Hier ticken die Uhren anders: Der nächste zeitlos schöne Songreigen von Jason Molina und Co.
Wer Bonnies Geschichten satt hat, macht hier weiter: Jason Molinas düstere Poesie und knorrige Americana ist nämlich nicht minder interessant. Denn erstens schwebt eine fast nüchterne und auf jeden Fall nächtliche Melancholie über jedem der neun Songs; Atmosphäre wird hier gross geschrieben, ohne wirklich daran zu denken. Sie ist einfach da. Und zweitens trägt Molinas Stimme das Übliche dazu bei: Gewohnt ernste, schöne Lyrics, bewusste und deutliche Gesangslinien. Wunderbar ist gleich der Einstieg „Don’t Fade On Me“ mit seinem sanft einschlagenden Refrain, der klingt als würde man einen Stein an eine Wand pressen. Fast schon beschwingt erscheinen dann „Montgomery“ und das quirlig einsame „Lonesome Valley“. Weitere Highlights sind der Anti-Strassenfeger „The Old Horizon“, das exzellente „Memphis Moon“ sowie „Spanish Moon Fall And Rise”, welches zart und ehrlich dahinplätschert.
Das Mini-Album „Fading Trails“ wurde in vier Studios (Nashville Moon, Black Ram, Sun Studios & Shohola) aufgenommen und Magnolia Electric. Co durften einmal mehr auf die Unterstützung von Steve Albini zählen. Die einzige wesentliche Veränderung besteht in der Person von David Lowery, welcher neu zum Kollektiv gestossen ist, was bei dieser unfassbar organischen, reifen und klassischen Musik allerdings kaum auffällt. Magnolia Electric Co. leben weiterhin von der Kreativität ihres Leaders und der Klasse jedes einzelnen Mitglieds. Aber das reicht nicht, denn schon bald wirken die dezent perfekt gespielten Tracks unbeweglich und distanziert. Wahrscheinlich erscheinen die neun Songs aus verschiedenen Schaffensperioden aber nur deshalb so unnahbar, weil hier ein anderes Zeit- und Distanzgefühl übermittelt wird. Unserer Mentalität, durch Schnelllebigkeit und ständige Impulse geprägt, können diese Songs nicht gerecht werden. Oder wir ihnen nicht. Blenden wir diese Tatsache allerdings aus – was zweifelsfrei kaum möglich ist – würden wir zeitlose Americana-Perlen von atemberaubender Schönheit auch mehr zu schätzen wissen. Aber eben.
Seit 15. September 2006 im Handel.
Anspieltipps: Don’t Fade On Me; Memphis Moon; Talk To Me Devil, Again
Trackliste: 1) Don't Fade On Me; 2) Montgomery; 3) Lonesome Valley; 4) A Little At A Time; 5) The Old Horizon; 6) Memphis Moon; 7) Talk To Me Devil, Again; 8) Spanish Moon Fall And Rise; 9) Steady Now
similar artists: Jason Molina, Songs: Ohia, Neil Young, Red House Painters, Sun Kill Moon, Smog
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Bio:
Kopf der Band ist Jason Molina, welcher seine musikalische Karriere als Bassist diverser Heavy Metal-Bands begann. Er fand seine künstlerische Bestimmung jedoch früh im Schreiben und Singen eigener Texte. 1993 gründete er die Band Songs: Ohia. Er war der Songschreiber und Leader der Band und nahm für die Aufnahmen, die unter einfachsten Bedingungen in Lo-Fi-Qualität aufgenommen wurden, verschiedene Musiker hinzu. Das Debut-Album Songs: Ohia erschien 1997 beim US-amerikanischen Label Palace des Musikers Will Oldham.
Seit 2003 spielt und singt Molina in der Band Magnolia Electric Co., die 2004 ihr drittes Album „What Comes After The Blues“ vorstellte. Eine künstlerische Veränderung sieht Molina vor allem darin, dass er mit der neuen Band die Möglichkeit hatte, in einem richtigen Studio aufzuzeichnen und nicht, wie zuvor, in für professionelle Produktionen ungeeigneten Räumen. Schon zuvor hatte er jedoch mit dem Musiker und Produzenten Steve Albini zusammengearbeitet, in dessen Studio er in diesem Jahr aufnahm. 2004 erschien auch Molinas Solo-Album „Pyramid Electric Co.“ Nach der EP im letzten Jahr, folgt 2006 wieder ein – wenn auch nur kurzes – Album.