MathRock findet man irgendwo zwischen Indie, Disco-Rock und Postrock. Die 5 jungen Briten mit dem holländischen Namen Minnaars (=Lovers) spielen solchen.
Mit scheuer Verspätung machen wir im Besonderen jene Leser, die gerne auf dem aktuellen Stand bezüglich junger, britischer, tanzbarer Musik sind, auf die Band Minnaars aufmerksam. Die Euphorie um Bands, die mit der schrecklichen Bezeichnung ’Retrorock’ abgestempelt wurden, hat sich mittlerweile gelegt. Neuerdings wird von ’Discorock’ oder gar ’DarkDiscoRock’ gesprochen, wenn man Off-Beat-lastige, elektronisch verfeinerte, dem Rock jedoch noch immer nah verwandte Musik beschreiben möchte.
Die Minnaars machen etwas in dieser Richtung, nennen wir es heute mal ’Mathrock’. Auszeichnen tut sich die Musik durch bereits genannte, dominierende und wunderbar tanzbare Off-Beats, welche mit sehr schnellem Gitarren-Picking (will heissen: jede Note wird auf jeder Saite einzeln und bewusst angeschlagen) sowie sauberen Melodien kombiniert wird. Tatsächlich besteht der Reiz dieser Platte in ebenjenem Picking. Die spassigen Hot Club de Paris können diesbezüglich als Referenz genannt werden. Die Gitarre verliert sich immer wieder in kleinen, gepickten Läufen im Hintergrund, was den Songs eine angenehme Leichtigkeit verleiht. Mit qualitativ vernünftigen Kopfhörern genossen bietet dies ein wirklich nettes Stereoerlebnis. Andernorts folgt die Gitarre der Gesangsmelodie. Diese Fragilität oder Feinheit bzw. Leichtigkeit des Gitarrenspiels wird durch längere gesangslose Parts unterbrochen, wobei hier auch wuchtiger bzw. druckvoller in die Saiten gegriffen wird. Von Postrock zu sprechen wäre übertrieben, ansatzweise gelingt es den Minnaars in den Instrumentalparts jedoch, leicht psychedelische Stimmungen zu kreieren.
Im Gegensatz zu Hot Club de Paris bewegen sich die Minnaars in Bezug auf die vermittelte Grundstimmung eher auf Pfaden, die von Bloc Party bereits begangen wurden. Die gnadenlos in die Knie fahrenden, teilweise auch ordentlich komplexen Beats werden durch den messerscharfen Gitarreneinsatz zusätzlich betont. Im Kontrast zu dieser durchwegs tanzbaren musikalischen Umsetzung, stehen eher düstere elektronische Spielereien, welche vereinzelt tief in die Songstruktur eingreifen und dadurch entfernt an Depeche Mode oder die Editors erinnern. Hinzu kommt relativ nüchterner, nicht zwingend spektakulärer Gesang. Songs wie „Essay Essay Essay“ oder „Busy Hands“ gehen dank eingängiger Melodie sowie passenden Backvocals als Gassenhauer für Genreliebhaber durch.
Abschliessend ist „Of Our Delirious Former Loving Hours“ ein durchwegs gelungenes, erstaunlich ausgereiftes Debut einer äusserst sympathischen, kreativen jungen Kapelle. Durch die Kombination verschiedenster Elemente (Off-Beats + Picking + Backvocals + Instrumentale Parts + Elekrtonik) entsteht eine sehr interessante und auch nach mehrfachem Durchhören packende Atmosphäre. Produzent Tom Woodhead (Forward Russia) liefert ausserdem ungeheuer saubere Arbeit ab. Ein ohne Gewissensbisse wärmstens zu empfehlendes Album.
Seit 15. Dezember 2009 im Handel.
> Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> Essay Essay Essay
> Are Lovers
Diskographie:
> Of Our Delirious Former Loving Hours (2009)
Ähnliche Künstler:
> Bloc Party
> Foals
> Hot Club de Paris
> Robocop Krauss
> Editors