Kraftwerk - Minimum-Maximum (2005) (Capitol/EMI Music) |
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| von Rudolf J. Merkle am Donnerstag, 14. Juli 2005 in Neuerscheinungen | |
![]() Als Computer sangen… Geschätztes Auditorium, der Rezensent staunt, sein Musik-Mikrokosmos steht Kopf: Kraftwerk + Publikum = Live-Album? Man stelle sich vor: Eine Band, die wahrlich der Inbegriff technisch gefertigter Musik ist, die Konzerte von ihren quasi technoiden Alteri Egos, von Robotern, realisieren liess, veröffentlicht ein Konzert-Album. Man runzelt die Stirn, reguliert die Hörorgane auf „skeptisch“ und – ist über die Massen begeistert. Wir sprechen von einer Publikation musikhistorischer Dimension, produziert von einer der wichtigsten und einflussreichsten Musikgruppen des 20. Jahrhunderts. Doch Achtung: Dieses Album hat nichts, überhaupt nichts gemein mit einem konventionellen Live-Album. Dafür klingt es schlicht zu perfekt. Das deutsche Musik-Konstruktions-Quartett erlaubt in vorliegender Doppel-CD einen Ein- und Überblick in das eigene, nunmehr 35-jährige Schaffen. Die Auswahl der 23 Songs aus dem immensen Repertoire darf mit Fug und Recht als geglückt bezeichnet werden. Natürlich inszenieren sich Kraftwerk in jedem Track wie gehabt, zitieren sich unaufhörlich selbst und Momente der Ironie sind eher selten – vielleicht am ehesten im textlich an Dada gemahnenden Lied „Dentaku“ –, aber das ficht sie nicht an. Oh ja, die dürfen sich (zu) ernst nehmen, denn sie haben Epochales geleistet. Die Songs werden nicht neu erfunden, dies tut allerdings nicht Not. Selbst nach 30 Jahren reicht ihre Qualität vollends aus, die Hörerschaft mit Ideen, wunderlichen Melodien, beängstigend zurückhaltenden Beats und sprechgesangähnlichen Vokaleinlagen zu fesseln. Jedes Detail ist notwendig. Dass Kraftwerk hingegen nicht simpel in gewissermassen maschineller und qua Geleistetem begründeter Distanz zum sehr präsenten Publikum – begeisterte „Yeah“-Zwischenrufe gehören zu einem Live-Opus wie die Faust auf’s Auge – herunterleiern, beweisen etliche nachgerade groovende Parts, so etwa das Intro zum brillanten „Music Non Stop“. Im Universum der elektronischen Musik vermag niemand Maschinen auch nur annähernd derart humane, i. e.: warm-emotionale, verträumte Töne zu entlocken, die nichtsdestotrotz von stupender Präzision sind. Die geneigte Leserin, der geneigte Leser möge sich zum Beweis dessen der Hymne „Das Model“ widmen. Oder: Wann waren vermittels des Mediums Computer kreierte akustische Artefakte sinnlicher, romantischer als bei „Neonlicht“? Fazit: „Minimum – Maximum“ ist qualitativ in jeder Hinsicht herausragend. Unsere Ansicht: Selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit. Seit 6. Juni 2005 im Handel. Anspieltipps: Metall auf Metall, Computerwelt, Neonlicht, Die Roboter, Tour De France Etape 2 similar artists: Allen Unkenrufen zum Trotz: Kraftwerk ist mit nichts zu vergleichen. Alle Electropop-, EBM- und (Detroit) Techno-Acts müssen sich hingegen an Kraftwerk messen lassen. > Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb Bio: An dieser Stelle eine der wichtigsten Gruppe jeglicher elektronischer U-Musik würdige Biographie zu verfassen, wäre ein hoffnungsloses Unterfangen. Man mache sich zum Behufe weiterer Informierung bei de.wikipedia.org. schlau. Kraftwerk wurden 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider in Düsseldorf gegründet. In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten spielten sie mit wechselnden Musikern Alben ein, die Massstäbe setzten. Aktuell wird das Gründungsduo durch Fritz Hilpert und Henning Schmitz ergänzt. Orientierten sich die ersten experimentellen Alben stark am zeitgenössischen Rock, ist das Album „Autobahn“ als Pop-Album zu definieren. M. E. muss besagtes Werk als Beginn der elektronischen Popmusik gelten. Einzig dem Album „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“ (1967) der Beatles kann hinsichtlich des Einflusses innerhalb der Pophistorie ein ähnlicher Status zugebilligt werden. Mit „Tour De France Soundtracks“ ist Kraftwerk ein veritables Comeback gelungen, ohne je völlig absent gewesen zu sein. Kraftwerk ist als gesamtheitliches, prozessuales Kunst-Projekt, als Diskurs des Dreiecksverhältnisses Mensch – Moderne – Ästhetik zu verstehen, nicht allein als Musikgruppe. Diskographie: > Kraftwerk (1970) > Kraftwerk 2 (1971) > Ralf Und Florian (1973) > Autobahn (1974) > Radioaktivität (1975) > Trans Europa Express (1977) > Die Mensch-Maschine (1978) > Computerwelt (1981) > Electric Café (1986) > The Mix (1991) > Tour De France Soundtracks (2003) > Minimum – Maximum (2 CDs) (2005)
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