News und Infos
Newsletter
NewsletterAbonniere unseren kostenlosen Newsletter und bleibe so immer auf dem Laufenden.






RSS-Feed
Der RSS-Feed von ::exit.music::
Abonniere unseren RSS-Feed!
Login / Registrierung

Partner

Advertisement
Playlist: Eno
Eno









Christian Mikolasek

- Gregor Samsa: 55:12
- Brian Straw: Song Veins
- Envy: Insomniac Dose
- Propaghandi: How to Clean Everything
- I not dance: So You Think You Can Stop Me...

Ivo Münger

- Botch: We Are the Romans
- Engine down: To Bury Within The Sound
- Radiohead: From the Basement
- Mogwai: Hardcore Will Never Die, But You Will
- Mineral: The Power of Failing

[Playlist Archiv]
Zukunftsmusik
12.5.
The Cribs – The Belly of the Brazen Bull
Richard Hawley – Standing at the Sky’s Edge
Here We Go Magic – A Different Ship
Fela Kuti – Live in Detroit

19.5.
Simian Mobile Disco – Unpatterns
Beach House – Bloom
Best Coast – The Only Place
Guided by Voices – Class Clown Spots a Ufo alles lesen
exitmusic.ch on Facebook

Marygold - I Have to Stay to See How the Story Ends

Drucken E-Mail
von Philipp Gautschi am Montag, 7. Juni 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Indietronic  |  Label: OtherMusic  |  Unsere Wertung: 8.0/10

Grosses Theater
Marygold gehen neue Wege; gute Musik zu machen ist den Herren Burrell und Zosso anscheinend nicht genug. „I Have to Stay to See How the Story Ends” ist der Soundtrack zu einem eigens komponierten Tanztheater. Hier ein kurzer Bericht zum Album sowie zur dazugehörigen Aufführung.
 
Ursprünglich verfasste ich einen Text zum hier vorgestellten Projekt von Marygold für das ETH-Magazin Polykum. Dieser soll hier als Einleitung dienen:

„Thema dieser Ausgabe ist ’Party’. Ich nehme aus Prinzip nicht an solchen teil; Mainstream ist kein Musikgeschmack; HipHop, R’n’B, Schlager und Tanzflächenelektro sowie Leute, die versuchen, sich dem Beat entsprechend zu bewegen sind Garanten für schlechte Laune meinerseits. Da können auch Unmengen Gebrautes nicht helfen. Mein Tipp an dieser Stelle: die Luzerner Band Marygold und Ihr neues Projekt bzw. Album „I Have to Stay to See How the Story Ends“. Keine Spur von Partymusik, sondern moderne, tiefsinnige und höchst erfreuliche Kunst. Mit geschlossenen Augen, regungslos sitzend, mittels Kopfhören genossen, nicht zu laut, funktioniert diese am besten. Dass Marygold mit ihrer eigenwilligen Mischung aus alternativem Rock, kreativer Elektronik und den stimmlichen Meisterleistungen Philipe Burrells zu den ganz Grossen der Schweizer Alternative-Szene gehören, ist bekannt. Das neue Werk ist reduzierter, sphärischer, düsterer und eigenwilliger als bisher veröffentlichtes und Teil eines umfänglichen Musik-, Tanz- und Animationsprojekts der Band. Partygängern empfehle ich, sich statt zu tanzen und dem Nonsense zu frönen, dem faszinierenden Klangkosmos Marygolds zu widmen. Ich verspreche keine Erleuchtung, jedoch musikalische Läuterung.“

Soweit dazu, die regelmässige Exitmusic.ch-Leserschaft gibt sich mit einem solch kurzen Abriss hoffentlich nicht zufrieden, darum hier eine etwas detailliertere Analyse das Werks:

Dieses beginnt mit „Your Solution Not Mine“ mysteriös. Verschiedene Gesangsparts werden geloopt, im Hintergrund ein Flüstern, darüber eine klagende, schwebende  Stimme, kurz darauf Burrells typischer, ausdrucksstarker Gesang zu elektronischem Beat. Plötzlich, bzw. im  Refrain setzt die Stromgitarre kurz und heftig ein. Der Song ist insgesamt düster, das Spiel mit Intensität und Dichte vorbildlich. „And All That Jazz“ dann eine Spur fröhlicher. Hecktisches, jedoch nicht aufdringliches Schlagzeug und akustische Gitarre, unterbrochen von elektronischen Experimenten, alles ziemlich reduziert, im Zentrum wieder Burrells Gesang, wobei die Melodie diesmal eingängig und friedlich einen gewissen Kontrast zum eigenwilligen Klangteppich bildet. „Riding by Train“ beginnt wiederum mit schwebenden Synthieflächen, langsam gesellt sich die Gitarre und Burells Stimme dazu, die Synthies im Hintergrund werden nervöser, die Melodie bleibt dominant. Ein vorerst wiederum reduziertes Stück. Plötzlich ein gesanglicher Ausbruch, eindringliche, fordernde, zauberhafte Melodie im Refrain. '"Hold On" dann mit dunkelschwarzer Stimmung. Zu Beginn wirkt der Song wiederum unnahbar und abweisend, im Verlauf wird er fassbarer, lauter. Erstmals, dank der deutlich identifizierbaren, klaren Gitarre kommen Burrell und Zosso dem Rock ziemlich Nahe. Im Hintergrund sorgen wiederum verschiedenste elektronische Spielereien für die eigenwillige Atmosphäre. Brillant komponiert. Bei 'Breeding Dust' dominiert dann wiederum die Elektronik bzw. begleitet diese  Burrells Stimme auf ihrem eigenwilligen Trip. „Erase, Delete, Remove“ wird von unzähligen Effekten begleitet, der Rhythmus ist zugänglicher, beinahe Stonerrock, die Gitarre schrammelt. Mit „Perfect Ending“ wird der seltsame Trip reduziert, psychedelisch und eigenwillig beendet. Insgesamt ein schweres, düsteres, facettenreiches und forderndes Album. Hat man sich jedoch erstmals damit angefreundet, kann man die Ohren nicht mehr davon lassen. Vielseitig, gefühlvoll, kreativ, schrullig und gleichermassen eingängig.

Natürlich kann man das Album als allein stehendes Kunstwerk betrachten und entsprechend geniessen; Burrell und Zosso haben jedoch keinen Aufwand gescheut und basierend auf der Musik ein interdisziplinäres Kunstprojekt geschaffen. In Zusammenarbeit mit der Choreographin Fang-Yun Lo (2point4, Essen) und der Videokünstlerin Michelle Ettlin (Zürich) entstand das Tanzkonzert „I Have to Stay to See How the Story Ends“. Ausgangspunkt war Heinrich Bölls Roman 'Ansichten eines Clowns'. 

Abschliessend meine Eindrücke von diesem Anlass am 25. Mai 2010 im Südpol Luzern:

Ich besuche das Theater etwa gleich fleissig wie die Kirche, entsprechend habe ich keinen Plan, wo ich den Massstab ansetzen muss, um das Gesehene entsprechend zu würdigen. Dass Musik, Tanz und Visuals gemeinsam gut funktionieren, ist mir jedoch bewusst. Das Tanztheaterprojekt „I Have to Stay to See How the Story Ends“ ordne ich vorerst mal der experimentellen Kunst zu. Auf der Bühne steht nur eine grosse Kiste. In deren Innern ein kleines Schlagzeug, ein ungeheuerlicher Kabelsalat mit verschiedensten elektronischen Geräten, Gitarren und Keyboards. Eine kleine Bühne auf der Bühne also. Auf der Kiste ein Kleiderständer, im Hintergrund eine übergrosse Leinwand, ansonsten eine grosse, leere Bühne. Burrell und Zosso setzen sich in die Kiste und machen Geräusche, aus diesen entwickelt sich mit der Zeit ein Song, welcher fliessend entweder in Geräuschen oder dem nächsten Song endet. Auf der Bühne zwei asiatische Tänzerinnen sowie ein Tänzer. Diese bewegten sich mal zur Musik, mal scheinbar frei improvisierend, dann wieder gemeinsam tanzend. Sie werfen Kleider und Stühle umher, klettern abwechselnd auf die Kiste, schieben diese im Raum herum, ziehen sich aus, an und um. Die Grenze zwischen Theater und Tanz (wenn es denn eine solche gibt) ist nicht auszumachen. Dazu wurden Bilder der TänzerInnen auf die Leinwand projiziert. Wirklich schlau wurde ich aus der Sache nicht. Sämtliche Protagonisten beteiligten sich an allen 'Anteilen' (Musik, Tanz, Visuals) des Projekts. Mal klettert Burrell auf die Kiste, um dort liegend zu singen, dann singt er ein Duett mit einem Kasettenrecorder, die TänzerInnen verrenken sich mal unnatürlich, spielen dann wieder Theater, stehen vor einer Kamera, welche die Aufnahmen live auf der Leinwand erscheinen lässt. Der Zuschauer kann verschiedenste Perspektiven wählen. Die verschiedenen Ebenen des Projekts verschmelzen, der Zuschauer muss sich entscheiden, ob er die Musik geniessen, die TänzerInnen beobachten, die Visuals einordnen oder das Gesamtwerk betrachten will. Gleichermassen faszinierend wie verstörend. Manchmal witzig, dann wieder zum denken animierend, mal unverständlich, dann einleuchtend. Jedenfalls vielseitig, vielschichtig und höchst unterhaltsam. Mir persönlich gefiel natürlich die Musik am besten. Wie Burell und Zosso live aus verschiedensten Klängen die Songs entstehen liessen war schlicht genial. Dass die Entscheidungsgewalt beim Zuschauer bleibt, bzw. dass dieser sich selbst entscheiden soll, worauf er seine Aufmerksamkeit lenkt, war gewollt und meiner Ansicht nach eine wunderbar umgesetzte Idee.

Soweit mein Senf zum neuen Projekt von Marygold. Wer die Aufführungen verpasst hat, ist selbst schuld, als Trost bleibt ein weiteres, brillantes Album der besten Luzerner Band überhaupt. Dankesehr.

Seit 21. Mai 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

MarygoldAnspieltipps:
> Your Solution Not Mine
> Riding by Train
> Erase, Delete, Remove

Diskographie:
> Turned Left But Don’t Know If I Was Right (2003)
> Why So Sad (EP, Live @ Boa Luzern) (2004)
> Dare, Dare…Surrender (2006)
> My Bow, My Arrow, My Target (2009)
> I Have to Stay to See How the Story Ends (2010)
» Noch keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
 
< Zurück   Weiter >