Gegen Bush und die Staaten zu meckern ist seit dem tragischen 11. September 2001 sowie den anschliessenden Einmärschen in Afghanistan und im Irak bekanntlich voll im Trend. Ich muss hier doch mal klarmachen, dass ich lieber mit zehn George W’s als mit einem Abu Mussab el-Sarkawi ein Bier trinken gehe. Ich versteh’ ja, dass gewisse US-amerikanische Gesetze nicht gerade zum Sinnvollsten zählen, was Menschen erfinden können. Im zarten Alter von 19 Jahren einen Panzer lenken, danach jedoch nicht mit einem kühlen Blonden auf die Fahrt anstossen zu dürfen, ist schlicht lächerlich und sollte eigentlich auch angeprangert werden. Die Gebrüder Berlin tun dies kräftig, genossen sie doch eine schrecklich antiautoritäre Erziehung und durften in Kindes- bzw. Jugendalter machen, was sie wollten (solange es mit den linksextremen Ansichten ihrer lieben Mutter harmonisierte). Nun spielen sie Rockmusik wie sie die Ramones oder die Stones in ihren Anfängen spielten und stopfen die Texte mit allem Anti-amerikanischen voll, das ihnen in den Sinn kommt; man tut halt noch immer, was man will. Gegen alles und jeden zu sein mag ja Spass machen; geht doch an eine Demonstration und färbt euch die Haare, zündet ein paar Fahrräder an, zerschlägt das Kapital, verschmiert Wände oder zeigt einfach nur den Stinkefinger, die Polizei wird euch wohl gesonnen begegnen und ausserdem seid ihr so politisch aktiv und erreicht etwas… Ich halte es grundsätzlich für stilvoller, den Nihilismus unpolitisch und nur in den eigenen Gedanken auszuleben statt ihn grosskotzig auf die ganze Zuhörerschaft zu rotzen und so der ohnehin schon überforderten Jugend den letzten Hoffnungsschimmer für die Zukunft auszutreiben. Doch zurück zur Band: Das Gespielte ist mittelklasse, irgendwie sind die teils doch ziemlich wilden, düster geschrienen Rocksongs schon mal da gewesen. Die Gitarren krachen laut, das Schlagzeug poltert und Lilian Berlin flucht. Wenn man den Inhalt übersieht, kann man sich doch ordentlich rocken lassen, während die wenigen ruhigeren Stücke (’New Year’) durch gelungen-gemütliche Melodien und solide Gitarrensoli ansatzweise zu überzeugen vermögen. Eine Bitte zum Schluss: Überlasst die Politik den aussterbenden Ska-Punks und spielt den Rock bitte um dessen selbst willen.
Seit 10. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: New Year,
Trackliste: 1) Bombs Below; 2) I Owe; 3) Bom Bom Bom; 4) New Year; 5) God Made Hate; 6) End Gospel; 7) No New Jesus; 8) March In Daylight; 9) Keep It Til You Fold; 10) Monsters Of Man; 11) On All Fours; 12) I Wish The Best For You
similar artists: Danko Jones, Turbonegro, Gluecifer, The Ramones, T-Rex
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Bio:
Die aus St. Louis, Missouri stammenden Gebrüder Berlin (Lillian (voc., git.), Eve (ba.) und Bosh (dr.)) bilden zusammen mit Cory Becker (git.) die Living Things. Die Burschen mit dem leicht deutschen Namen hatten aufgrund ihrer strengen, etwas gar links orientierten Mutter keine einfache Jugend. Etliche Umzüge wegen Ärger mit kleinbürgerlichen Nachbarn sowie zerstörte Plattensammlungen, weil Mama mit den Texten nicht ganz einverstanden war, wurden hingenommen. Im heimischen Keller durfte jedoch, solange die Mutter die feministischen Texte selbst schrieb, munter drauflosmusiziert werden, sodass die drei schon im Kindesalter zu spielen lernten. Heute haben sie die Ansichten der Mutter mehr oder weniger übernommen und spielen Rock’n’Roll wie er im Bilderbuch steht. Produziert wurde die neue Platte ausserdem von Steve Albini.