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Martina Topley Bird - The Blue God

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von Rudolf J. Merkle am Dienstag, 10. Juni 2008 in Neuerscheinungen   
Genre: Trip-Hop-Pop
Label: Independiente
CH-Vertrieb: Musikvertrieb
Unsere Wertung:Martina Topley Bird - The Blue God


Smooth.
 The Blue GodMartina Topley Bird hat sich für das anzuzeigende Album Zeit gelassen – keine schlecht investierte Zeit, wie sich beim vertieften Hinhören zeigt. Aber sie macht es einem nicht leicht.

Geschätztes Auditorium,

locker, lässig, nachgerade aufreizend sanft plätschern die Tracks auf Topley Birds zweitem Release zunächst dahin. Unseres Erachtens manifestiert sich mit ,The Blue God’ neuerlich, was bereits seit einigen Jahren unschwer zu beobachten ist: Trip-Hop ist seines dunklen und rauen Charakters, seiner entgrenzenden Leidenschaft weitgehend verlustig gegangen. Zwar hätten Massive Attack mit den Einbezug der Gitarre den Weg zu rockigeren Universen geebnet, allein: Der Ruf der unbestrittenen Pioniere des Genres verhallte im wahrsten Sinn ungehört. Dies darf man bedauernd erwähnen, aber es sollte nicht von den Qualitäten der unverdrossen weiter triphoppelnden Künstler ablenken.
Die ehemalige Muse und Partnerin Trickys (gilt ihm der Text von ‚Poison’? Es wäre wenig überraschend …) besticht in der Hauptsache mit ihrer schwierig zu fassenden, daher umso faszinierenden stimmlichen Empathie für die begleitende Instrumentierung, wofür die nur vordergründig ziellosen vokalen Passagen in ‚Da Da Da Da’, deutlich an Inga Humpe erinnernd, gleichermassen beredtes Zeugnis sind wie das feinsinnige ‚Ausklangsduo’ mit der vom Produzenten Danger Mouse grossartig komponierten Instrumentierung in ‚Yesterday’.
Ja, wir missen sie schon, die Düsternis Tricky’scher Prägung. Allerdings vermeinen wir zu erkennen, dass ‚Something To Say’, für uns der Höhepunkt, zumindest akustische Spuren der Verzweiflung früherer Songs aufweisen. Inhaltlich Ähnliches verspricht das Intro von ‚April Grove’, aber die Handbremse wird nicht gelöst. Mehr Drive auf Kosten allzu legerer Muse (‚Baby Blue‚) wäre – auch und nicht allein hier – niemandes Schade gewesen.
Als geradezu phänomenal zu erachten ist, wie sich der ausdrucksstarke Gesang der 33-Jährigen unter der umsichtigen Regie von Danger Mouse entfaltet: Wo Tricky weiland mit Tempi und dominantem Beat (vgl. etwa das überragende ‚Need One’ auf ‚Quixotic’) ein Korsett zusammenzurrte (vielleicht von fern nachklingend in ‚Razor Tongue’), strukturiert der amerikanische Bastler mit viel Gespür fürs Detail einen Klangraum, den Topley Bird ungemein differenziert auszufüllen weiss (‚Phoenix’). Mitunter streifen hierbei (nicht immer) minimale Melodien elektronischer und ‚natürlicher’ Provenienz mit kitschigen Anreicherungen die Schmerzgrenze des guten Geschmackes – oder verletzen sie (‚Valenine’).
Wie das dunkle Timbre der Britin musikalisch behände verpackt wird, beweisen die sich unmittelbar folgenden Tracks ‚Snoweman’ und ‚Poison’. Als (zweite) Single-Auskopplung ist zweitgenanntes Stück durchaus geeignet, denn die Melodie hat Ohrwurmqualität, ohne seicht zu sein, rhythmischer Varianten gewahr, delektiert sich der Hörer an der grundsätzlichen Verspieltheit des Songs. Letztlich nicht nur an dieser Stelle hält er jedoch inne und fragt sich bei aller Begeisterung mit Bedacht: Was bleibt von den zwölf Titeln? Fraglos: Martina Topley Bird darf als Könnerin ihres Fachs gelten, und Danger Mouse hat sicherlich nicht ohne Grund mit Gnarls Barkley die Gipfel der internationalen Hitparaden erklommen. Gerade aufgrund dieser Lobeshymnen könnte der Erst-Lauscher von ‚The Blue God’ enttäuscht sein. Hat er das Schlussbouquet von ‚Yesterday’ mehrmals rezipiert, stehen die Chancen gut, die Qualität der Scheibe, die auf ihrer Subtilität gründet, gebührend zu würdigen. Offen gestanden: Dem hiesigen Rezensenten ist dies (noch) nicht gänzlich gelungen, nichtsdestotrotz: Martina Topley Bird has ‚Something To Say’: Hören wir sie an.


Unsere Ansicht: Man höre und beurteile all dieses selbst. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.


Seit 30. Mai  2008 im Handel.

Anspieltipps: Something To Say, Poison, Baby Blue
Trackliste: 1) Phoenix; 2) Carnies; 3) Something To Say; 4) Shangri La; 5) Baby Blue; 6) Valentine; 7) April Grove; 8) Snowman; 9) Poison; 10) Razor Tongue; 11) Da Da Da Da; 12) Yesterday
similar artists: Skye, Portishead (Album ‚Third’), Morcheeba, P. J. Harvey (Fragilität)

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:

Die 1975 geborene Engländerin Martina Topley Bird wurde von der Trip-Hop-Ikone Tricky entdeckt. 1995 sang sie auf dessen düsterem Début ‚Maxinquaye’, einem Meilenstein des Trip-Hop, einen bedeutenden Part. Weiteren Alben Trickys (‚Pre-Millennium Tension’, ‚Angels With Dirty Faces’ and ‚Nearly God’), mit dem sie eine Zeitlang zusammenlebte und eine Tochter hat, drückte das Gesangstalent seinen Stempel auf. Ebendasselbe Enfant terrible des Bristoler Wild Bunch produzierte überdies das 2003 erschienene Solo ‚Quixotic’, dem zu Recht beträchtlicher Erfolg und Kritikerlob beschieden war. Danach arbeitete sie in Damon Alberns Projekt ‚Gorillaz’ sowie mit weiteren Grössen (David Holmes, The John Spencer Blues Explosion, Primus usw.).

Martina Topley Bird
Diskographie:
> Quixotic (2003)
> Anything (2004)
> The Blue God (2008)



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