Genre: Postrock/PostHardcore | Label: Pottwalplatten (Irascrible) | Unsere Wertung: 7.5/10
Glorreicher Bastard
Aha, da hatte mal wieder einer aus der Blackmail’schen Hexenküche die Finger im Spiel. Die Zusammenarbeit mit Guido Lucas (Blackmail, Scumbucket, Genepool) hat sich für die Basler hörbar gelohnt.
Auf dem Schweizer Alternative-Markt tut sich zurzeit einiges. An vorderster Front treffen wir die Basler Lamps Of Delta an. Deren Debut ’Interregnum Express’ liegt vor und sollte theoretisch einen jeden, der seinen Musikgeschmack irgendwo zwischen psychedelischem Indierock, Postrock und Metal einzuordnen glaubt, begeistern. Dies liest sich jetzt wahrscheinlich schwierig und lässt sich noch schwieriger vorstellen. Obwohl eine entfernte Verwandtschaft nicht zu leugnen ist, darf man den Graben zwischen Indie und Postrock tatsächlich als relativ gross bezeichnen. Die Lamps of Delta bringen es jedoch fertig, mehrere Minuten dauernde Gitarrenspielereien (also Postrock) mit mehr oder minder ruhigen Indiepassagen, sprich netten, eher melancholischen Melodien, zu mischen. Dazu eine Prise Genickbrechergitarren, unorthodoxe Rhythmik und gekrähte Vocals (also die eher aggressive Seite anständigen Metals), und fertig ist der wunderbar innovative Bastard von Rockalbum.
Meine persönlichen Favoriten sind, (wie könnte es anders sein), die Songs ’Bock’ und ’Interregnum Express’: Beide funktionieren ohne Gesang, wobei Ersterer einen wuchtig-druckvollen Gitarren- und Bassteppich liefert, während sich die Leadgitarre austoben darf. Nach 2 Minuten wird kurz die Luft anhalten und dann nochmals mit doppeltem Druck den Hörer niederprügeln. Zweiterer bietet rhythmisch mehr, die Gitarre säuselt vorerst zart, der Beat bleibt ruhig, treibt aber trotzdem gehörig voran, zum Schluss dann wieder eine kilometerhohe Gitarrenwand, herrlich... Trotzdem liegt die Stärke des Albums nicht in den gesangslosen Postrock-Parts. Dazu fehlt eine Spur Trägheit, Pessimismus und Weltuntergangsstimmung, welche wirklich heftigen Postrock auszeichnet.
Die Stärken des Albums liegen in der souveränen, von zart bis brachial reichenden Gitarrenkulisse, dem gekonnten, jedoch nicht ausufernden Spiel mit Intensität und Druck sowie der herausragenden Produktion. Am rhythmisch anspruchsvollen und trotzdem nicht überfordernden oder masslosen Gitarrenhandwerk hört man Guido Lucas’ Arbeit sehr gut heraus. Gesanglich wird tonsicher zwischen gefluchtem, geschrienem und sauber gesungenem balanciert, wobei keine Scheu vor fremden Sprachen zu erkennen ist. Der letzte Song ’Les Chiens D’Angoulème’ geht glatt als Chanson durch. Der Gesang könnte einerseits hartgesottene Indierocker stören, weil zu heftig oder zu aggressiv, andererseits aber auch harte Metaller stören, weil zu freundlich oder melodiös. Lamps of Delta treffen sich in der Mitte und hinterlassen aufgrund der ausgeglichenen Vielfalt bei Zuhörern (fast) aller Couleur einen bleibenden, positiven Eindruck. Wer der Auflösung von Blackmail noch immer nachtrauert, findet in ’Interregnum Express’ ein anständiges Trostpflaster.
Seit 28. August 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Bock
> Interregnum Express
> The Liver, The Love
Diskographie:
> Interregnum Express (2009)
Ähnliche Künstler:
> Lird Van Goles
> Blackmail
> Billy Talent
> BoySetsFire