Ich kenne ja so einige Cover-Versionen. Gerade wenn man mit Punk Musik aufwächst und Bands wie Me First And The Gimme Gimmes kennt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, alte Klassiker zu verhunzen, hat man bald mal die Nase voll von all den faden Neuinterpretationen. Was man aber all den verpunkten Versionen zu Gute halten muss ist, dass sie wenigstens ein bisschen anders klingen als ihre Originale, naja, zumindest schneller. Micah P. Hinson jedoch scheint auf diesem Album vielmehr daran gelegen, so zu klingen, wie das Original selbst. Dies muss bei den riesigen Songs und Künstlern, die er sich ausgesucht hat, einfach nur schief gehen.
Wie kommt man zum Beispiel nur auf die Idee mit „My Way“ von Frank Sinatra einen der besten Songs überhaupt zu covern? Wahrscheinlich eben gerade darum. Aber wer sich an Legenden zu schaffen macht, geht eben auch das Risiko ein ziemlich tief zu fallen. Krampfhaft versucht Micah P. Hinson sich an die schon perfekten Vorlagen zu halten. „My Way“ ist sicher einer der schlechtesten Songs auf dem Album, weil man ganz einfach in jeder Sekunde das Original im Hinterkopf hat. Keinen Deut besser verhält es sich mit „Runnin’ Scared“ von Roy Orbison, „Suzanne“ von Leonard Cohen, „Are You Lonesome Tonight?“ vom King of Rock’n’Roll, „Stop the World“ von Patsy Cline oder zu guter letzt „While My Guitar Gently Weeps“ von den Beatles.
Ebenfalls ziemlich belanglos klingen „In the Pines“ von Leadbelly und „Listen to Me“ von Buddy Holly. Dass Micah P. Hinson all diese Künstler schätzt und wohl auch verehrt, dürfte klar sein. Einen Punkt gibt es auf jeden Fall schon für den Mut sich an diese grossen Namen zu wagen, aber funktionieren kann so ein Album nie und nimmer, vielleicht nur dann, wenn man die Originale nicht kennt.
Einigermassen akzeptabel klingen dafür die Versionen von John Denvers „This Old Guitar“ und von Bob Dylans „The Times They Are A Changin“. Micah P. Hinson covert jedoch nicht nur jene ganz alten Klassiker, sondern auch zwei eher neuere Stücke mit Pedro The Lions „Slow and Steady“ und „Not Forever Now“ von Centro-Matic. Beide Bands kenne ich zwar, aber diese Songs sind mir nicht bekannt, was in diesem Fall nur ein Pluspunkt sein kann für Micah P. Hinson.
Die Arrangements der Songs sind sehr einfach gehalten. Die eigentlich wirklich schön tiefe Stimme von Micah P. Hinson und eine akustische Gitarre sind alles was es grösstenteils zu hören gibt.
Es ist nicht meine Absicht, dieses Album grundsätzlich schlecht zu machen. Es ist viel mehr so, dass ich nicht wirklich verstehe, wie man ein komplettes Cover Album aufnehmen kann. Ich bin auch nicht grundsätzlich ein Gegner von Cover-Versionen, aber ich finde wenn man sich schon das Recht heraus nimmt einen fremden Song zu covern, dann sollte man wenigstens versuchen, irgendwas Eigenständiges daraus zu basteln, ansonsten kann man es ja gleich lassen.
Die nackte Wahrheit klingt meist besser als sich mit fremden Federn zu schmücken. So hält man sich auch bei Micah P. Hinson am besten an seine anderen Alben und seine eigenen Songs.
Seit 18.September 2009 im Handel.
> Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> This Old Guitar (John Denver)
> The Times They Are A Changin’ (Bob Dylan)
Diskographie:
> Micah P. Hinson and the Gospel of Progress (2005)
> Micah P. Hinson and the Opera Circuit (2006)
> Micah P. Hinson and the Red Empire Orchestra (2008)
> The Surrendering (2009)
> All Dressed Up and Smelling of Strangers (2009)
Ähnliche Künstler:
> Mark Eitzel
> Richard Hawley
> Jim White
> Lambchop
> Vic Chesnutt
> Jason Molina
> Bonnie „Prince“ Billy
> Damien Jurado