Genre: Singer/Songwriter | Label: Full Time Hobby (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 7.5/10
Beschattet
Seit der Auflösung von Arab Strap kommt der eine Teil des Duos immer mehr in Spiellaune und präsentiert das bereits dritte Soloalbum seit der Auflösung von 2006.
Ich habe nun weiss Gott sehr gute Augen! Aber wer kennt das nicht: Immer wieder ertappen wir uns des Nachts beim Smalltalk, diskutieren und zweifeln, ob wir jetzt schon Vollmond haben oder nicht. Ich erkenne aber leider nicht, ob da jetzt noch eine Ecke fehlt, sehe auch keine Sternschnuppen und versuche die Nacht – ohne auf irgendeinen Plan zu schauen - so zu geniessen, wie sie ist.
Malcolm Middleton nennt diese Tage beim Namen. „Waxing Gibbous“ - so heisst der Mond auf englisch kurz bevor er voll ist - trägt ein schwer zu deutendes Gesicht. Der rasant akustische Einstieg „Red Travellin' Socks“ mit den harten Gitarren, welches beim Refrain mit Backgroundvocals und darauf popig eigenartigen Einsprengseln und Wechseln glänzt, wirft uns schon mitten auf den traurig-humorvollen Planeten des umnachteten Schotten.
Genauso aufregend und trotzdem einprägsam präsentiert sich das folgende „Kiss at the Station“. „Rain is coming down and I don't know what to do...“ heisst es im Sing-along Refrain. Erneut funktioniert der Wechsel von akustisch nackten Passagen, die von Middletons geiziger Stimme geprägt werden und den brachialen Gitarrenparts, bei denen auch ein Landsmann von
Mogwai ausgeholfen hat.
Die langen und vielseitigen Songs ähneln auch immer mehr denen von Kenny Anderson, alias King Creosote, dem Gründer des Fence Collectiv und dem gleichnamigen Label. Man hört seine helle Stimme auf dem besten Stück der Platte, dem anfangs von einem amüsanten Beat begleitenden „I Don't Want to Sleep Tonight“. "Everything I do is redundant/ Everything I sing is a lie“. Als Hymne steht sie im Gegensatz zum heruntergekommenen Sprechgesang von “Carry Me“ oder „Stop Being Good“.
„Zero“ sticht mit seinem Folklore-Einstieg und dem Übergang in Electropop und Hip-Hop heraus. Wild wechselt er die Stile, so dass dieser Song als Anspieltipp durchgeht, aber schliesslich doch zu verspielt und auf Dauer schwer verdaulich wirkt. Das krasse Gegenteil ist der mit einem Pianointro beginnende Abschluss „Made Up Your Mind“. Der schottische Akzent, die Kargheit und die ausgesprochenen Zweifel prägen und dominieren ein weiteres Mal die Musik vom ehemaligen Weggefährten von Aidan Moffat.
In seinen Texten blickt Middleton zurück, klärt aber nie wirklich auf. Immer gibt es da die dunkle Stelle auf dem erleuchteten Mond, dem das Pokerface nicht wegzukriegen ist. Der Presse teilte Middleton mit, dass „Waxing Gibbous“ für eine Weile die letzte Platte gewesen sei. In die Zukunft kann ich zwar nicht blicken, aber bei einer Aussage wie dieser von einem wie Herrn Middleton, bin ich mir doch alles andere als sicher!
Seit 29. Mai 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Red Travellin' Socks
> Zero
> Stop Being Good
> Don't Want to Sleep Tonight
> Made Up Your Mind
Diskographie:
> 5:14 Fluoxytine Seagull Alcohol John Nicotine (2002)
> Into the Woods (2005)
> A Brighter Beat (2007)
> Sleight of Heart (2008)
> Waxing Gibbous (2009)
Ähnliche Künstler:
> Arab Strap
> Tindersticks
> Lambchop
> The Delgados
> James Yorkston
> King Creosote
> Smog
> Aidan Moffat
> At Swim Two Birds