Die dritte Veröffentlichung von Kovlo wurde in Italien von Andrea Cajelli in den Sauna Studios aufgenommen. Vertont wurden sechs instrumentale Stücke, statt mit Gesang wurden einige von ihnen stellenweise mit Sprachsamples aus dem Kriegsfilmklassiker Apocalypse Now von Francis Ford Coppola ausgestattet. Diese fügen sich eher schlecht ins Klangbild ein, haben aber für sich genug Kraft, um noch als originelle Idee durchgewinkt zu werden.
Die sechs Songs haben klangvolle Namen: Hebron, Oaxaca, Rovaniemi, Qujing, Blenheim, Angkor Wat. Mit dem Albumtitel "Hey Mom, Where’s Timbuktu?" wird es angedeutet, es geht hier weniger um Geografiekenntnisse, sondern um Fantasie, Neugier und darum, sich auf eine Reise einzulassen. Kovlo wollen den Soundtrack dafür liefern, was ziemlich gut gelingt.
Kovlo beherrschen das Spiel mit der Dynamik. Da wird nicht nur Schicht auf Schicht gestapelt und wieder abgebaut, sondern auch mal bewusst sparsam instrumentiert, die sorgfältig aufgebaute Stimmung zerstört oder ab und zu ein unerwartetes Instrument eingesetzt. Für diese Einsprengel, die ein bisschen das Salz in der Suppe sind, ist Giona Mattei (Bass, Piano, Synthesizer, Glockenspiel, Orchestral Arrangements) verantwortlich. Trotz der langen Aufzählung des Instrumentariums muss gesagt sein, dass das Klangbild durchaus mehr von diesen Abwechslungen vertragen könnte. Der Hauptnachteil vom neuen Album Kovlos ist nicht mangelnde Qualität sondern mangelnde Originalität.
Der Song "Qujing" bietet als positives Beispiel einen interessanten Gitarrensound, mal einen zügigeren Groove und schraubt so die Spannung mehr und mehr hoch. Nach zwei Minuten wird es derber, die Band bricht aus, und eine weitere halbe Minute später droht Chaos, wild und kraftvoll. Geiler Krach! notiere ich mir und meine das durchaus ernst.
Die Momente, wo es mir die Mundwinkel hochzieht, sind insgesamt spärlich. Der letzte Track "Angkor Wat" ist ein weiterer Lichtblick. Hier werden alle Register gezogen, Streicher, Sprachsamples, Xylophon…wunderbar. Der Beat ist unglaublich schwer und schleppend, was die düstere Stimmung toll unterstützt. Nach fünf Minuten erklingt völlig unerwartet ein Gitarrenbreak und ein paar dissonant vertrackte Takte später folgt die Auflösung in einen beschwingteren Songpart, um am Ende noch einmal mit der Keule die Schlussakkorde in aller Schwere wirken zu lassen.
Diese Tessiner haben einiges Potenzial. Wer gerne Postrock hört, Eigenständigkeit nicht als wichtiges Kriterium wertet und gerne unbekannteren Bands eine Chance gibt, sollte sich das Album kaufen. Allen anderen kann man zumindest das Reinhören ans Herz legen.
Seit 14. März 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Qujing
> Angkor Wat
Diskographie:
> A New Position for a Second Degree Burnt (2005)
> I’m So Happy on This Boat (2008)
> Hey Mom, Where’s Timbuktu? (2011)
Ähnliche Künstler:
> Explosions In The Sky
> Mogwai
> Kid Ikarus