Lizz Wright – Dreaming Wide Awake (2005) (Verve Music Group/Universal Music) |
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| von Severin Bellwald am Dienstag, 30. August 2005 in Neuerscheinungen | |
![]() Lizz ain`t Jazz, (W)right? Es ist nicht ganz unerstaunlich, dass eine so junge Sängerin freiwillig vom Weg der hochgelobten Jazzsängerin, den viele ihr zugedacht haben, abweicht und ihrer inneren Stimme hin zu künstlerischer Eigenständigkeit folgt. Massgeblich an dieser Entwicklung beteiligt ist bestimmt die in „Hit The Ground“ festgehaltene Einsicht, dass Erwartungen von anderen Menschen an die eigene Person erst hinter dem persönlichen Wohl stehen sollten. Bei ihr bedeutete dies, dass sie sich der Musik nähern wollte, die sie selbst gerne hört. Ihrer Vorliebe nach für Artists wie Joni Mitchell, Jeff Buckley oder Damien Rice, begeistert Lizz sich hier besonders für Singer/Songwriter. Auch wenn sie für ihren Zweitling nur drei Songs selbst geschrieben hat, lassen diese keinen Zweifel an ihrem Talent als Songwriterin und ihrem feinen Gespür für federleichte Klänge. Die Instrumentierung ist sehr zurückhaltend, Gitarre, Bass, Drums und Keyboard ziehen wie ein seidener Schweif aus Folk und Blues hinter Lizz Wrights wunderschöner Stimme her, die das absolute Herzstück jedes Songs darstellt. Sanft aber kraftvoll, tief aus dem Innern, bezaubert sie mit der einfachen und doch unerreichten Schönheit eines Sonnenaufgangs und ihrem authentischen Soul. Aber auch den Songs aus fremder Feder nimmt sich Lizz Wright mit solcher Wärme und musikalischem Verstand an, als ob diese eigens für sie komponiert worden wären. Kaum jemand wird hinter „Stop“ Madonnas „Don`t Tell Me“ erkennen und auch Klassiker wie Neil Youngs „Old Man“ oder The Youngbloods` „Get Together“ fügen sich mit den anderen Neuinterpretationen zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Der Vorwurf, das Album würde keine Abwechslung bieten, sei langweiliger Leerlauf ohne Akzente, ist nicht vollkommen unbegründet oder falsch, denn tatsächlich gibt es keine Höhepunkte oder Überraschungen. Die ganze Scheibe ist ein Spaziergang, barfuss durch den warmen Sand und man kann mit entspanntem Lächeln entgegnen, dass hier auch gar nichts laufen soll und Langeweile für einmal in ihrem positivsten Sinne, als Wunsch nach möglichst langem Verweilen dieses Augenblicks verstanden werden darf. Denn wie eine klare Sternennacht wird man die Schönheit von „Dreaming Wide Awake“ erst richtig wahrnehmen, wenn man stehen bleibt und sich die Zeit dazu nimmt. Seit 20. Juni 2005 im Handel. Anspieltipps: When I Close My Eyes, Trouble, Chasing Strange similar artists: India.Arie, Rebecca Facey, Tracy Chapman, Terry Callier > Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Aus dem ländlichen Georgia stammend ist Lizz Wright eigentlich die typische Gospel- und Rhythm`n`Blues Sängerin, was auf ihrem Debüt „Salt“ auch voll zur Geltung kam. Von zwölf Songs hatte sie fünf selbst komponiert, die restlichen waren Neuinterpretationen älterer Stücke, die von Kritiker teilweise mit dem Attribut „besser als das Original“ versehen wurden. Für ihr zweites Album arbeitete sie mit dem Produzenten Craig Street (Cassandra Wilson, Meshell Ndegeocello) zusammen, der sie überzeugte, sich näher an die Musik ihrer ganz persönlichen Vorbilder heran zu wagen. Als Bewundrerin von Singer/Songwritern wie Jeff Buckley oder Sarah McLachlan entfernte Lizz sich somit ein wenig von Gospel und Jazz und schlug einen Weg hin zu erdigem Folk ein. Dass sie selbst nur drei Songs zum Album beisteuerte, begründet sich dadurch, dass sie diese an der Gitarre und somit einem neuen Instrument komponierte, während die fünf Songs von „Salt“ noch am Klavier entstanden. In Zukunft ist von Lizz Wright wahrscheinlich die Weiterentwicklung hin zur echten Singer/Songwriterin mit einer Symbiose von Jazz, Soul, Folk und Rock zu erwarten. Diskographie: > Salt (2003) > Dreaming Wide Awake (2005)
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