Was früher gefiel, tut es morgen auch noch, denkt sich Max
Richter und hat dabei recht: Auf “Songs From Before“ begegnen wir
Klängen zwischen Klassik und Ambient, hochmelancholisch und trotzdem
minimalistisch, völlig zeitlos und trotzdem genau zu dieser Jahreszeit
perfekt.
Man kennt sie; die Musik, die das Verlorengehen in trübe Gedanken fördert, besonders auch in diesen vorwinterlichen Tagen - den Blick starr aus dem Fenster auf das nasse Grau gerichtet, Song für Song zieht vorbei und die Gedankenfetzen leise mit… Wie auch immer: Jenes “sich verlieren“, das gehört jedes Jahr dazu, genauso wie das Album, das um den Titel “mein liebstes Herbst-Album dieses Jahres“ kämpft. Mit seinen “Songs From Before“ wird Max Richter den Weg in die Herzen so manches saisonalen und dauerhaften Melancholikers finden und sein jüngstes Album garantiert von dem einen oder anderen mit Liebe diese oben erwähnte Auszeichnung aufgedrückt bekommen.
Richter weiss sowohl die wichtigen klassischen Komponisten der letzten Jahrhunderte als auch modernere Innovatoren wie Steve Reich und Philipp Glass zu schätzen. Letztgenannte, ihres Zeichens wegweisende Köpfe der modernen klassischen Musik durch die Schöpfung der Minimal Music geworden, schufen am ehesten Klänge, die mit jenen Richters vergleichbar wären. Zwar minimalistisch arrangiert, aber in ihrer Wirkung greifen die Klänge tief, die Schwere der Melancholie wirkt stellenweise überwältigend. Atmosphärische Synthies treffen auf schlicht-schönes Klavierspiel, Streicherwände bauen sich auf, und ab und an flirren dezent eingesetzte Geräusche und Effekte vorbei. In einigen Stücken erklingt die Stimme von Robert Wyatt, der Textpassagen aus Haruki Murakamis Werk liest. Die Stimmung, die durch dies alles erzeugt wird, kann als stimulierend, meditativ und nachdenklich bezeichnet werden. Meist sind die Klangfarben eher dunkler Art, in einigen Stücken wie “Sunlight“ und den beiden “Autumn Music“-Titeln dringen aber auch etwas hoffnungsvollere Elemente durch. Max Richters “Songs From Before“ ist eigentlich ein vollkommenes Werk, das sowohl als Ambientalbum eine erstklassige Figur macht, aber auch aufgeschlossenen Liebhabern von klassischer Musik Hörvergnügen in grossem Stil bietet.
Seit 14. November 2006 im Handel.
Anspieltipps: Flowers for Yulia; Sunlight; Autumn Music 2
Trackliste: 1) Song; 2) Flowers For Yulia; 3) Fragment; 4) Harmonium; 5) Jonosphere; 6) Autumn Music 1; 7) Time Passing; 8) Sunlight; 9) Lullaby; 10) Autumn Music 2; 11) Verses; 12) From The Rue Vilin
similar artists: Philipp Glass, Steve Reich, Arvo Pärt, Jóhann Jóhannsson
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Bio:
Max Richter ist ein deutscher Komponist, der im Jahr 1966 in Deutschland geboren wurde, nun aber in Grossbritannien, genauer im schönen schottischen Edinburgh lebt. In Grossbritannien war es, wo Richter Musik studierte. Erst in Edinburgh an der Universität, dann an der London’schen Royal Academy of Music. Nach dem Abschluss seines Studiums war Max Richter für ein Jahrzehnt Teil des in Insiderkreisen legendären Piano Circus-Ensembles, das unter anderem Kompositionen von Arvo Pärt, Brian Eno oder Philip Glass interpretierte. 1996 folgte Kollaborationen mit den genialen Soundtüftlern von Future Sounds Of London (Produkte: “ Dead Cities“, “The Isness“). Dazu kam auch eine Zusammenarbeit mit Drum’n’Bass-Hero Roni Size auf dessen Knalleralbum “In The Mode“ (2000). Nicht viel später veröffentlichte Max Richter sein Debütwerk “ Memoryhouse“. Mit den grossartigen Alben “The Blue Notebooks“ (2004) und “Songs From Before“ (2006) gewann Max Richter dann auch an Popularität ausserhalb von Szenekennern.