Der alte Haudegen Steve Reid und das junge Genie Kieran
Hebden veröffentlichen nach zahlreichen gemeinsamen Auftritten,
Improvisationen und den Exchange Sessions Vol 1 & 2, das erste
reguläre Album.
Tongues ist Englisch und bedeutet Zungen. Im Französischen heisst la langue sowohl Zunge, als auch Sprache. Die beiden Herren haben nicht nur einen immensen Altersunterschied und musikalischen Background, sondern sprechen auch zwei unterschiedliche Sprachen, und das ohne ein einziges Wort.
Das erste Mal hörte ich von den Beiden im Doppelpack, als Kieran Hebden 2005 Gast auf Spirit Walk von Steve Reid war. Man huldigte auf dieser Platte gemeinsam Coltrane und entschied sich fortan, sich irgendwie zu finden, intensiv zu arbeiten und etwas Neues zu kreieren. Waren die Exchange Sessions noch Improvisationen, die sich jeweils gut und gerne zwischen zehn und zwanzig Minuten beliefen, versuchten Steve Reid, der unter Anderem als Drummer mit Miles Davis und bei der legendären Band Sun Ra Arkestra spielte, und Kieran Hebden, umtriebiger Boss bei Fridge und seinem Electronica - Soloprojekt Four Tet, sich möglichst kurz und präzis zu halten und ineinander zu verschmelzen.
Der erste Song „The Sun Never Sets“ schreckt ab; Hebden übertreibt masslos, indem er die anfangs unrhythmische Melodie, die sich unmotiviert durch den Song schleicht, mit seinem ganzen Repertoire an Effekten zerstückelt und verfremdet, Reid hingegen dient bloss im Hintergrund. Danach wirkt „Brain“ zwar noch chaotischer, aber stets spannend und lässt Reid den nötigen Freiraum; die multiplen Samples bei „Our Time“ wirken dann nicht einmal mehr aufgesetzt und man ist geneigt zu sagen, dass die Steigerung durchaus bewusst eingesetzt wurde, um den gemeinsamen Arbeitsprozess aufzuzeigen. Bei „Greensleeves“ darf Reid praktisch im Alleingang zaubern, bei „Rhythm Dance“ darf man mit Hebden lächeln und sich vorstellen, welchen Spass die Beiden wohl bei diesem Track hatten - er ist auch ausnahmsweise nicht zu lange geraten. Als letztes ist wohl noch „The Squid“ zu erwähnen: Ein bewusst verkorkstes Popstück, das wundervoll gemächlich und ausgefallen daherkommt, Reids Schlagzeug passt perfekt in die Pausen der Soundcollagen von Soulmate Hebden. Schliesslich bleibt zu sagen, dass selbst dieses Album bloss ein Ausschnitt im ständigen Arbeitsprozess ist, man merkt ihm die Anstrengung der Beiden an und so wirkt es auch oft für den Zuhörer, der noch Besseres erwartet.
Seit 23. März 2007 im Handel.
Anspieltipps: Brain, Our Time, Rhythm Dance, The Squid
Trackliste: 1) The Sun Never Sets; 2) Brain; 3) Our Time; 4) People Be Happy; 5) Greensleeves; 6) Rhythm Dance; 7) Mirrors; 8) The Squid; 9) Superheros; 10) Left Handed, Left Minded
similar artists: Four Tet, John Coltrane, Fridge, Steve Reid
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Bio:
Das ultimative Duo besteht aus dem 63-jährigen Drummer Steve Reid und dem 25-jährigen Tüftler Kieran Hebden der Post-Rock Band Fridge und seinem elektronisch/folkig orientierten Soloprojekt Four Tet. Beide gingen eine anhaltende Blutsbrüderschaft sowohl Techno, Jazz, Electro, Postrock irgendwie zu vereinen und nie ganz gleich zu klingen. Sie treten somit auch an den verschiedensten Events und mit Künstlern aller Stilrichtungen auf, um Musik zu zelebrieren.