Weiss mit schwarzen Streifen? Schwarz mit weissen Streifen? Am Zebra scheiden sich die Geister.
Karl Blau liess die Arbeiten an seinem neuen Album „Zebra“ unter ebendiesem Titel laufen: „white w/ black stripes or black w/ white stripes“. Der Arbeitstitel enthält gleich in mehrfacher Hinsicht Informationen zu Karl Blau’s Musikverständnis. In der Unentschiedenheit, welche der Titel zum Ausdruck bringt, schwingen die überwältigenden Möglichkeiten mit, welche heutiges Musikschaffen beinhaltet. Für Karl Blau ist Musik ein offenes Feld. Eine Palttitüde, könnte man behaupten. Diese Aussage – oder besser: dieses hohe Credo – spiegelt sich aber in allen Stücken auf „Zebra“. Die Rhythmik schmiegt sich eng an ihre afrikanischen Vorbilder. Der Einsatz von analogen Synth-Gerätschaften flankiert von geschmeidigen Bass-Lines erinnern oft an den Psych-Folk der Pioniere und Pionierinnen in den sechziger Jahren. Von Disharmonien verdrehte Melodien tanzen auf dem lebendigen und soliden Rhythmusgerüst.
Es ist aber ein Track zu nennen, welcher in seinem Finish messerscharf hervortritt. „Dark Sedan Returns“ ist das, was ich als freies Individuum als Electro-Soul bezeichne und was ich in seiner frühesten Erscheinung bei Hot Chip kennengelernt habe. Was nicht von Saiten-, Blas- oder Schlaginstrumenten stammt, wird reduziert eingesetzt. Zur Stimmung des Songs tragen die Bläser einen Hauptanteil bei. Eine wunderbar eingängige Basslinie zieht sich durch den Song. In diesem Moment blitzt Blau’s Genius als Arrangeur trockener psychedelischer Gegenwelten auf. Er durchzieht seine Songs mit einer Spärlichkeit und einem sanften DIY-Touch, dass sie in ihrem unverblümten Realitätsanspruch da stehen, wie kleine Naturphänomene.
In der Regel tut man der Sache keinen Dienst, wenn man sie als offenes Feld zur Bearbeitung angeht. Das Musikschaffen von Karl Blau hebt sich auch weit über die im Arbeitstitel vermittelte Dichotomie hinaus. Da gibt es keine klar zu trennende Mengen, kein schwarz/weiss-Denken. „Zebra“ kann als Gipfeltreffen vieler grosser Musikgeister verstanden werden. Mit Spielwitz und Innovation lässt Blau sie als schamanischer Zeremonienmeister in ungewohnten Tonlagen singen. Es ist Karl Blau’s Gespür für den Song zu verdanken, dass sich diese gewaltigen Zutaten in einem kurzweiligen und verblüffenden Spektakel ineinander hinein vibrieren.
Seit 6. Oktober 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Crucial Contact
> Dark Sedan Returns
Diskographie:
> Shell Collection (1997)
> Clothes Your I’s (2001)
> Dance Positive (2007)
> Nature’s Got Away (2008)
> Zebra (2009)