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Mando Diao - Hurricane Bar (2005) (EMI/EMI Music)

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von Ivana Leiseder am Dienstag, 1. Februar 2005 in Neuerscheinungen   
Land der Yeahs und Uhs

Mando Diao - Hurricane Bar (2005) (EMI/EMI Music)Die nun auf ein Quartett geschrumpften Schweden-Rocker Mando Diao haben soeben ihr zweites Album veröffentlicht und präsentieren poppige Rock'n'Roll-Stücke, die - gleichermassen wie ihr Debütalbum "Bring 'Em In" - selbst den tanzscheusten Sepp vom Hocker hauen. YEAH YEAH!

So so, da ist es also, das sehnlichst erwartete zweite Album von Sweden's finest Mando Diao, bestehend aus Gustaf Noren (Vocals, Gitarre, Perkussion, Orgel), Björn Dixgard (Vocals, Gitarre), Carl-Johan Fogelklou (Backing Vocals, Bass, Orgel) und Samuel Giers (Backing vocals, Drums, Perkussion). Während die vier Schönlinge die Songs auf ihrem Debütalbum noch in ihren Teenagerjahren eigenhändig in einem verruchten Keller mit alten Instrumenten und ausgeliehenen Vintage-Geräten aufgenommen hatten, zogen sie es diesmal vor, sich nach London ins Tonstudio von Richard Rainey (U2) zu begeben. "It would have been so geeky if we'd tried to do Bring 'Em In one more time. We've got more money now, we're older and more professional." Wo sie Recht haben, haben sie Recht und der Gang nach London entpuppt sich als genialer Schachzug, denn die Songs auf "Hurricane Bar" sind allesamt satter, konzentrierter, aber auch eingängiger geworden. Und viel poppiger, radiotauglicher. Während auf "Bring 'Em In" dreckig-punkige Songs dominiert, die Stücke sich noch deutlich voneinander unterschieden und Hitsingles sich hervorgetan haben, ist die Musik auf "Hurricane Bar" kompakter, einheitlicher und ein wenig ruhiger geworden und nicht mehr so direkt rotzig wie vorher. Das Rezept von Garagenrock gemischt mit Sixties-Einflüssen, einer Prise Blues und Britpop haben sie aber beibehalten, die Menge des Letzteren einfach erhöht.
Obwohl sich auch sehr sanfte, fast schon schnulzige Popsongs wie z.B. "Ringing Bells" auf dem Album befinden, sind die meisten Songs auf "Hurricane Bar" weder in Geschwindigkeit, Text und Arrangements wirklich voneinander zu unterscheiden - was aber nicht weiter schlimm ist, denn sämtliche Tracks besitzen Hitpotential und rocken jede Hütte - wie z.B. das abgefahrene "God Knows", "Clean Town" oder "Down In The Past", auf denen die kratzigen Stimmen von Noren und Dixgard und die schrammelnden Gitarren besonders gut zur Geltung kommen. Die Orgel haben sie auch nicht gänzlich beiseite gelegt und der Blues ist in Stücken wie "This Dream Is Over" glücklicherweise immer noch vorhanden - wenn auch reduzierter.
In den zuweilen humorvollen und selbstironischen Texten sind Themen wie unglückliche Liebe, Selbstverliebtheit, Heimat und Welteroberung zu finden, aber der grösste Teil der Lyrics macht irgendwie herzlich wenig Sinn. Wie dem auch sei, "Hurricane Bar" ist kein Album, bei dem die Texte auch nur ansatzweise den Anspruch erheben, intellektuell sein zu müssen, befriedigt es doch ganz andere Bedürfnisse. Somit sei den übercoolen Bandmitgliedern das lyrische Schlamassel vergeben.
"Hurricane Bar" ist ein Stück Musik, das spassig anzuhören ist und jede noch so schlechte Laune garantiert heben kann. Aber das ist es auch schon. Ein wenig schade, dass sich die Protagonisten immer noch für unsterblich halten, was das Hörvergnügen ein bisschen trübt. Aber nur ein kleines bisschen und höchstens für wenige Sekunden.
Zum Schluss erinnern wir uns an folgende Aussage von Noren betreffend "Bring 'Em In": "We honestly believe our record is better than anything by the Who. Or the Kinks, or the Small Faces, for that matter. It is even more than many of the Stones' or Beatles' records." "Hurricane Bar" ist sicherlich ein weiterer Schritt nach vorne, aber an ihrem Zenit angelangt können Mando Diao noch lange nicht sein. Die besten Voraussetzungen für eine "Eroberung der Welt", wie sie es gerne nennen, sind gegeben, aber wir werden erst in einigen Dekaden sehen, wo sich die Jungs am Musikhimmel angesiedelt haben. Bis dahin schreien wir uns mit ihnen die Seele aus dem Leib.


Seit 24. Januar 2005 im Handel.

Anspieltipps: God Knows, Clean Town, Down In The Past
similar artists: The Strokes, The Killers, The Libertines

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Die Wurzeln von Mando Diao reichen zurück ins Jahr 1995, als Björn bereits Mitglied von Butler, der ersten Verkörperung von Mando Diao, war. Leute schlossen sich der Band an und verliessen sie wieder, bis nach vier Jahren das heutige Lineup mehr oder weniger feststand. Mando Diao verschrieben sich in jenem Moment im Alter von 16 Jahren der Musik und schlossen sich für sechs Monate in einem Sommerhaus ein, um Songs zu schreiben. Dieser Phase folgte endloses Touren durch die Clubs von Borlänge, dem Heimatort der Bandmitglieder, bis ein Musikjournalist die Band entdeckte und ihnen dazu verhalf, dass auch Stockholm auf sie aufmerksam wurde. Ein Demo gelangte an Tommy Gärdh, einem wichtigen schwedischen TV-Moderator, der die Band ins Fernsehen brachte und kurz danach zu ihrem Manager wurde. Mit seiner Hilfe erlangten Mando Diao einen Deal mit EMI und 2002 wurde ihr Debütalbum "Bring 'Em In" veröffentlicht. Inzwischen sind Mando Diao schon um die ganze Welt getourt und soeben erschien ihr zweites Album, "Hurricane Bar", das bereits jetzt grossen kommerziellen Erfolg geniesst.

Mando Diao - Hurricane Bar (2005) (EMI/EMI Music)
Diskographie:
⇒ Bring 'Em In (2002)
⇒ Hurricane Bar (2005)







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