Jason Molina ist eigentlich immer auf Tour, trotzdem erscheinen pro Jahr 1-2 Platten von ihm oder seiner Band Magnolia Electric Co. Nun wird obendrein noch eine holzige Box, bestehend aus drei LPs, einer EP, einer DVD und weiterem Krimskrams, veröffentlicht.
„Sojourner“ deckt das bisherige Schaffen von Jason Molina so ziemlich genau ab, beinhaltet aber abgesehen von Songs, die bisher nur auf der Live-CD „Trials & Errors“ erschienen sind und ein paar Neuinterpretationen nur neues Material. War das letztjährige „Fading Trails“ eine durchschnittliche Momentaufnahme der hiesigen Projekte, gibt es hier mehr zu entdecken; auch für Nostalgiker.
„Nashville Moon“ könnte man als offiziellen Nachfolger zu „What Comes After The Blues“ von 2004 bezeichnen. Im getarnten Südstaatenrockflair träumen sie sich beim Titelsong ganz einfach und elegant durch die Prärie. Bei „Lonesome Valley“ handelt es sich um den üblichen ’rockigen’ Opener, bei „Don’t This Look Like The Dark“ um einen der besten Songs der neuen Band, wobei die Liveversion besser, das heisst roher und rauer, daherkommt.
„The Black Ram“ erinnert an die guten alten Songs: Ohia-Zeiten (zwischen „Didn’t It Rain“ und Ghost Tropic“) und ist zugleich das beste Stück auf dieser Box. Es tut gut zu wissen, dass Jason Molina immer noch wundervolle Ideen und den Hang zum verschlüsselt Düsteren beibehalten hat. Begleitet wird er nicht von seiner Band, sondern namhaften Gastmusikern wie David Lowery (u.a. Camper van Beethoven) und Andrew Bird. Seine Stimme ist wandelbarer, tiefer und im Hintergrund wettern Gitarren, die an seine Metalzeit erinnern. Die Mischung zwischen Melodien, Songwriting und Stimme ist perfekt.
„The Sun Session EP“ ist ein 15-minütiger Besuch in den berüchtigten Sun Studios bei Elvis. Mit „Hold On Magnolia“ wollen die vier Blumenkinder (hier wieder die ursprüngliche Band) in die Geschichte eingehen. Das traditionelle „Trouble in Mind“ besticht zum Beispiel durch fröhlichnaive Zeilen.
Auf „Shohola“ ist Jason Molina allein. Gitarre, Stimme und Produktion zeigen den hochsensiblen Musiker mit unglaublich ausgefeilten Stücken. „Spanish Moon Fall & Rise“ beweist nicht nur ein weiteres Mal die Liebe zum Gestirn in der Nacht, sondern verarbeitet auch die Reisen um den ganzen Globus. „Sholola“ gefällt mir persönlich sogar besser als die letzen beiden Soloveröffentlichungen (zwar nur auf Vinyl) „Let me go, let me go, let me go“ und „Pyramid Electric Co.“.
Die DVD „The Road Becomes What You Leave“ begleitet Magnolia Electric Co. durch den Süden der USA. Im Hintergrund hört man die passenden Songs aus den ersten beiden Alben, im Vordergrund sieht man die Band beim Pröbeln vor dem Auftritt, in kleinen Lokalen zu Gast, und dann wieder isoliert und alleine auf weiten Fluren. Karaoke unter den Bandmitgliedern, ein Tontaubenschiessen vor dem Videospielautomaten und ein Einkauf in einem kleinen Shop sind komisch, irritierend und eben auch sehr normal.
Zu jedem Album gibt es zudem eine Postkarte, die Jason Molina selbst gemalt hat (schrecklich morbid!), eine Sternenkarte und ein schweres Amulett mit dem „Sojourner-Symbol“. Doch am meisten Platz nimmt die unglaublich Stimme von Jason Molina ein. Ich bin ihr erneut verfallen.
Seit 7. September 2007 im Handel.
Anspieltipps: Nashville Moon, Don’t This Look Like The Dark; The Black Ram, Blackbird; Trouble In Mind; Spanish Moon Fall & Rise, The Spell
Trackliste:
“Nashville Moon“: 1) Lonesome Valley; 2) Montgomery; 3) Don’t Fade On Me; 4) Hammer Down; 5) No Moon On The Water; 6) Nashville Moon; 7) What Comes After The Blues 8) Don’t This Look Like The Dark; 9) North Star; 10) Bowery; 11) Texas 71; 12) Down The Wrong Road Both Ways
„The Black Ram“: 1) In The Human World; 2) The Black Ram; 3) What’s Broken Becomes Better; 4) Will-O-The-Wisp; 5) Kanawha; 6) A Little At A Time; 7) Blackbird 8) And The Moon Hits The Water; 9) The Old Horizon
“The Sun Session EP”: 1) Talk to Me Devil, Again; 2) Memphis Moon; 3) Hold On Magnolia; 4) Trouble In Mind
„Shohola“: 1) Steady Now; 2) Spanish Moon Fall & Rise; 3) Night Country; 4) Shiloh Temple Bell; 5) The Spell; 6) Take One Thing Along; 7) The Lamb’s Song 8) Roll The Wheel
The Road Becomes What You Leave DVD
similar artists: Songs: Ohia, Jason Molina, Neil Young, Smog, Red House Painters, Sun Kil Moon
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Bio:
2003 fand der fliegende Wechsel von Songs: Ohia zu Magnolia Electric Co. statt. Hatte Jason Molina zuvor meist alleine oder unter Begleitung weniger Musiker (z.B Arab Strap, Edith Frost, Alasdair Roberts) seine Alben eingespielt, ist Magnolia Electric Co. nun mit mehr oder weniger festen Bandmitgliedern unterwegs. Jason Molina wird im November solo auch bei uns (Genf, Zürich, St. Gallen) auf Besuch kommen.