Genre: Indiepop/Rock | Label: Faderlabel (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 7.0/10
Grosstadtsound
Matt & Kim tummeln sich auf einem Spielplatz in Brooklyn und überziehen dabei mit Synthies und Drums Sandburgen mit Zuckerüberguss. Ihnen bei dieser Gratwanderung zwischen charmanter Naivität und überzogener Einfachheit zuzuhören macht dabei auch noch Spass – zumindest meistens.
Charmante Disco-Synthies und einfache Keyboard-Melodien, intelligent eingesetzte Drum-Beats und Percussion sowie eine nasale Männerstimme sind die prägenden Merkmale von Matt & Kim. Die Stimme mag die Geister scheiden, prägt jedoch die Musik und unterscheidet das Duo von ähnlich klingenden Künstlern. Stimmlage, teils einfache Texte sowie Melodien lassen Matt&Kim häufig mit Naivität kokettieren. Dabei bewegen sie sich an der Grenze zum Billigen, können jedoch mit speziellen Arrangements und Spielereien dagegenhalten und bewahren sich somit meistens einen gewissen Charme.
Matt Johnson und Kim Schifino lernten sich während des Kunststudiums kennen und spielen Instrumente, die sie damals noch gar nicht konnten. Nach „Matt & Kim“ und „Grand“ ist „Sidewalks“ ihr drittes Album, erstmals produziert von Ben Allen (u.a. Gnarls Barkley, Beasty Boys, Animal Collective, Bad Boy Records). Mit neueren, rhythmischen Einflüssen aus Hip Hop und R&B unterstreicht das Duo dabei, was sie in ihrer Single „Dayligth“ des vorherigen Albums bereits unter Beweis stellten: Nicht nur Jay-Z und Alicia Keys kennen sich mit Grossstadthymnen aus.
„Now this is all me“ singt Matt in „Block After Block“ und eröffnet so das dritte Album des Brooklyner Duos Matt&Kim. Der Eröffnungssong des Albums ist denn auch kein Auftakt, sondern zieht einen sofort mitten hinein nach New York, Brooklyn und seine Strassen. Rotierende Keys, einarmiger Disco-Synthie und nasale Männerstimme treffen auf knackige, rollende Drums. Der Auftakt gelingt. Leider folgt mit dem nächsten Song „AM/FM Sound“ sogleich der Tiefpunkt: Mit nervigen Mitgröll-„oheohe“-Refrains und Textzeilen wie: „I just sit here tonight and wait for my ride, i just sit here tonight and you’re always by my side“, macht sich die Band keinen Gefallen.
Lied Nummer zwei auf der CD steht exemplarisch für eine der Schwachstellen des Systems Matt & Kim: Wird das richtige Mass an Naivität verpasst, verwandelt sich dieses besondere Element der Band von einer Stärke zu einer Schwäche. Glücklicherweise bleiben solche Momente auf der CD in der Minderheit. Die Single „Cameras“ mit R&B-Rythmen und BigBand-Bläsern lädt zum Tanzen ein, in „Red Paint“ spult eine herrliche Synthie-Klangfolge durch den ganzen Song und „Wires“ weiss mit platzlassendem Zusammenspiel von Perkussion, Gesang und Tasten, sowie einem hymnischem Refrain zu gefallen. Das eigentliche Schmuckstück der CD bildet jedoch „Northeast“, eine Reminiszenz an den Nordosten Amerikas. Das langsamste Lied des Albums besticht durch seine Schlichtheit: Ausgehaltene Klavier-Akkorde und darüber singt Matt Johnson: „The Northeast, well it’s all I really know / With dust and bricks and some cars in the snow / It’s like New York in the late summer time.“ So schön kann Schlichtheit sein!
Einige langsame oder mid-tempo Stücke mehr hätte die CD vertragen. Viele Lieder gefallen einzeln, bleiben jedoch am Ende nicht haften. Zu locker kommt die CD dafür im Gesamten daher. Schlecht oder gar oberflächlich ist die Scheibe deswegen jedoch noch lange nicht! Vielmehr sind Matt & Kim ein weiterer Beweis dafür, dass Brooklyn bezüglich Musik momentan zu einem der interessantesten Flecken gehört. Trotz vermeintlicher Naivität und Zuckerguss ist die CD spannend und beinhaltet eine ihr eigene Konsistenz, Komplexität und Logik. Sehenswert sind auch ihre Videoclips. Einfach einzuordnen sind Matt&Kim nicht. Das ist ein Kompliment.
Seit 18. März 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Block After Block
> Cameras
> Northeast
> Wires
Diskographie:
> Matt & Kim (2006)
> Grand (2009)
> Sidewalks (2011)
Ähnliche Künstler:
> Vampire Weekend
> Pixies
> Passion Pit
> Hot Hot Heat
> The Rapture