geratenen Opener "Dark Fantasy" fast ruiniert.
Seine zahlreichen Gäste sind ihm in gesanglichen Belangen voraus, auch wenn Namen wie Rick Ross, Drake, Rihanna oder Bon Iver auf Autotune in dem Zusammenhang eigentlich nur unterstreichen, wie unzureichend Kanye Wests Vocal-Skills sind.
Den Produktionen echte Klasse zuzugestehen wäre nicht angebracht, dazu ist der völlig überladene und breiige Sound zu mangelhaft, aber jeder der Track ist mit aufregenden Ideen gespickt und mögen alle diese Ideen nur geklaut und manche der Tracks vor Längen nicht gefeit sein, so hat der aufgeblasene Sound auch sein Positives - die siebzig Minuten Laufzeit geben doch Einiges her und ermöglichen ein langanwährendes und lohnendes Hörvergnügen.
Kanye West legt mit einer Schar talentierter Co-Produzenten den Schwerpunkt auf organische Beats, greift oft auf orchestrale Unterstützung zurück und öffnet den Massen mit poppigen Hooks und rockigen Gitarrenklängen die Tür. Mithilfe Chorgesangs und bombastischer Soundeffekte lässt der Opener "Dark Fantasy" die Welt einige Sekunden still stehen, "Power" raubt den Atem mit einem mächtigen Prog-Rock-Sample, Fanfaren zielen bei "All Of The Lights" zusammen mit Elton John, Fergie, Rihanna und vielen fragwürdigen Gästen mehr darauf ab, sich in der Musik-Geschichte zu verewiglichen. Auch Reduzierteres wie die Rap-Tracks "Monster" und "So Appalled" (unter anderem mit The RZA und Jay-Z) ist hörenswert.
Anderes wiederum ist nur unglaublich schlecht - "Runaway" klaut den schönen Beat bei Pete Rocks "The Basement", und überzieht ihn mit einer ganzen Ladung sentimentalen Kitschs und weinerlichen Gesangs. Solche künstlerische Faulheit steht mindestens so sehr wie mangelndes Talent im Widerspruch zu grossen Ambitionen. Kanye West könnte mehr, auch wenn das, was er kann, bislang noch nie zu einem wirklich guten eigenen Album reichte ... bei "Watch the Throne" hören wir aber trotzdem wieder hin.
Seit 19. November 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Power
> So Appalled
Diskographie:
> College Dropout (2004)
> Late Registration (2005)
> Graduation (2007)
> 808s & Heartbreak
> My Beautiful Dark Twisted Fantasy (2010)
Ähnliche Künstler:
> Kid Cudi
> Drake