Genre: Minimal/Post-Noise | Label: Danza Cosmica (Labile) | Unsere Wertung: 7.5/10
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Eddie Argos meinte einst: ’Modern art makes me want to rock out’. Dieses Zitat umschreibt die Musik von M2 ziemlich exakt.
‘In case of contact with your ears symptoms of nausea, desire of dancing, perpetual swinging, convulsions, dizziness can occur.’ Fieberkrämpfe, Übelkeit und Schwindelanfälle – klingt nach äusserst vernünftiger Musik. Hört man sich das Werk mit dem glücklichen Namen "Globale Taube" an, bleiben einem vorerst die Worte im Hals stecken. Was zum Geier bzw. zur Taube soll das?
Minimalistische Beats, meist nur mittels Schlagzeug und Bass konstruiert, vorgetragen auf beinahe lähmend monotone Art und Weise, dazu ständig repetierende, nicht gesungene Textfragmente wie ’What kind of bird do you want? A Pigeon? Why not!’ oder in dämlich falschem, italienischem Akzent „Bitte keine Gegenstände aus dem Fenster werfen“ oder schlicht „Mind the Gap“. Et voilà, moderne Musik aus Italien. Bisher dachte ich, die schwedischen Bondage Fairies seien bezüglich Dadaismus und Planlosigkeit nur schwerlich zu übertreffen.
Die Herren m basso und m alto aus Florenz belehren mich eines besseren und liefern sechs Songs in den Sprachen Englisch, Deutsch, Holländisch, Italienisch und Französisch. Damit quälen sie jeden auch nur im Ansatz harmoniebedürftigen Zuhörer auf vorbildliche Weise. Und wie dies so oft der Fall ist bei Plattenkritikern auf der Suche nach dem musikalischen Kopfschuss: mir gefällt der Schrott. Wer Postrock mag, kann der Monotonie nichts Schlechtes ankreiden. Im Gegenteil, die ständig gleichartigen, queren, zerrissenen, unstimmigen Klangfetzen machen vereinzelt gar Spass. Wer das Schlagzeug-Bass-Duo Death From Above 1979 schätzte, hat eine Ahnung, was aus den beiden Instrumenten rauszuholen ist.
Trotzdem ist M2 weder mit Postrock (bzw. dem normativen Verständnis desjenigen), noch mit DFA1979 wirklich zu vergleichen, die Florentiner sind schlicht zu monoton, zu anstrengend, zu wahnsinnig, zu unterkühlt, zu fremd, zu pervers, zu lustig oder zu ungeniessbar. Absolut kein Krach, kaum Emotion, sehr wenig Rock, weder Melodien noch Harmonien, Spieldauer zwischen 5 und 8 Minuten, Strassenverkehrsgeräusche, vereinzelte, dreckig knarrende Gitarrenbrocken, plötzliche Rhythmuswechsel, mantrahaft vorgetragene Textfragmente, ständige Wiederholung derselben Basstöne, ’Schlaf Kindlein schlaf’ auf holländisch (natürlich mit italienischem Akzent) zum Schluss. Wie erwähnt: moderne Kunst; nicht wirklich ernst zu nehmen und trotzdem faszinierend.
Ein in seiner offensichtlichen Sinnlosigkeit bestechend gutes Werk, ein hoch erhobener Stinkefinger ins verkommene Gesicht der Massenkultur. Eine akustische Frechheit, welche im dreckigen, verrauchten Konzertlokal vor stockbesoffenem Publikum ähnlichen Erfolg haben kann wie im gleissenden Licht eines Museums vor hochnäsigen, besserwissenden Kunststudenten.
Seit 21. Mai 2009 im Handel.
> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > Vertrieb
Anspieltipps:
> eigentlich nur als Gesamtwerk konsumierbar, „Keine Gegenstände aus dem Fenster werfen“ spricht für sich
Diskographie:
> Global Pigeon (2010)
Ähnliche Künstler:
> Keine, in Bezug auf den vorgetragenen Dadaismus könnte man Haus Arafna oder die Bondage Fairies nennen, bezüglich Instrumentierung DFA1979, eine gewisse Stilistische Nähe zu Battles, Holy Fuck oder Sincabeza ist vorstellbar.