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Millionaire - Paradisiac (2005)

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von Philipp Gautschi am Sonntag, 30. Oktober 2005 in Neuerscheinungen   
Genre: Rock
Label: PIAS
CH-Vertrieb: Musikvertrieb
Unsere Wertung: Millionaire - Paradisiac (2005)

Belgique meets Dessert-Sessions
Millionaire - Paradisiac (2005)Was weiss der Normalsterbliche eigentlich über Belgien? Ich etwa Folgendes: Zweisprachig, zwischen Holland, Deutschland, Luxemburg, Frankreich und der Nordsee gelegen, Antwerpen, Brügge und Namur als sehenswerte Städte, EU-Hauptsitz in Bruxelles und momentan in einer äusserst produktiven, kreativen musikalischen Entwicklung, wenn ich an Soulwax, Ghinzu, Deus oder Millionaire denke. 
 

Hier befasse ich mich kurz mit dem neusten Schrei aus dem immer sympathischer erscheinenden Land, nämlich Millionaire. Hört man sich die CD zum ersten Mal an, schweifen die Gedanken unweigerlich in Richtung QOTSA. Und tatsächlich: Josh Homme hatte seine Finger genauso wie Alain Johannes und Joe Barresi im Spiel… Gewisse Parallelen zu der Dessert-Sessions-Szene sind also nicht vom Tisch zu weisen. Trotz des amerikanischen Einflusses kreierten Millionaire ein sehr eigenwilliges, düsteres, schweres, zerhacktes, komplexes Album, welches nicht im selben Atemzug mit den Werken des Herrn Homme genannt werden sollte. Tim Vanhamel und seine Mannen machten bereits anno 2002 mit ihrem nicht minder schrägen Debüt ''Outside The Simian Flock'' auf sich aufmerksam. Ihre Musik ist sehr eigenwillig; mit dreckigen Gitarren sowie lauter, deftiger Elektronik wird nicht gespart. Zartbeseitete könnten das Gespielte als Krach bezeichnen, ich nenn' es Kunst. Man muss sich die Platte mehrmals, wenn nicht gar sehr oft, zu Gemüte führen, um das Geknarze, das Gequietsche, das chaotische, schwer Zusammenhängende als sehr gekonntes, mitreissendes, schwieriges und schlussendlich doch melodisches Gesamtwerk zu akzeptieren oder zu mögen. Die abrupten Wechsel von grausamen Instrumentenquälereien, komplettem Durcheinander sowie teuflischem Gekreische zu beinahe harmonischen Homme'schen Instrumentalteilen, brillanten Soli, elektronischen Massakern (''Alpha Male'') bis hin zu einem Ausflug in etwas ruhigere Sphären (''Ballad Of Pure Thought'') fordern heraus, animieren zum genauen Zuhören und gefallen je länger si besser. Grob gesagt eine sehr fordernde, sackstark gespielte, manchmal verwirrende, meistens krachende, zerstörerische, trotzdem melodische, einfallsreiche Platte für den anspruchsvollen, chaosgewohnten, mainstreamverachtenden, hartgesottenen Hörer.


Seit 26. September 2005 im Handel.

Anspieltipps: Rise and Fall, Love Is A Sickness, Ballad Of Pure Thought… (Eigentlich sollte man sich alle Stücke anhören.)
Trackliste: 1) I'm on a high; 2) A lust unmatched; 3) For a male; 4) Streetlife cherry; 5) Rise and fall; 6) Alpha male; 7) Love is a sickness; 8) Ballad of pure thought; 9) We don't live there anymore; 10) Wake up children; 11) W face that doesn't fit
similar artists: QOTSA, Soulwax, Flaming Lips, Modey Lemon

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Die Band um Mastermind Tim Vanhamel, ein alter Kumpel von Josh Homme, ging 2002 mit ihrem Debütalbum in den USA zusammen mit QOTSA auf grosse Tour und erlangte so eine gewisse Bekanntheit. Vanhamel war an verschiedenen Projekten, unter anderem den Eagels Of Death Metal, beteiligt. Der gegenseitige Einfluss, welchen die Herren auf einander haben, darf also nicht unterschätzt werden. Nun haben Vanhamel, David Schroyen, Bas Remans und Aldo Struyf grosse Taten vor, wollen touren und relativ zügig an neuem Material arbeiten, sodass die Fangemeinde nicht wieder drei Jahre auf Neues warten muss.

Millionaire - Paradisiac (2005)

Diskographie:
> Outside The Simian Flock (2002)
> Paradisiac (2005)


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