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Matt Elliott - Drinking Songs (2005) (Ici D'Ailleurs/RecRec)

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von Ivana Leiseder am Dienstag, 1. März 2005 in Neuerscheinungen   
Apokalypse Reloaded

Matt Elliott - Drinking Songs (2005) (Ici D'Ailleurs/RecRec)Matt Elliott knüpft mit seinem neusten Streich nahtlos an "The Mess We Made" an und offenbart uns seine apokalyptischen Botschaften einmal mehr mit voller Wucht. Ein Meisterwerk fernab des Irdischen - zwischen Folklore, Ambient, Drum'n'Bass und Singer/Song- writertum. Ein Lobgesang auf die Hoffnungslosigkeit.

Endlich. Das Jahr seit der Veröffentlichung seines Debütalbums unter richtigem Namen war ein ganz schön langes, doch nun ist Matt Elliott mit einem neuen Werk zurück, das ganz der Tradition seines letzten Silberlings folgt. Schon der knapp 10-minütige Opener zeigt sich als gewohntes Songkonstrukt und Matt Elliott arbeitet mit denselben Mitteln, die auf "The Mess We Made" unverkennbar waren: Eingestimmt wird mit einer sanften Gitarrenmelodie, zu der sich dumpfe Bläser (anmutend wie Posthörner aus der Ferne), ein minimalistisches Piano und herzzerreissende Violinen gesellen, bevor Stimmfetzen eingestreut werden, die undeutliche, leidende Laute von sich geben - als ob die Stimmen direkt von Menschen stammten, die mit dem Tode ringen. "C.F. Bundy" ist nicht der einzige Song, der eine resignative und hypnotische Atmosphäre verbreitet, sind doch auch die anderen Stücke wieder geprägt von den bevorzugten Themen Tod, Scheitern, Trinken und Untergang. (Diesmal lässt als Zusatz gar auch ein bisschen Weltpolitik grüssen - wie auf "A Waste Of Blood", das allen Opfern der amerikanischen Aussenpolitik gewidmet ist.) So bestimmen verstörende, verzerrte Geisterstimmen und chorartiges Summen, die der Musik fast schon mystische Dimensionen verleihen "Trying To Explain", das zweite Stück auf "Drinking Songs". "The Kursk" wiederum ist ein Stück analog zu "The Sinking Ship Song" aus "The Mess We Made", das den kläglichen Untergang eines Schiffes musikalisch untermalt. Eingestimmt wird mit brutalen Zerstörungsgeräuschen, die sogleich von einer passend zur Beerdigung spielenden Gitarrenmelodie begleitet werden. "Slowly, we're dying", singen die Matrosen und schreien sich betrunken den Schmerz von der Seele - als ob sie damit ihr Scheitern einfacher hinnehmen könnten. Die Stimmen sind auch hier wieder harmonisch äusserst komplex miteinander verschachtelt und scheinen von einem überdimensionalen Chor zu stammen.
Matt Elliott hat seine Musik grössenteils (glücklicherweise) so weitergeführt, wie sie auf "The Mess We Made" zu finden ist, doch zwei gänzlich neue Elemente überraschen die Sinne: Auf dem neusten Streich wird nun viel mehr Wert auf die Lyrics und ausgeklügelte Botschaften/Geschichten gelegt, was Matt Elliotts Musik ein weiteres Etikett verleiht, nämlich dasjenige des Singer/Songwriters. Ausserdem baut der Mastermind auf einigen Songs Elemente slawischer Musik ein (wie z.B. auf "What's Wrong", das von Mundharmonika und Handorgel geführt wird), was der Musik zusätzlichen Reiz verschafft. Nicht nur gewisse Instrumente erinnern an Osteuropa - auch die Trinkerei soll gemäss Klischees so z.B. der Russen liebstes Hobby sein. Ganz falsch liegen sie mit ihrer Haltung nicht, denn die folkloristische Note, die durch die Anlehnung an slawische Musik entsteht, bietet als einziger Baustein ein kleines bisschen Hoffnung in der trostlosen Welt Matt Elliotts.
Matt Elliott führt uns bis zum letzten Stück, "The Maid We Messed" (ein Anagramm zu "The Mess We Made") ohne gross sich aufdrängende, bemerkbare elektronische Klänge durch das Album. Schon beinahe enttäuscht über die Absenz der für ihn doch so typischen Third Eye Foundation-Breakbeats, artet das finale Stück, zuerst sachte und unscheinbar beginnend, in ein apokalyptisches, 20-minütiges Drum'n'Bass-Chaos aus, das so manches Herz und vor allem manchen Kopf erfreuen dürfte. Selten war Musik so destruktiv, so kläglich düster. Und selten hat sie so viel Spass gemacht. Matt Elliott ist der unangefochtene Meister des musikalischen Ausdrucks der menschlichen Abgründe und entführt einen in parallele Welten fernab des Materiellen - zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Leben und Tod.


Seit 8. Februar 2005 im Handel.

Anspieltipps: Trying To Explain, The Kursk, The Maid We Messed
similar artists: Third Eye Foundation, Hood

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:
Matt Elliott wurde 1974 in Bath, England geboren und war zu Beginn seines musikalischen Schaffens Mitglied von Flying Saucer Attack und zudem Programmierer, Schlagzeuger und Viola-Spieler auf vielen früheren Alben von AMP, bevor er dann 1996 unter dem Pseudonym Third Eye Foundation sein Debütalbum "Semtex" herausgab. Erst mit dem zweiten Album, "Ghost", erlangte Matt Elliott die gewünschte Aufmerksamkeit der Kritiker und begleitete Hood auf ihrer Tour durch Grossbritannien und Belgien. Es folgten noch mehrere Alben, auf denen sich Matt Elliott sukzessive vom Drum'n'Bass und Jungle abwendet und ruhigere Musik zutage legt. Matt Elliott lebt heute in Frankreich.

Matt Elliott - Drinking Songs (2005) (Ici D'Ailleurs/RecRec)
Diskographie:
⇒ Semtex (1996)
⇒ Ghost (1997)
⇒ You Guys Kill Me (1998)
⇒ Little Lost Soul (2000)
⇒ I Poo Poo On Your Juju (2001)
⇒ The Mess We Made (2003)
⇒ Drinking Songs (2005)


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