Die Band aus Savannah hat eine interessante Entwicklung hinter sich. Besonders der zweite Schlagzeuger als festes Bandmitglied ist eine nicht einzigartige aber doch seltene Konstellation für eine Rockband. Der Vorteil liegt auf der Hand und ist auch live ohrenfällig: Beim Druck den die beiden Drummer produzieren, geraten die Gitarrenverstärker ziemlich ins Schwitzen, um mithalten zu können. Aber Philip Cope und Laura Pleasants, die beide sowohl für Gesang und Gitarren zuständig sind bleiben souverän und schütteln psychedelische Instrumentalparts genauso locker wie brachiale Riffs aus dem Ärmel.
Auf Spiral Shadows schaffen Kylesa das Kunststück, Songs zu schreiben, die sofort ins Ohr gehen aber auch beim x-ten Durchlauf immer noch ihren Reiz behalten. Einige Songs wachsen sogar und entfalten erst nach mehrmaligem Hören ihren ganzen Reiz. Diesen Effekt kennt man sonst eher von Progrock-Bands, die tausend Ideen in einen überlangen Song packen.
Kylesa sind dagegen im Songwriting geradlinig, simpel und sehr effektiv. Da gibt es keine Profilierungsgebärden einzelner Musiker und auch die Tatsache, dass man mit zwei Drummern operiert ist zwar hörbar, wird aber nicht strapaziert. Die beiden stehen sich nicht in der Sonne sondern verstehen es, nebeneinander vereinzelte Akzente zu setzen und machen sonst vor allem eines: Druck!
Spiral Shadows ist ein konsistentes Album und die 40 Minuten Spieldauer sind immer wieder erstaunlich schnell durchgehört. Schwache Songs gibt es keine zu vermelden, dafür einige Highlights. Dazu zählt für mich beispielsweise der Opener, der die wichtigsten Merkmale des Kylesa Sounds 2010 vereint: Atmosphärischer Einstieg, wuchtige Riffs, eingängiger Refrain, zwei Stimmen die zwischen aggressivem Schreien und melodiösem Singen pendeln und ein treibender Groove mit Sogwirkung. Weitere Songs, die nicht unerwähnt bleiben sollten, sind Cheating Road mit interessanten Rhythmuswechseln und sehr melodiösen Gitarrenparts. Crowded Road und Don’t Look Back sind bestechend eingängig, haben richtigen Hymnencharakter und dürften live hervorragend abgehen.
Auch der Titeltrack mit seiner eingängigen Gitarrenmelodie zieht den Zuhörer in den Bann und lässt in nicht mehr los. Das abschliessende Dust zeigt nochmals die dynamische Bandbreite der Band auf: Kolossal wird auf den Toms der zwei Drumsets rumgedonnert, epischer Gesang, dann wieder ein ruhiger Teil mit unverzerrtem Gitarrensolo, vielseitig und durchdacht.
Mit Spiral Shadows präsentieren Kylesa ihr bisher reifstes Werk. Die hypnotischen und psychedelischen Parts entschweben in luftige Höhen, werden aber immer wieder mit unglaublich durchschlagsstarken Riffs auf den Boden gedrückt. Ich freue mich bereits, diese Band live zu sehen. 8 Punkte für ein reifes, eigenständiges Album.
Seit 25. Oktober 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Tired Climb
> Cheating Synergy
Diskographie:
> Kylesa (2002)
> No Ending EP (2004)
> To Walk a Middle Course (2005)
> Time Will Fuse Its Worth (2006)
> Static Tensions (2009)
> Spiral Shadows (2010)
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