10 Kandidaten bewerben sich dieses Jahr mit Pop,
Lutscher, Farbentupfer und Knalltüten aus ganz Europa: Die Ergebnisse
sind durchzogen.
England eröffnet die Show mit der hübschen Grace Kelly, welche mit ihrer Kopfstimme sämtliche Oktaven des Universums erreichen kann, was das Publikum in euphorische Zustände versetzt. Der mitreissende, lockere Refrain, der aufsteigend Druck macht, lässt das Saalpublikum aufstehen und mitklatschen.
Aus Schottland meldet sich der Kinderstar Olli L. Pop, welcher mit lustigen Beats aus dem Märchenland auftrumpft. Sein Beitrag polarisiert aufgrund Rapeinlagen und surrealer Zuckerwattenschlossatmosphäre. Auf der Bühne tanzt der Hofnarr mit dem König zusammen, der böse Wolf schwingt sein Tanzbein mit Rotkäppchen, welches von einem Mann gespielt wird.
Der junge, aufsteigende Songwriter Myt ¨Nation¨ Peyrret aus Norwegen veranschaulicht uns mit seinem Beitrag seine persönliche (Welt-)Interpretation und bleibt einem mit hübschem Refrain und smartem Lächeln in Erinnerung.
Aus Rumänien stammt die quirlige Gruppe „Love Today“, welche aus je zwei gutaussehenden Tänzer und Tänzerinnen besteht, wobei die Frauen die quäkende Strophe stöhnen und die beiden Jungs den eingängigen Refrain herausposaunen. Die Zuschauer sind sich bald einig: Was sie hier hören, ist ein Allerweltssong, welcher bald Kultstatus innehalten wird. Zumindest in den Discos von Ibiza sollte es für ein paar Sommer lang reichen.
Lexary Keittesaa aus Finnland macht bereits mit seinem extravaganten Äusseren auf sich aufmerksam: Sein weisses Shirt wirkt etwas gar feminin, sein animierendes Aufrufen zum Mitmachen etwas zu aufdringlich. Immerhin tanzen die mitgereisten Groupies in der dritten Reihe die einstudierte Choreographie nach, damit der Auftritt wenigstens ein bisschen wirkt.
Der portugiesische Beitrag beim Song Contest verblüfft mit einer schon sehr oft gehörten Strophenmelodie. Mitglieder der Jury wollen die Bewerber zuerst disqualifizieren; nachdem sie das Stück aber zu Ende gehört haben, applaudieren sie der politisch engagierten Band „Any Other World“ zu Tränen gerührt zu.
Witziger geht es dann wieder beim nächsten Auftritt zur Sache: Der lustig-sympathische Billy Brown aus den Niederlanden bietet einen typischen Song-Contest-Track, der gleich beim ersten Durchgang hängen bleibt, dann aber (ausser auf dem Sampler des Events selber) nirgends mehr zu hören sein wird.
Polnische Männer fanden die Idee witzig, sich Big Girl zu nennen und erst am Ende ihrer Show ein wirklich riesiges Mädchen auf die Bühne zu lassen. Allerdings fällt die Akrobatiktruppe unter der monströsen Konstruktion am Ende in sich zusammen, sodass die Sache auf lächerliche Weise ausartet. Schade um den passablen, wenn auch textlich sehr platten, Refrain.
Der vorletzte Beitrag, welcher aus Deutschland stammt, kommt von HP & Pia Dyngen, welche mit einem souveränen Duett endlich wieder einmal Hitqualität aufkommen lassen. Das Pianospiel von HP und der Gesang von Pia entzücken die Zuseher. Nur die Kleiderauswahl ist störend.
Dass ausgerechnet die irische Band Happy Ending das Finale akustisch ausfüllen darf, kann kein Zufall sein. Ihr orchestraler Pop lässt schon beinahe wehmütige Stimmung aufkommen, im Background-Bereich sind die Jungs von Big Girl nicht die einzigen, welche ein paar Tränchen vergiessen.
Am Ende hat sich das Publikum mit knapper Mehrheit für Grace Kelly aus England entschieden. Beim zweiten Auftritt, den die frischgekürte Siegerin geben darf, können dann auch schon alle mitsingen.
Nach der Show sehen aufmerksame Augenzeugen, wie Grace Kelly zum Hotel, wo die deutsche Fraktion untergebracht wurde, rennt und sich im Eingangssaal ein Mikrophon schnappt und leise fragt: „HP, why don’t you like me?“
Seit 9. Februar 2007 im Handel.
Anspieltipps: Grace Kelly; Love Today; Stuck In The Middle
Trackliste: 1) Grace Kelly; 2) Lollipop; 3) My Interpretation; 4) Love Today; 5) Relax (Take It Easy); 6) Any Other World; 7) Billy Brown; 8) Big Girl (You Are Beautiful); 9) Stuck In The Middle; 10) Happy Ending
similar artists: Scissor Sisters, Atomic Kitten, Euroboys, Queen
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Bio:
Mika wurde am 18. August 1983 in Beirut unter dem bürgerlichen Namen Mica Penniman geboren. Aufgewachsen ist er in Paris und London. Klavierspielen hat er sich im Selbststudium angeeignet. Bereits mit nur elf Jahren stand er auf die Bühne einer Richard-Strauss-Oper. Der Autodidakt ist Sänger, Songwriter, Performer und Arrangeur in einer Person. Er studierte Musik am "Royal College of Music" in London. Die Liebe fürs Detail, persönliche Sorgfalt und Hingabe sind die Zutaten, die Mika und seinen Sound ausmachen.