Marissa Nadler erzählt zum dritten Mal von Songs of Love
and Hate, vergangener Schönheit und kommender Tristesse. Ihre Stimme
und ihr Hintergrund ergeben eine fesselnde Ode an Leonard Cohen.
Die besten Zeiten hat der alte Mann, der nie wirklich singen konnte, hinter sich. Oft unterlegte er seine eigene Stimme mit wunderbar sinnlichem Frauengesang. Marissa Nadler macht sich als vergessenes Mitglied, wie auch als Verehrerin gut. Als wäre das Vögelein ausgeflogen, der Käfig offen gelassen geblieben, pfeift sie seine Geschichten über schöne und fatale Frauen von den Dächern und macht, nur mit Gitarre im Schnabel, seine Welt zur eigenen. Ihre Stimme ist dabei in den ersten Songs für Vertreterinnen dieses Genres ungewöhnlich wandelbar. Mit Harfe erinnert sie an Joanna Newsom, manchmal sogar an Antony & Johnsons - nicht verwunderlich ist es deshalb, den Namen Otto Hauser unter Percussions zu lesen, ist er doch ein umtriebiges Mitglied von Hippiebands wie Devendra Banhart und Espers. Wie schwebende Federn, die den Boden nie berühren (können) und die Realität nie fassen (wollen), säuselt Marissa Nadler, deren Alter nicht zu erahnen ist, aus dem tiefen, kalten und einsamen Massachussets zeitlos daher. Die Liebe wirkt furchtbar tragisch und traurig, Erinnerungen bleiben gegenwärtig, und doch erkennt man sowohl ein heimeliges Gefühl, wie auch ein Mitschunkeln. Man möchte den Spatz erhaschen, die Worte aufnehmen und entdeckt in der spannenden Instrumentierung den Schwung, der bei anderen gefühlvollen Interpretinnen oft fehlt. Jedoch vergisst man die Worte und Geräusche leider so schnell, wie sie gekommen sind. Bird On The Water bleibt ein Album für dich alleine, in dem du die elektrische Gitarre in „Rachel“ heraushören und auch erwarten darfst. Schliesslich endet die Reise, die von oben herab tief in böse und gute Herzen blicken lässt, mit einem letzten Gurren; ein Hinweis, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Oder noch besser: Dass vielleicht auch mit Leonard Cohen selbst zu rechnen ist. Ob sich das lohnt? Das ist eine andere Geschichte.
Seit 23. März 2007 im Handel
Anspieltipps: Diamond Heart, Dying Breed, Mexican Summer, Bird On Your Grave, Rachel
Trackliste: 1) Diamond Heart; 2) Dying Breed; 3) Mexican Summer; 4) Thinking Of You; 5) Silvia; 6) Bird On Your Grave; 7) Rachel; 8) Feathers; 9) Famous Blue Raincoat; 10) My Love & I; 11) Leather Made Shoes
similar artists: Joanna Newsom, Hope Sandoval, Bert Jansch
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Bio:
Mit 14 Jahren beginnt Marissa Nadler, die Musik zu entdecken, nachdem sie ihre Gefühle lange Zeit mit Malerei auszudrücken versuchte. Als sie einzelne Songs auf Zusammenstellungen veröffentlicht und schon bald ihren atmosphärischen und eigenen Stil gefunden hat, entscheidet sie sich, ihre Kunstkarriere abzubrechen und vollständig auf die Karte Musik zu setzen. 2004 veröffentlich sie erste EP, eine uralte Weise über Natur und Menschen aus der Landschaft, der sie entstammt. Ein Jahr später erscheint bereits eine weitere LP, die von Pitchfork ausgiebig gelobt wird. Im April wird Marissa Nadler auch in unseren Landen zugegen sein, in der Roten Fabrik in Zürich.
1Kommentar
am Sonntag, 8. März 2009 17:42
Per Zufall hörte ich ein Lied, als ich unterwegs war. Im Autoradio...
Es war kein Ohrwurm aber berührte mich auf sanfte Art und Weise, strich durch meine Gefühlswelt und hinterliess dort ein wohliges Gefühl.
Es war als ob jemand mi t zauberhafter Stimme von Dingen sang, die ich tief in meinem Unterbewussten kenne, als ob jemand eine Geschichte mit mir teilte, mir Trost spendete, und sich, in der Gewissheit dass auch Trauer und Melancholie Reichtümer sind, mit mir freute, einfach wunderbar.
Das Beste seit Loreena McKennitt
Das Lied heisst: The hole is wide