Genre: Postrock | Label: Super Ficelle/Irascible | Unsere Wertung: 6.5/10
lrgendwo in Neuenburg...
...nahe Le Locle in einem Waldstück findet man sich wieder, wenn man den Koordinaten bzw. dem Albumtitel folgt.
Was es mit diesem Waldstück genau auf sich hat, bleibt ungewiss. Sicher ist jedoch, dass das vorliegende Werk der Soundtrack zu Julien Humbert-Drozs Film ''Dernière Chasse'' ist. Dieser läuft unter der Kategorie ''LowBudged Horror'' und dürfte, nur schon aufgrund des Titels 'die letzte Jagd' wohl einigermassen derb daherkommen. Munter kombiniere ich mal drauflos: auf ebenjenem Flecken Wald geschahen (im Film) wohl unschöne, wenn nicht blutige Untaten, das künstlerisch ansprechende, jedoch angenehm makabere Artwork (mit stilisiertem aufgespiesstem Frauenkörper, Bärenfalle, blutverschmierter Blume und so) gibt diesbezüglich ebenfalls Hinweise. Ich habe mich noch nie mit Soundtracks von Horrorfilmen beschäftigt, es spricht jedoch nichts dagegen, hier mal an Postrock zu denken. Solchen, und zwar ziemlich klassischen, spielen Killbody Tuning. Wie immer müssen an dieser Stelle Adjektive wie düster, geheimnisvoll, traurig oder melancholisch fallen.
Das Album lupft mir jetzt nicht direkt den Hut, insgesamt wird jedoch sehr angenehm, sehr tief, basslastig und wie erwähnt, düster-geheimnisvoll gespielt. Die Band baut ihre jeweils zwischen 5 und 7 Minuten dauernden Songs geschickt auf, spielt gekonnt mit genretypischen Spannungsbögen, zieht manchmal in Richtung Metal ('Bamberg'), kann dank gelungenem Frauengesang (Valérie Leimgruber in 'Marker of Change', Céline Bart in 'Muswell Hill') auch dem beinahe 'normalem' Rock nahe stehen. Schön gespielt, schlau komponiert, tolle Höhepunkte, angenehme Verschnaufpausen.
ABER: Das Problem hierbei ist ein in beinahe allen Lebensbereichen gültiges: wir haben Musik dieser Art mittlerweile bereits (zu?) ausgiebig genossen und können entsprechend nicht mehr überrascht werden. Auch der dazugehörige Film wird wohl eklige Schockeffekte und grenzüberschreitenden Psychoterror beinhalten, trotzdem werden Zuschauer oder -hörer, sei es beim lauschen des Soundtracks oder aber beim Betrachten des Films, gähnen. Dank des realen, täglichen Horrorfilms um 19:30Uhr oder aber des noch schockierenderen Radioprogramms ist die allgemeine Abstumpfung perfekt. Der unstillbare Durst nach dem Kick, nach Neuem, Spannendem, Forderndem, welchen ich hier auf die Musik (als Teil der Konsumgesellschaft) überzuwälzen wage, wird, wer hätte das gedacht, nicht gelöscht.
Obwohl es wohl ziemlich rasch in den Regalen und Gehirnen verstauben wird, ist "47°0'40.00''N / 6°42'20.00''E" ein gelungenes, vielseitiges und angenehmes Postrock- Album, welches es vollkommen verdient hat, gehört zu werden.
Seit 7. Mai 2012 im Handel.
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Anspieltipps:
> Seestrasse
> Porta Capena
> Bamberg
Diskographie:
> The French Hunter (2008)
> 47°0'40.00''N / 6°42'20.00''E (2012)
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