Die deutsche Musikszene hat in den letzten Jahren
einige gute Momente erlebt und teils bemerkenswerte Werke
hervorgebracht. Wahrscheinlich ist damit die Bereitschaft des Hörers,
deutschsprachigen Projekten eine Chance zu geben ebenso gestiegen wie
die Bereitschaft der Musiker bei ihrer Muttersprache zu bleiben. Les
Mercredis sind aber gewiss nicht mit dem zu vergleichen, was man bisher
kennt. Das Elektropop-Trio gehört zu jenen Bands, die man absolut
gefahrlos cool finden darf. Denn wer diesen Sound nicht gut findet, der
versteht es einfach nicht. Man muss nicht cool sein, um cool zu sein.
Wer das nicht versteht, der lebt an der Generation Spongebob vorbei.
Die Mittwöchler (…Somit wär mindestens geklärt, weshalb die einen
französischen Namen haben) wollen aber allem Anschein nach nicht nur
sorglos verquer und schräg sein. Denn dazu haben ihre Songs zu viele
Hintergedanken und eine oft rätselhafte Bildersprache. Die
Interpretationsmöglichkeiten der kryptischen Metaphern sei aber dem
Einzelnen überlassen. Vorgetragen werden die merkwürdigen Texte mit
einer „ich rauche und rocke“ - Stimme, die sich zu sehr bemüht
verbraucht und dreckig klingen zu wollen. Die Musik hat einen eher
rauen, rockig-punkigen Charakter, der von elektronischen Effekten oft
und unpassend zerstückelt wird. Im einen oder anderen Track harmonieren
die Elektronic-Klänge einigermassen gut mit dem Rest (Sekundenschlaf),
meist wirken sie aber überflüssig.
Eigentlich haben Les Mercredis etwas, was ich sehr mag. Eine
bescheidene Destruktivität. Dieses eher leise und intime Element
entfaltet sich aber nur selten und wird meistens übertönt. Viele Songs
haben etwas zu viel und etwas zu wenig. Fast alle Tracks haben
Potential, welches nicht voll ausgeschöpft wird, dafür werden sie aber
mit allerlei wirkungslosen Kleinigkeiten bepackt.
„Lächeln Kostet Extra“ hinterlässt einen gespaltenen Eindruck.
Einerseits trifft man mehr als nur einmal eine starke halbe Minute an,
andererseits gibt es zu vieles, was nicht richtig passen will. Im
Gesamten hätte man sich gewünscht, dass Les Mercredis mit ihren guten
Ideen sorgfältiger umgehen. Starke Songs wie „Sekundenschlaf“ und
„Dachgeschichten“ begründen jedenfalls Hoffnung und Vorfreude auf
weitere Taten.
Seit 10. Januar 2006 im Handel.
Anspieltipps: Dachgeschichten; zweiter Hidden Track; Sekundenschlaf
Trackliste: 1) Mit Mir Unter; 2) Helden Vom Vortag; 3) Will
Nicht; 4) Das Letzte Deiner Art; 5) Gedankenfeindbild; 6)
Sekundenschlaf; 7) Morgen Danach; 8) Mindestens Haltbar; 9)
Dachgeschichten; 10) Besser Nicht; 11) Nichts Ist 12) Zeugenstand; 13)
Sowas Von Egal; 14) Die Idee + hidden Track + noch n hidden Track
similar artists: Virginia Jetzt,
Tocotronic,
Olli Schulz &
der Hund Marie, Tokio Hotel (keine Angst... war nur ein Scherz) und
irgendwie nur manchmal und nur ein bisschen wie
Wir Sind Helden oder
Echt
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Bio:
2002 gründen Thomas Wied (Gesang & Gitarre) und Marco
Petracca (Elektronik & Gesang) in Siegen/D die Formation „Les
Mercredis“. Erklärtes Ziel: Deutscher Elektropop mit Störungen. Im
Sommer selben Jahres treten sie zusammen mit Drummer Marco Bussi und
dem früheren Metal-Bassisten Sascha Disselbrede zum ersten Mal auf. Die
neuen Jungs machen den Sound der Mercredis ein bisschen rockiger und
echter. Auf den Höhenflug im nächsten Jahr mit Konzerten, der Chance
auf einen Plattenvertrag und Studioaufnahmen ihrer ersten Single
„Mindestens Haltbar“ folgen einige Rückschläge. Viele Termine werden
abgesagt, Probleme bei Studioaufnahmen und schliesslich persönliche
Krisen, die zum Abgang von Marc Bussi führen.
2004 könnte für Les Mercredis das Ende sein. Sie fassen aber neuen Mut,
greifen ihre Idee vom deutschen Elektropop mit Störungen neu auf und
erleben in der folgenden Zeit ihre bis anhin kreativste Phase, aus der
ihr Debüt „Lächeln Kostet Extra“ resultiert.
Diskographie:
> Lächeln Kostet Extra (2006)