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Massive Attack - Heligoland

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von Tobias Imbach am Donnerstag, 4. Februar 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Trip Hop, Electronica, Art-Rock  |  Label: Virgin Records (EMI)  |  Unsere Wertung: 7.0/10

HeligolandWas lange währt ...
Nach sieben Jahren Wartezeit und einem Album, das sich im Nachhinein als doch nicht so schlecht erwies, veröffentlichen die Briten ihr lang erwartetes fünftes Album. “Heligoland“, Song für Song besprochen.

Pray for Rain (mit Tunde Adebimbe)
Der charakteristische Gesang vom TV On The Radio-Mann passt grossartig zum monotonen Klavierspiel und dem rollendem Schlagzeug. Das Stück gewinnt Stück um Stück an Intensität, um dann auf befremdliche Weise in einer grossen Seifenblase zu zerplatzen. Da heisst es: Warten auf einen gescheiten Remix, da wär noch einiges rauszuholen. 6.5/10

Babel (mit Martina Topley-Bird)
Eine Stimme, die dem Trip Hop-Kenner unter Garantie ein Begriff ist, klingt im Refrain ungewohnt nach einer von tausenden Popsängerinnen, auch der Sound ist mit seinen nervös ratternden Breakbeats relativ untypisch für die Trip Hop-Pioniere. Die verzerrten Gitarren und der Bass lassen zwar Erinnerungen an “Mezzanine“ wach werden, allerdings allein mit der Folge, dass man jenes Meisterstück hervorholt. “Babel“ ist nicht nur eisig kalt, es lässt auch kalt. 5.5/10

Splitting the Atom (mit Horace Andy)
Zu lange hat man Daddy Gs tiefe Stimme nicht mehr gehört, dazu noch Horace Andy, 3Ds einschläfernder Gesang und eine satte Dosis Reggae – fast wie in alten Zeiten, wäre da nicht das reduzierte Beatgerüst und die futuristischen, aber sehr atmosphärischen Synthies. Aufregend und hypnotisierend. 8/10

Girl I Love You (mit Horace Andy)
Das Bassspiel und die in der Ferne hallenden Gitarren erinnern wieder an Mezzanine, besonders an dessen Opener “Angel“ - dort wie hier ist Roots-Reggae-Legende Horace Andy am Mikrofon. Ohne je wirklich so auszubrechen wie in “Angel“ geben sich Massive Attack auch in “Girl I Love You“ druckvoll und fordernd. 8/10

Psyche (mit Martina Topley-Bird)
Im Vergleich zum Remix von Flash, der bereits auf der “Splitting the Atom“-EP im Herbst des letzten Jahres zu hören war, wirkt die Albumversion melodiöser und schöner. Dürfte sich im Vergleich zum Flash Treatment aber relativ schnell totgespielt haben. Für den Moment aber gute 7/10

Flat of the Blade (mit Guy Garvey)
Ebenfalls auf der vorangengegangenen EP, dann noch unter dem Namen “Bulletproof Love“ in einem technoiden Remix, ist diese neue Version noch sperriger und erinnert mit seinen Sounds zwischen Acid und Dubstep stark an Thom Yorkes “Eraser“. Wer ungeduldig ist, hört nach einigen Minuten nicht mehr hin, verpasst dabei aber auch wie sich die Klangwelten nach Momenten im unmelodischen Dunkel nach und nach erhellen und in majestätischem Glanz erscheinen. 8.5/10

Paradise Circus (mit Hope Sandoval)
Shara Nelson, Tracey Thorn, Elizabeth Frazer und, hier auf “Heligoland“, Hope Sandoval. Die Sängerin der Indie-Blues-Genies Mazzy Star hat eine Stimme, die in einem Atemzug mit jenen genannt werden darf, die auf früheren Werken kongenial mit den trippigen Sounds der Bristoler harmonierten und damit an den grössten Meisterstücken der Band beteiligt waren. Das Vibraphon aus “False Flags“, das Klavier aus “Teardrop“, der dubbige Bass und die Streicher aus dem Paradies... und eben diese Stimme. Grandios. 10/10

Rush Minute
Ein interessant arrangierter Ausflug in den Post-Rock, der sich nach einem Alleingang von Robert Del Naja wie zu Zeiten von 100th Window anhört, allerdings nicht so wirklich zum Rest dieses Albums passen will. Verdrängt wird in Gedanken schnell, dass Tournee-Schätze wie “Dobro“ oder “Red Light“ nicht auf dem Album zu finden sind und dass im Vorfeld auch Stücke mit Elizabeth Fraser, Dot Allison oder Beth Orton aufgenommen worden sind. 5/10

Saturday Come Slow (mit Damon Albarn)
Noch ein Schritt weiter weg vom R&B, der die früheren Alben charakterisierte, immer mehr hin zum Art-Rock, wie ihn auch Radiohead einspielen könnte. Blur- und Gorillaz-Mastermind Damon Albarn betört mit melancholischem Gesang in einem eigenartigen und verträumten Song, der trotz Gitarrenwänden nie wirklich loskracht, aber doch in einen Rausch versetzt. 8/10

Atlas Air

Zusammen mit “Dobro“ war das bombastische “Marakesh“ eines der Stücke, das bei den Live-Konzerten in den vergangenen Jahren grossen Eindruck hinterliess. “Atlas Air“ heisst das siebenminütige Stück nun und hätte auch nur halb so lang und doppelt so gut sein können. Die erste Hälfte des Stücks langweilt und trägt nichts zum Effekt des gleichwohl sehr gelungenen Feuerwerks in den letzten Minuten bei. 6.5/10

Nur bei den wenigsten dieser zehn Stücke haben Massive Attack alles richtig gemacht, dabei hat jeder Song seine reizvollen Momente und Ideen mit Potential. Nach einer siebenjährigen Wartezeit mit begeisternden Konzerten und Gerüchten, die Namen wie Tom Waits, Tricky, David Bowie, Mike Patton und viele viele andere ins Spiel brachten, dürfte “Heligoland“ aus der Perspektive eines Fans ziemlich ernüchternd sein. Die Hoffnung bleibt, dass einige Stücke mit wiederholtem Anhören an Reiz gewinnen. Und sonst richtet es womöglich Dubstep-Vorkämpfer Burial, der wie Mad Professor damals bei “Protection“ mit dem Auftrag bedacht wurde, “Heligoland“ einer Remix-Kur zu unterziehen.

Ab 5. Feburar 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Massive Attack
Diskographie:

> Blue Lines (1991)
> Protection (1994)
> No Protection (1995)
> Mezzanine (1998)
> Singles Collection (1998)
> 100th Widow (2003)
> Danny the Dog – Soundtrack (2004)

> Collected (2006)

> Splitting the Atom EP (2009)
> Heligoland (2010)


Ähnliche Künstler:  
> Radiohead
> TV On The Radio
> UNKLE
> Sneaker Pimps
> Everything But The Girl

> Tricky
> Lamb
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