Madeleine Peyroux erkundet mit der bewährten Mannschaft neues Terrain
aus. Das geht gut. Nur statt dem einen oder anderen eigenen Song hätte
sie sich doch besser einen fremden anverwandelt.
Die kanadische Sängerin hat schon früh gezeigt, dass sie fremde Lieder zu ihren eigenen machen kann. Mit dem Timbre und dem Duktus einer Billie Holiday und versierten Mitstreitern hat sie bereits 1996 ein bemerkenswertes Debütalbum vorgelegt. Dann geriet sie unter die Räder, bis sie acht Jahre später mit dem Album „Careless Love“ neu auferstand, auf dem sie Jazz subtil mit Country-Einflüssen vermischte. Die von ihr gesungenen Lieder sind meist ruhig und trotzdem äusserst intensiv. Bald schon hat sie eigene Lieder eingebracht, und bei diesem Album hat sie die Mehrzahl der Lieder selbst geschrieben – mit unterschiedlichen Partnern, darunter der ehemalige Rolling-Stones-Bassist Bill Wyman.
Während der Titelsong „Standing on the Rooftop“ eines der stärksten Stücke das Albums ist, fallen die meisten anderen Eigenkompositionen deutlich ab. Es sind Fremdkompositionen wie das eigentlich banale Beatles-Stück „Martha My Dear“ oder Robert Johnsons „Love in Vain“, die berühren. Ersteres bringt sie so flockig wie das Original und verleiht ihm gleichzeitig einen Hauch Ernsthaftigkeit, letzteres für ihre Verhältnisse erstaunlich roh. Es ist eine sinnliche, wohl kalkulierte Grobheit, die nicht an ihrer Stimme liegt, sondern am Arrangement. Es ist eine Erweiterung ihres Ausdrucks, die auch das Titelstück kennzeichnet. Madeleine Peyroux ist überwiegend smooth und zurückhaltend, doch nur bei wenigen Stücken ist das so berückend wie beim fröhlichen „Don’t Pick a Fight With a Poet“. Die Mehrzahl ist – wenn auch erstklassig eingespielt – nicht so exquisit wie von ihr gewohnt. Das ändern auch erprobte Kollegen wie Marc Ribot, der wiederum charakteristische Gitarren beisteuert, der Pianist Allen Toussaint und Meshell N’Degeocello am Bass nicht.
Seit 14. Juni 2011 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> Standing on the Rooftop
> Martha My Dear
> Don’t Pick a Fight With a Poet
Diskographie:
> Dreamland (Atlantic) (1996)
> Got You on My Mind, mit William Galison (Waking Up) (2004)
> Careless Love (Rounder) (2004)
>
Half the Perfect World (Rounder) (2006)
> Bare Bones (Rounder) (2009)
> Standing on the Rooftop (Ema) (2011)
Ähnliche Künstler:
> Billie Holiday
> Bessie Smith
> Cassandra Wilson
> Stacey Kent