Genre: Indierock | Label: Corporate Records (Snowhite) | Unsere Wertung: 7.5/10
Textliches Rumgepöble
Wer wissen will, was im britischen Musikgeschäft so alles schief läuft, sollte sich das Debut von Keith TopOfThePops mal anhören. Dieser zeigt allem und jedem den stolz erhobenen Stinkefinger.
Vereinzelte Leser haben Eddie Argos mit seiner Truppe Art Brut bereits live erleben dürfen. Dieser zelebrierte die Worte 'TopOfThePops' in herrlicher Zusammenarbeit mit dem Publikum jeweils ausgiebig. Nun, ein gewisser 32-jähriger Brite namens Keith benutzte diese Worte sogleich als Bandname. Ob Eddie Argos (der auf dem hier zu besprechenden Album neben anderen Künstlern aus Bands wie The Blood Arm, We Are scientists, Robots in Disguise oder The Indelicates, die Finger im Spiel hatte) oder die gleichnamige britische TV-Show aus den 70ern dafür verantwortlich sind, sei dahingestellt. Gastmusiker sind ein grosses Thema. Live tritt Keith als 'Keith TOTP and his minor UK Indie Celebrity all-star backing band' auf. Da könne es vorkommen, dass ganze 25 (!) GitarristInnen auf der Bühne stehen.
Keith TOTP spielt rauhen, direkten, musikalisch nicht zwingend komplexen, textlich jedoch äusserst unterhaltsamen Indierock. Entsprechend stehen die Texte im Vordergrund. Das Album beginnt mit dem Rock'n'Roll Song „Girl“. Freundlich und bestimmt weist Keith TOTP ein Mädchen auf ihr Fehlverhalten hin, empfiehlt mit ihm zu gehen und schliesst den Song mit einem dezenten 'bitch'. In „Pretentious Title TBC“ findet sich die herrliche Passage 'Iʼm not like everybody else; No Iʼm far more clever, thatʼs what I tell myself; And I hate to break it to you, but if you donʼt agree; Your opinion doesnʼt matter, ʻcause youʼre not me.'
„I'ts slang“ ist dann eine popige Liebeskummer-Ballade. Mittelprächtig. „Two of the Beatles Are Dead“ sorgt dann für gewisse Furore. Balladesk wird auf nicht zwingend feinfühlige Art und Weise die Bandgeschichte der Pilzköpfe aufgerollt. Mit einer gehörigen Portion britischem Sarkasmus wird vorgetragen, wie John Lennon gleichzeitig gegen Eigentum wetterte und ein Haus kaufte oder wie George Harrison seine Frau an Eric Clapton verlor. Böse, aber unterhaltsam. In „I Hate Your Band“ wettert Keith über all die immergleichen, langweiligen britischen Indiebands in Lederjacken und Sonnenbrillen. Abschliessend wird eine beachtliche Liste an Bands aufgezählt – jeweils mit dem Kommentar 'I hate your band'.
Doch Keith kann auch anders. In „What's on Your Mind“ werden sehr dezente Töne angeschlagen. Vernünftiges Songwriting zu angenehm ruhiger Musik. Der Titelsong „Fuck You! I'm Keith TopOfThePops“, welcher ausschliesslich aus ebenjenen Worten besteht, fasst die Attitüde des Typen auf den Punkt gebracht zusammen. Diesmal überzeugt der musikalische Aspekt. Mit „Try Your Best“ endet die Platte versöhnlich. Keith packt den ausgestreckten Zeigefinger weg und reicht dem Hörer die Hand.
Insgesamt ein musikalisch abwechslungsreiches, leicht hörbares Album, gespickt mit witzigen Texten und fiesem britischem Humor. Nicht wirklich ernstzunehmen, in jedem Fall unterhaltsam.
Seit 9. September 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Girl
> I Hate Your Band
Diskographie:
> Fuck You! I'm Keith TopOfThePops
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