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Martin Grech - Unholy (2005) (Island/Universal Music)

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von Ivana Leiseder am Sonntag, 3. Juli 2005 in Neuerscheinungen   
Martin Grech - Unholy (2005) (Island/Universal Music)

H.R. Gigers Kunst in majestätischem Klang und Sang

Martin Grech - Unholy (2005) (Island/Universal Music) Der britische Wunderknabe Martin Grech beschreitet auf seinem zweiten Album einen sakralen Pfad durch profane Perversionen hin zu künstlerischer Katharsis.


„Then comes alchemy/ Then comes loyal/ Then comes sensual/ Then comes holy/ Then comes debauchery/ Then comes fortune/ Then comes godly“, raunt Martin Grech kumulierend mit gebrochener Stimme, die in einen unterdrückten Schrei ausartet: „Then comes guiltlessssss“. Dies die Zeilen aus dem Opener „Guiltless“, in dem Martin Grechs variable Stimmgewalt von schleppenden Elektrobeats, minimalistischem Piano, verzerrten E-Gitarren und düsteren Soundeffekten untermalt wird. Wird man im einen Moment noch sachte und ruhig durch die Klanglandschaften geführt, folgen sogleich katatonische Ausbrüche, die auditive Dämonen zu entsenden scheinen. Industrial und balladeske sowie elektronische Ambitionen befinden sich im Einklang und Grössen wie Nine Inch Nails oder Radiohead erblicken einen im morasten Abgrund.
Im zweiten Stück („Venus“) hält die Ruhe Einzug und Martin Grech greift zur akustischen Gitarre, die stets dieselbe Klangfolge wiederholt und sich also im Hintergrund hält, um dem stimmlichen Können ganzen Ausdruck zu verleihen. Celli komplettieren alsbald den poetisch-apokalyptischen, einnehmenden Lobgesang („Who will fill a cup with the river/ that gently flows between the souls“), zu dem sich gegen Ende gar noch gregorianische Chöre gesellen. Die liturgischen Gesänge finden auch auf dem sphärischen „Erosion & Regeneration“, das mit orchestralen Orgeln Martin Grechs flüsternde, sprechgesangliche Läuterung („I became a whole being/ One of such pure serenity/ Ladled in this and guilt/ Endless guiltless/ Ladled in this guilt“) beipflichtet, in „Lint“ oder im wunderbar pathetischen „Elixir“ Fortsetzung. In „I Am Chromosome“ erlangen Chaos und Untergang ihre Perfektion („I’m The Bridge That Is Breaking Underfoot/ Leave The Body To Spoil. Let It Rot/ Take The Knife To The Limb“) und der Industrial wird zum König auserkoren, ja lässt Martin Grech mit geisselnder Stimme - zuweilen in kreischendem Falsetto - gegen Gitarrenwände und stockendem Piano ankämpfen. Hier blickt neben NIN sowohl stimmlich als auch musikalisch eine komplexe Version von Muse hin und wieder gen Sodom & Gomorrha.
Auch die anderen auf dem neuen Album befindlichen, vornehmlich langen Stücke folgen ähnlicher Konstruktion wie oben beschrieben und überraschen die Hörer mit unvergleichlicher Variabilität und Intensität. So verbindet sich Industrial gleichermassen mit Elektro, Alternative, Ambient, Klassizismus und Liturgie – wobei die Eucharistie nie bitter oder salzig schmeckt.
Martin Grech wendet sich auf „Unholy“ im Gegensatz zum Debütalbum vermehrt der kirchlichen und soundtrackartigen Musik zu, vernachlässigt aber seine gewohnten Qualitäten in keiner Weise und legt sein beinahe schon absurdes Talent ohne Kompromisse dar. Wie nie zuvor klingt der junge Engländer auf seinem zweiten Album verstört und sich am Rande des Wahnsinns befindend, wie nie zuvor verliert sich der Hörer unweigerlich in eine bereits gestorbene Welt, die mit der H.R. Gigers identisch ist – und findet möglicherweise nicht mehr hinaus.
„Unholy“ ist ein Album über Vernichtung, Vergebung, Erlösung, Tod, Leben, Schmerz und verbindet wie kein anderes Himmel und Hölle in oxymoronischem Einverständnis. Verstörend, gutmütig, beschädigt, krankhaft, profan und sakral zugleich. Ein paradoxales Meisterwerk eines 22-Jährigen, das seinesgleichen sucht. G R O S S A R T I G.


In Grossbritannien seit 13. Juni 2005 im Handel. In der Schweiz voraussichtlich ab August 2005 erhältlich.

Anspieltipps: ganzes Album
similar artists: Nine Inch Nails, Radiohead, Muse

> Hören und Kaufen
> Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Martin Grech wurde 1982 geboren und wuchs im kleinen Aylesbury ausserhalb Londons auf. Als Junge hatte er sich für Musik nur mässig interessiert, bis er mit 12 Jahren "The Bends" von Radiohead kaufte. Eine Gitarre und ein Akkordbuch mussten her und Martin verschanzte sich immer öfters in seinem Zimmer, um Songs zu schreiben. Die Wende kam, als er mit 16 Jahren dem Produzenten Andy Ross vorgestellt wurde und fortan, obwohl er immer noch in der Schule war, nach London reiste, um in dessen Studio Demos aufzunehmen. Nach drei Jahren konzentrierter Zusammenarbeit wurde sein Debütalbum "Open Heart Zoo" veröffentlicht, das unter Kritikern auf grosses Interesse stiess, kommerziellem Erfolg aber fern blieb. Das sehnlichst erwartete zweite Album wurde in Grossbritannien unlängst veröffentlicht und soll nun auch in Bälde in der Schweiz folgen.

Martin Grech - Unholy (2005) (Island/Universal Music)
Diskographie:
> Open Heart Zoo (2002)
> Unholy (2005)




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