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Kutti MC - Sunne

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von Michael Messerli am Mittwoch, 2. September 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Hip Hop  |  Label: Two Gentlemen (Irascible)  |  Unsere Wertung: 6.0/10

SunneAbheben mit Kutti MC
Jürg Halter appelliert an die Eigenverantwortung. Raus aus dem Schneckenhaus! Raus an die Sonne, welche dir den Weg zeigt. Wenn Tomte Pathos vorgeworfen wird, dann muss das hier zuweilen Kitsch sein. Aber so schlimm ist es dann doch nicht.

Der Titeltrack ist die Single. Das erkennt man blind und passt gut in den Sommer, der doch noch gekommen ist. Man kann „Sunne“ nicht an diesem einen Track aufhängen, dafür ist einiges vom Rest zu gut. Aber die esoterisch-trivialen Lebensweisheiten, die über Züri-West-Gitarren gesprochen werden, wirken etwas bieder. Das geht und wird besser. Kutti MC nimmt das Blatt von Beginn weg selber in die Hand: „U so schribe i/ Mi furt vo hie/ Muess itz witer zieh/ Eifach furt vo hie“. Fernab jeglicher Schwerkraft schwebt er uns davon und erfreut sich an der Leichtigkeit des Seins. Den Hörer lässt er aber bald wieder mit voller Wucht auf den Boden knallen. Zum Beispiel mit „Du bisch nid allei“, das sich selber in seiner traurigen Altersheim-Atmosphäre einen zeitlosen Körper zeichnet und deshalb gross ist, weil es mit einfachen Mitteln maximale Wirkung erzielt. So fliegt auch der Ätti bald nach Hause. Danach kommt leider „I & mi Compi“, bei dem man nicht weiss, ob der Titel nun absichtlich bei Deichkind geklaut ist („Ich und mein Computer“) oder gleich die ganze Idee. Eine Schwachstelle des Albums.

Und Sophie Hunger darf momentan sowieso nicht fehlen. Auch dann nicht, wenn Jürg Halter den Optimismus an die Wand malt. Dort, wo andere den Teufel als Poster haben, ist manch platter Schriftzug auch nicht weit: „Fang afa läbe im itz!“. Dann doch lieber der Beelzebub, der einem Feuer unter dem Hintern macht. „Geister“ widerspricht dem anfänglichen Tenor mit selbstzweifelnden Zeilen. Keine Selbstfindung und keine Selbstgespräche, dafür aber ein Gefängnis aus Gedanken und Ängsten im Oberstübchen. Hier wirft die Sonne vor allem Schatten und bildet damit einen tollen Gegenpol. „Schuss“ sticht ebenso heraus, weil tatsächlich scharfsinnig und mit catchy Poprefrain. Wenn dann Kutti MC noch in bester Kinderzimmer-Productions-Manier über das It-Girl herzieht, ist es einfach nur noch herrlich. Musikalisch unterstreicht das One Shot Orchestra aus Berlin, wieso eine vernünftige Instrumentierung jeder Art von Hip Hop nur gut tun kann. Nicht, weil die Indie-Ohren es so wollen, sondern weil die drei Musiker überaus talentiert sind. Es macht einen Unterschied und eröffnet Möglichkeiten. Kutti MC nutzt sie immer wieder geschickt, und so lebt „Sunne“ von einer erfrischenden Abwechslung. Auch wenn gegen Ende nur noch die Hälfte überzeugt. Etwa die Geschichte um das Beziehungsdrama von „Julia & Lukas“. Sie gelingt dank nüchterner Erzählweise, Streichern und Bläsern. „Zug nach Paris“ gleicht dieser Stimmung wie ein minimalistischer Eels-Song mit Sprechgesang. Textlich bietet der Berner ein breites Spektrum, in den Inhalten wie in der Qualität. Und Letztere ist unter dem Strich gesehen doch mehrheitlich hoch.

Seit 28. August 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Kutti MC
Anspieltipps:
> Du bisch nid allei
> Geister
> Schuss

Diskographie:
> Jugend & Kultur (2005)
> Dark Angel (2006)
> Sunne (2009)

Ähnliche Künstler:
> Big Zis
> Deichkind
> Kinderzimmer Productions
» 1 Kommentar
1"Grossartig"
am Mittwoch, 2. September 2009 16:20von Babu
sorry, aber das neue kutti album ist schlichtweg grossartig! gerade auch weil es mut zum pathos zeigt, ohne dabei platt zu sein. der song "sunne" ist jedenfalls textlich genial, wenn auch musikalisch etwas konventionell. das ganze album hat mich sehr berührt und dafür kann ich nur sagen: danke!
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