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Lilium - Felt

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von Philippe Feer am Mittwoch, 19. Mai 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Singer/Songwriter  |  Label: Glitterhouse (Irascible)  |  Unsere Wertung: 7.5/10

FeltFür tot gehalten
Vor wenigen Tagen ist das ruppige Album „The Treshingfloor“ von Wovenhand erschienen. Am Bass wieder mit Pascal Humbert, dem stillen Kopf der jazzig düsteren Wüstenband Lilium.

Und diese Band namens Lilium glänzte mit grosser Stille. Nicht nur musikalisch, niemand erwartete sieben Jahre Pause. Kenner wissen aber, Pascal Humbert nimmt sein eigenes Projekt nur dann hervor, wenn es eine Herzensangelegenheit ist. Alles andere bleibt im Kopf.

Es hat sich demzufolge auch einiges getan. Der ehemalige (auch Wovenhand) Begleiter Jean-Yves Tola spielt nicht mehr mit (Tom Barman von dEUS fehlt), ersetzt wird er von Tindersticks-Drummer Thomas Belhom. Dafür treten mit Kal Cahoone (Tarantula-Mitglied und Schwester von Sera Cahoone) und dem umtriebigen Australier Hugo Race (and the True Spirit), der eben auch bei Dirtmusic aushalf, zwei nicht unbekannte Gäste auf, die das eigentlich instrumentale Projekt textlich und gesanglich begleiten. Sie sind es auch, die den Stempel aufsetzen.

Hugo Race gewohnt dunkle Stimme verbindet das effektvolle und bildgewaltige Wüstenjazz-Epos „Right Where You Are“, welches von musikalischen Eindrücken und Impressionen (u.a mit Pedal Steel und trauernder Trompete) beinahe überschwappt. Sie wechselt sich perfekt mit der von Kal Cahoone ab, welche dem perkussiven „Mama Bird“ gerade dabei hilft, vor lauter Wehmut zu überleben. Nach einem kurzen Bassintro ist es dann der instrumentale und äusserst kurzweilige Titelsong, der mit viel Gefühl und Melodie zu verzaubern vermag.

Nach je einem weiteren Song von Hugo Race („Her Man Has Run“ ist ein bisschen müde, aber nicht langatmig) und Kal Cahoone (verführisch: „Lily Pool“) folgt  „Amsterdam – Paris“, der experimentelle Höhepunkt auf „Felt“. Humbert bedient eine sogenannte Metal Traveling Machine und wird von einer Trompete mit Dämpfer ergänzt. Viellleicht stellen sich Lilium derart vertrackt die Welt ausserhalb des amerikanischen Südwestens vor. Wesentlich gelungener und nicht minder elektronisch ist meiner Meinung das loopbetonte und fahrige „One Bear With Me“, welches mit „Believer“ (Soundtrack zu „L'été indien“ ) einen vergleichsweise popigen und würdigen Abschluss findet.

Pascal Humbert vereint mit seinem Bassspiel geschickt die Facetten der Musik und lässt jeder Weiterentwicklung die nötige Zeit. Wer sie sich mit ihm nimmt, entdeckt eine wundervoll vergessene und spannende Langsamkeit, die man sich insgeheim immer wieder mal herbeisehnt.

Seit  21. Mai 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen
> MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:

> Right Where You Are
> Felt
> Lily Pool

Diskographie:

> Transmission of All the Good-Byes (2000)
> Short Stories (2003)
> Felt (2010)

Ähnliche Künstler:
> Wovenhand
> 16 Horsepower
> Hugo Race & the True Spirit
> Nick Cave & the Bad Seeds
> Willard Grant Conspiracy
> Jim White
> The Walkabouts
> Dirtmusic
> Grey Mole
> Calexico
> Tarantella
> Ben Weaver
> Lambchop
> Mark Lanegan
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